Nischendüfte weiter auf dem Vormarsch – der luxuriöse Dufttrend

28.07.2014 |  Von  |  Allgemein
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Nischendüfte weiter auf dem Vormarsch – der luxuriöse Dufttrend
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Der Duft „von der Stange“ hat ausgedient – so tönten die Vertreter kleiner, unabhängiger Parfümlabels bereits vor rund fünf Jahren und forderten die Damenwelt zu Klasse statt Masse sowie zu mehr Individualität auf.

Doch der international erfolgreiche Trend hält bis heute an – Jahr für Jahr kommen etliche neuartige, fantasievolle und teilweise sehr exzentrische Kreationen bekannter Designer in Miniauflagen auf den Markt, deren Liebhaber viel Geld dafür bezahlen. Mittlerweile gehen rund 35 % des Branchenumsatzes (zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch um die drei %) auf das Konto der „Nischenbrands“ – während die grossen Parfümhäuser auch weiterhin über enorme Absatzschwierigkeiten und Umsatzrückgänge klagen.



Mit mehr Charakter zur Individualität

Nischendüfte, in den USA „Indie-Scents“ genannt, locken mit einem ganz besonderen Charakter in der Komposition, limitierten Auflagen und selektivem Vertrieb, was den Kunden ein Gefühl von Besonderheit vermittelt – denn wie heisst es so schön: Was selten ist, hat mehr Wert. Dabei ist der Geruch dieser edlen Wässerchen noch gar nicht unbedingt ausschlaggebend für den Kauf derselben, sondern vielmehr das Mitwirken bekannter kreativer Nasen und deren Visionen vom individuellen Luxusduft.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt bei diesen Parfüms in ihrer Rücksichtlosigkeit, denn sie müssen nicht dem Geschmack der breiten Masse entsprechen und können es sich leisten, „speziell“ zu riechen. Anders als der Duftdesigner eines bekannten Labels, der beim Umsetzen seines Konzepts stets den Grossabsatz im Kopf haben muss, kann der Parfümeur eines Nischenduftes frei von diesem Druck agieren.

Das Geheimnis hinter dem duftenden Erfolg



Für Trendexperten kam der unglaubliche Erfolg und Hype der Nischenprodukte nicht überraschend. Sie wissen, dass Düfte seit Jahrhunderten gesellschaftliches Streben reflektieren und für etwas stehen, das begehrenswert ist. Die Träger „teuer riechender“ Parfüms, die im besten Fall in der Gesellschaft als solche erkannt werden, verleihen dem Besitzer Anerkennung und einen gewissen Status – ähnlich wie Markenkleidung. Hinter dem Nischenduft steckt neben dem Wunsch nach Einzigartigkeit das Zelebrieren der eigenen Person und Persönlichkeit, das Bedürfnis, sich von der Allgemeinheit abzuheben. Und dafür greift man auch gerne etwas tiefer in die Tasche, denn das Schwimmen gegen den Strom kann ganz schön hohe Kosten verursachen.

Darüber hinaus ist die Suche nach seltenen Düften auch relativ zeitaufwendig. So reisen Liebhaber und Kenner, die sich nicht mit dem „Nischenduft, der riecht, wie schon einmal dagewesen“ zufriedengeben, auf der Suche nach „dem einen Parfüm, das noch niemand kennt“ in der ganzen Welt herum. Sie besuchen regelmässig exotische Märkte, vorwiegend in Afrika, oder kleine Privat-Parfümerien, um fündig zu werden, und durchstöbern im Internet einschlägige Foren und Portale nach Geheimtipps.

Verwendet werden bei den Nischendüften nur kostbare und seltene natürliche Rohstoffe in hoher Konzentration. (Bild: Svetlana Foot / Shutterstock.com)

Verwendet werden bei den Nischendüften nur kostbare und seltene natürliche Rohstoffe in hoher Konzentration. (Bild: Svetlana Foot / Shutterstock.com)




Die Parfümeure der limitierten Kreationen

Bekannte Duftdesigner wie Mona di Orio, James Heeley oder Michel Roudnitska, die ihr Talent ebenfalls für Nischendüfte eingesetzt haben, bezeichnen ihre Arbeit als Hommage an den Beruf des Parfümeurs. Die Ausübenden dieses kunstvollen und traditionellen Handwerks haben die Aufgabe, jedem Duft einen ganz eigenen Charakter zu verleihen und die einzelnen Komponenten in der Harmonie miteinander zum Leben zu erwecken. Die Meister ihres Fachs lassen sich dabei in erster Linie von Emotionen, Erinnerung und persönlichen Vorlieben leiten. Verwendet werden bei den Nischendüften nur kostbare und seltene natürliche Rohstoffe in hoher Konzentration. Und das riecht man eben – und bezahlt es teuer.

Der Preis der Individualität

Klar ist, dass ein Duft, der weltweit in einer riesigen Auflage jahrelang und zu jeder Zeit zur Verfügung stehen muss, und das zu einem annehmbaren Preis, nicht mit edlen Ingredienzien hergestellt werden kann. Beispielsweise von exquisitem Jasmin-Öl würde eine solche Menge nicht einmal zur Verfügung stehen, um es in einem Massenparfüm verarbeiten zu können. Darüber hinaus variiert die Qualität und somit auch der Geruch wertvoller Essenzen aus Blüten, sodass die hohe Auflage eines bestimmten Parfüms mit genau demselben Aroma gar nicht möglich wäre. Keine Firma geht dieses Risiko ein, stellt den Duft daher künstlich her und verkauft das Produkt „billig“ – wobei dieser Begriff wahrlich relativ ist – in grossen Mengen.



Ein Kilo Basis-Öl kostet dabei etwa 20 Dollar. Für Nischendüfte werden Öle mit Preisen bis zu 3.000 Dollar benutzt.

Doch tatsächlich spielt Geld beim Kauf der limitierten Parfüms keine Rolle, da immer mehr Kunden und Liebhaber edler Gerüche bereit sind, für die Einzigartigkeit eines Duftes nicht nur um die ganze Welt zu reisen, sondern auch hohe Summen zu bezahlen.

Fünf Nischendüfte der Extraklasse

„Arabian Nights Pure Oud“ von Kilian Hennessy, ab 299 Euro je 50 ml.
Gaiac-Holz, Copahu-Balsam, Papyrus und Safran.

„Idole“ von Lubin, ab 95 Euro je 75 ml.
Rum, Safran, Schwarzkümmel, Zuckerrohr, Leder und Sandelholz.

„Debut“ von Parfums DelRae, ab 99 Euro je 50 ml.
Zitrusnoten, Bergamotte, Lilie, Zyklame, Ylang-Ylang und Sandelholz.

„Hindu Gras“ von Nasomatto, ab 135 Euro je 30 ml.
Kräuter, frische Gewürze, Rosen, Gras, Patchouli und Tabak.

„Lyric“ von Amouage, ab 215 Euro je 50 ml.
Rosenblüten, Ingwer, Zimt, Safran, Bergamotte und Weihraucharomen.



 

Oberstes Bild: © Inga Ivanova – Shutterstock.com

Über Gabriele Hasmann

Lebt in Baden bei Wien, hat viele Jahre als Journalistin bei Funk und Fernsehen gearbeitet und ist seit 2011 als selbstständige Autorin, Ghostwriterin, Lektorin und Literaturagentin tätig. Zahlreiche Publikationen im Bereich Sachbuch.


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