Jiaogulan – das „Kraut der Unsterblichkeit“

16.10.2014 |  Von  |  Allgemein
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Jiaogulan – das „Kraut der Unsterblichkeit“
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Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) wird auch als Fünffinger-Ginseng oder Indigopflanze bezeichnet. Unsterblich hat die dekorative Pflanze noch niemanden gemacht, und sie ist auch kein Wundermittel gegen schwere Krankheiten. Aber: Die Inhaltsstoffe besitzen durchaus positive gesundheitliche Aspekte, was sich die Chinesen schon seit Jahrtausenden zunutze machen.

Jiaogulan in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)



Der Name „Kraut der Unsterblichkeit“ stammt aus dem südchinesischen Raum: Hier bauen die Menschen die Pflanze grossflächig an und bereiten sie täglich als Tee zu. Eine Volkszählung in den 1970er Jahren ergab, dass die Bewohner mancher Provinzen im Durchschnitt ein weit höheres Alter erreichen als im restlichen China. Über 100 Jahre alte Menschen sind hier keine Seltenheit. Wissenschaftliche Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass das überdurchschnittliche Lebensalter dem regelmässigen Genuss des Tees zu verdanken ist. So hat sich der ehrenvolle Spitzname schnell durchgesetzt.

Als Heilpflanze wurde das Kraut erstmals zu Beginn des 15. Jahrhunderts schriftlich erwähnt, verwendet haben es die Chinesen schon lange vorher. Die Traditionelle Chinesische Medizin spricht Jiaogulan weitreichende medizinische Erfolge zu: Es soll die Leber schützen, das Gedächtnis stärken, den Blutzucker senken und Gifte ausleiten. In der TCM wird es beispielsweise eingesetzt bei Demenz, allgemeiner Kraftlosigkeit, erhöhter Cholesterinkonzentration, Magen-Darm-Beschwerden oder Blutvergiftung. Bereits seit den 1980er Jahren erkennt China Jiaogulan offiziell als Arzneimittel gegen zu hohe Cholesterinwerte an.

Das Verbreitungsgebiet des Jiaogulan erstreckt sich weit über China hinaus. Es umfasst Japan, Thailand, Indien, Taiwan, Korea und ganz Malesien.

Die Inhaltsstoffe: Was steckt drin und wie wirkt es?



Studien belegen, dass das Kraut mehr als 100 Saponine enthält: Dies ist der Überbegriff für eine ganze Gruppe von Wirkstoffen, die unterschiedliche Effekte haben und vorrangig dem Schutz der Pflanze dienen: Einige stärken die Zellen, andere unterstützen eine gute Nährstoffaufnahme, wehren Schädlinge oder Pilze ab. Im Zusammenspiel halten Saponine die Pflanze gesund und stark. Diese Resultate lassen sich auch beim Menschen beobachten. Einige Substanzen sind mit denen des Ginseng identisch – beim Jiaogulan ist die Konzentration allerdings weit höher.



Wie sich der Genuss des Krauts medizinisch exakt auswirkt, lässt sich nicht zuverlässig sagen. Kranke Menschen nehmen es in aller Regel begleitend mit anderen Mitteln ein, sodass sich Erfolge nicht einem bestimmten Wirkstoff zurechnen lassen. Und wie sollte man bei fitten Menschen nachweisen, dass ihre Gesundheit der Pflanze (mit) zu verdanken sei?

Aber es gibt medizinische Studien und Untersuchungen mit konkreten Ergebnissen.

Demnach soll Jiaogulan bei regelmässiger Einnahme unter anderem

  • die Durchblutung fördern und Thrombosen vorbeugen,
  • vor stressbedingten Krankheiten schützen,
  • die Nerven beruhigen,
  • Herz-/Kreislaufrisiken senken,
  • zu niedrigen Blutdruck normalisieren,
  • Cholesterin und Blutzucker senken,
  • gegen allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung helfen.

Es gibt sogar Berichte über krebshemmende Eigenschaften. Aber Vorsicht, die Pflanze ist kein Wundermittel! Sie hat sicherlich positive Effekte, verhilft zu mehr Energie und stärkt das Immunsystem. Wer sie bei einer Krankheit unterstützend einsetzen möchte, sollte sich darüber auf jeden Fall eingehend mit seinem Arzt besprechen.

Die Blätter ergeben einen süsslich-herben Tee ( Bild: wasanajai / Shutterstock.com)

Die Blätter ergeben einen süsslich-herben Tee ( Bild: wasanajai / Shutterstock.com)

Jiaogulan verwenden

Die wertvollen Inhaltsstoffe stecken in den Blättern, deren Form einer geöffneten Hand gleicht, daher auch der Beiname „Fünffinger-Ginseng“. Die Blätter ergeben einen süsslich-herben Tee, der geschmacklich an Lakritze erinnert. Man kann sie frisch oder trocken wie andere Kräuter verwenden. Vor allem die jungen Blätter eignen sich hervorragend als Blattgemüse in Salaten.

Für den Eigenanbau spielt die Abstammung der Pflanze eine entscheidende Rolle: Die Setzlingen sollten Ableger einer Mutterpflanze der genetisch ersten Generation sein und nicht aus Samen stammen. Diese Pflanzen enthalten die höchste Wirkstoffkombination.

Wichtig: Beim Trocknen darauf achten, dass keine Feuchtigkeit in den Blättern zurückbleibt, sonst sind sie nicht mehr geniessbar.

Einige Beispiele für die Zubereitung:

  1. Tee: Ein bis zwei Teelöffel des getrockneten oder frischen Krauts mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergiessen. Vor dem Trinken fünf Minuten ziehen lassen.
  2. Gemüse: Die Blätter kurz in wenig Flüssigkeit dünsten (wie bei Spinat).
  3. Salat: Fein gehackt unter die Salatzutaten mischen.
  4. Die Blätter pur knabbern.

Wer die Pflanze nicht selbst ziehen will, bekommt die getrockneten Blätter auch in der Apotheke. Darüber hinaus gibt es fertige Präparate als Pulver und Tabletten zu kaufen; diese sind ideal für alle, die den typischen Geschmack nicht mögen.



Jiaogulan als Zierpflanze

Das Kraut ist zudem eine schöne Garten- und Zimmerpflanze. Im späten Herbst sterben die oberirdischen Teile ab. Die Rhizome bleiben in der Erde, überstehen Fröste bis -15 Grad und treiben im folgenden Frühjahr wieder aus. Zu empfehlen ist ein Winterschutz aus Blättern oder Zweigen. Im Haus gedeiht die Pflanze das ganze Jahr, im Winter liegt die optimale Raumtemperatur zwischen 15 und 20 Grad.

Botanisch zählt Jiaogulan zu den Kürbispflanzen. Er kann hängend oder kletternd wachsen. Als Kletterpflanze braucht er Rankhilfen in Form von Bambusstäben oder Gittern. Ohne Rückschnitt können die Triebe mehrere Meter lang werden.

Jiaogulan gedeiht am besten im Schatten bis Halbschatten. Wird das Gewächs direkter Sonne ausgesetzt, verkümmert es schnell. Ein nährstoffreiches Substrat ist von Vorteil, am besten eignet sich ein gleichbleibend feuchtes Gemisch aus Lehm und Sand. Bei der Haltung als Kübelpflanze ist ein ausreichend grosses Pflanzgefäss wichtig, um dem rasanten Wachstum Rechnung zu tragen.



 

Oberstes Bild: © JIANG HONGYAN – Shutterstock.com

Über Andrea Durst

Ich bin selbstständige Texterin und liebe an meinem Beruf die Abwechslung bei der Umsetzung unterschiedlicher Kundenwünsche. Auch die persönliche Freiheit spielt eine grosse Rolle: Arbeiten zu jeder beliebigen Zeit und an jedem Ort, natürlich immer im Rahmen der Abgabetermine. Für die Belmedia-Portale schreibe ich sehr gern, da die Autoren Themen wählen können, die sie persönlich am meisten interessieren. In meinem Fall sind das Tiere und Tierschutz, Umwelt und Nachhaltigkeit, Ernährung, Pflanzen und Naturkosmetik.



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