Psychische Gesundheit – handfeste Depression oder nur Verstimmung?

26.04.2021 |  Von  |  Gesundheit

Die Depression ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, an der weltweit etwa 350 Millionen von Menschen leiden. Betroffene fühlen sich antriebslos und kämpfen mit weit mehr als nur gedrückter Stimmung.

Auch körperlich kann sich eine Depression in Form von Kopf- oder Rückenschmerzen bemerkbar machen. Doch ab wann spricht man eigentlich von einer Depression und gibt es unterschiedliche Arten der Krankheit? Wir klären auf.

Depression = Depression? Auf keinen Fall!

Wir alle waren schon einmal niedergeschlagen und traurig. Mit einer ernsthaften psychischen Erkrankung ist ein vorübergehendes Stimmungstief jedoch nicht gleichzusetzen. Erst wenn die Symptome dauerhaft – länger als zwei Wochen – am Stück bestehen, sprechen Mediziner von einer manifesten Depression bzw. depressiven Episode.

Ursächlich sind sehr häufig chronische Über- oder Unterforderung im Beruf, belastende Beziehungen und Lebensereignisse oder gar schwere Traumata. Auch Stoffwechsel- und Hormonstörungen können zu Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen führen.

Unipolare Depression

Bei der unipolaren Depression, der klassischen Form der Depression, dominieren Interessenverlust und Antriebslosigkeit das Befinden. Auch veränderter Appetit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, innere Unruhe sowie ein verringertes Selbstwertgefühl zählen zu den Symptomen der unipolaren Depression.

Bipolare Depression (bipolare Störung)

Bei der bipolaren Depression (eigentlich: bipolare Störung) wechseln sich Depression und Manie ab. Während der manischen Phase fühlen sich Betroffene euphorisch und voller Elan. Das Schlafbedürfnis kann in dieser Zeit deutlich verringert sein. Häufig gesellen sich Selbstüberschätzung und starke Reizbarkeit hinzu. Nach der manischen Phase folgt die depressive Phase, die in ihrer Symptomatik der unipolaren Depression entspricht.

Dysthymie

Besteht die depressive Phase länger als 24 Monate, wird häufig eine sogenannte Dysthymie diagnostiziert. Diese früher auch als “depressive Neurose” bezeichnete Erkrankung manifestiert sich durch eine dauerhafte Niedergeschlagenheit mit ständiger Erschöpfung. Viele Patienten berichten auch von Schuldgefühlen und Appetitverlust. Phasen, in denen sich Betroffene nicht depressiv fühlen, halten meist nicht länger als zwei Monate am Stück an.

Winterdepression

Im Winter kommt es schneller zu gedämpfter Stimmung als im Sommer. Der Grund ist fehlendes Tageslicht bzw. eine zu niedrige Lichtintensität. Der Körper synthetisiert das Glückshormon Serotonin aus der Aminosäure L-Tryptophan – allerdings nur dann, wenn es hell genug ist, also entsprechend viel Licht auf unsere Netzhaut trifft. Fehlt ausreichend Tageslicht, kommt es folglich zu einem Serotoninmangel und einem Überschuss an Melatonin, dem Schlafhormon und vermeintlichen gegenspieler von Serotonin. Die Folge ist andauernde Müdigkeit. Langfristig fehlt allerdings auch Melatonin, da dieses aus Serotonin gebildet wird. Die Folge sind (erneute) Schlafstörungen – der Teufelskreis beginnt.

Wochenbettdepression

Während der Schwangerschaft stellt sich der Hormonhaushalt des Körpers stark um. Entsprechend stark sind auch die Auswirkungen auf die Psyche. Kommt es innerhalb von 12 Monaten nach der Geburt zu einer depressiven Symptomatik, sprechen Experten von einer Wochenbettdepression (auch “postpartale” oder “postnatale Depression” genannt). Rund 10 bis 15 % aller Schwangeren entwickeln diese psychische Erkrankung. Noch häufiger, aber nicht so schwerwiegend, ist der “Baby-Blues”. Hier klingen die depressiven Beschwerden im Anschluss an die Geburt nach rund zwei Wochen wieder ab.

Wer und was hilft bei Depressionen?

Während bei der Winterdepression Lichttherapien, eine ausgewogene Ernährung mit tryptophanreichen Lebensmitteln sowie pflanzliche Ergänzungspräparate helfen, müssen länger anhaltende Depressionen nicht selten medikamentös behandelt werden. Meist ist ein Antidepressivum das Mittel der Wahl.

Unterschiedenen wird zwischen Medikamenten, welche die Serotonin-Wiederaufnahme hemmen (also beruhigend und angstlösend wirken) sowie solchen, die den Dopaminspiegel hoch halten. Letztere wirken antriebssteigernd. Alternativ stehen sog. Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer und Dual-serotonerge Antidepressiva zur Verfügung.

Früher kamen auch trizyklische und nicht-trizyklische Antidepressiva zum Einsatz, die in mehrere Neurotransmitter-Systeme gleichzeitig eingreifen. Allerdings sind Nebenwirkungen hier häufiger zu erwarten als bei den neueren Medikamenten.

Keine freie Wahl des Therapeuten

Wer die Vermutung hat, unter einer Depression zu leiden, sollte diese zwingend von einem Arzt abklären lassen. Der Hausarzt dient oft als erster Ansprechpartner und kann Patienten auf Basis der Erstanamnese an einen Facharzt verweisen.

Medikamente dürfen ausschliesslich von einem zugelassenen Arzt (z. B. einem Psychiater) verschrieben werden. Die Kosten übernimmt die obligatorische Krankenversicherung, sofern die Präparate in der Spezialitätenliste des Bundesamts für Gesundheit (BAG) aufgeführt sind.

Psychotherapeuten behandeln Depressionen hingegen mit Verhaltenstherapien und Psychoanalysen. Bei obligatorisch Versicherten übernimmt die Krankenkasse lediglich die Kosten für ärztliche Behandlungen / Therapien. Lediglich ambulante Zusatzversicherungen erlauben ein gewisses Mass an Wahlfreiheit.

 

Titelbild: Stock-Asso – shutterstock.com

Über Agentur belmedia GmbH

Die Agentur belmedia GmbH beliefert die Leserschaft täglich mit interessanten News, spannenden Themen und tollen Tipps aus den unterschiedlichsten Bereichen. Nahezu jedes Themengebiet deckt die Agentur belmedia mit ihren Online-Portalen ab. Wofür wir das machen? Damit Sie stets gut informiert sind – ob im beruflichen oder privaten Alltag!


Ihr Kommentar zu:

Psychische Gesundheit – handfeste Depression oder nur Verstimmung?

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.