Feiner Zwirn – was bedeutet das eigentlich?

13.07.2015 |  Von  |  Mode
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Feiner Zwirn – was bedeutet das eigentlich?
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Wir alle kennen Sprichwörter wie das derbe bayerische „Himmel, Arsch und Zwirn“ oder „Je schlichter das Hirn, desto teurer der Zwirn“. Allgemein sprechen wir  gern von „feinem Zwirn“, wenn wir ein edles Stöffchen, meist den eines Herrenanzugs, meinen. Hier wird nach dem Pars-pro-Toto-Prinzip ein Teil für das Ganze bezeichnet.

Der Zwirn ist im Grunde das kleinste Teil des Anzugs, der Faden, aus dem er gewebt und genäht wurde. Erfahren Sie mehr über die besondere Qualität und die Eigenschaften von Zwirn.

Zwirnen nennt man es, zwei oder mehrere Fäden zu einem dickeren zusammenzudrehen. Dieser Prozess wird als Garnveredelung bezeichnet. Natürlich ist dieser Zwirn reissfester als die einzelnen Fäden. Es gibt zwei Arten von Zwirnen: glatte und Effektzwirne. Letztere kennen Sie sicher von Teppichen, die kleine Unregelmässigkeiten und Knötchen aufweisen. Jene werden mithilfe von Spezialmaschinen hergestellt, und man kann schöne Effekte wie Schlingen, Knötchen, Noppen, Spiralen, Flammen oder Raupen erzeugen.

Das Zwirnen mehrerer dünner Fäden hat gegenüber einem einzelnen dicken Garn verschiedene Vorteile:

  • Der Zwirn ist reisskräftiger und dehnbarer. Es schlägt darin die dickeren einfachen Garne um ca. 20 %.
  • Die mit Zwirn gefertigten Textilien bekommen ein gleichmässigeres Erscheinungsbild.
  • Die Textilien werden griffiger.
  • Insgesamt sind die Textilien strapazierfähiger und scheuerfest. 

Verschiedene Zwirnarten

Der einfache Zwirn, Popelinezwirn genannt, wird aus zwei Einfachgarnen gedreht, und zwar in Z-Richtung, das heisst nach rechts. Dieses Garn wird dann noch mal in S-Richtung, also nach links, gedreht. Es gibt dabei viele Variationen für die verschiedenen Zwecke. Je nach Härtegrad der Drehungen ergeben sich ganz andere Gewebe. Auch die Anzahl der Drehungen des zusammengedrehten Garns spielt eine wichtige Rolle. So braucht man für feste Stoffe härtere Drehungen, für Strickwaren weiche.

Normale Nähfäden werden aus drei in S-Richtung gedrehten Einfachgarnen hergestellt, welche dann in Z-Richtung zusammengedreht werden. So hat man am Ende einen schön reissfesten Faden, der im Querschnitt rund aussieht. Sehr stark gedrehte Zwirne nennt man „Crêpezwirne“.


Der einfache Zwirn, Popelinezwirn genannt, wird aus zwei Einfachgarnen gedreht. (Bild: © Szasz-Fabian Ilka Erika - shutterstock.com)

Der einfache Zwirn, Popelinezwirn genannt, wird aus zwei Einfachgarnen gedreht. (Bild: © Szasz-Fabian Ilka Erika – shutterstock.com)


Der Stoff „Voile“ beispielsweise, der für transparente Vorhänge und zarte Dekostoffe verwendet wird, besteht aus einem Z-gedrehten Gespinst. Hier wird aber das Garn als Gesamtes nicht in die entgegengesetzte Richtung, die S-Richtung, gedreht, sondern auch in Z-Richtung! Es entsteht ein recht harter Zwirn, der sich leicht kräuselt, in Fachsprache „krängelt“. Das fertige Gewebe daraus wird einerseits wunderbar transparent und zart, aber auch kernig im Griff.

Das Spezielle ist aber, dass auch der Zwirn in gleicher Richtung, also auch in Z-Richtung, gedreht wird. Dadurch ergibt sich ein harter Zwirn, der zum Krängeln neigt. Das Gewebe daraus wird transparent und kernig im Griff. Um die Transparenz noch zu unterstreichen, wird hier der Zwirn am Ende gasiert, das bedeutet, die hoch stehenden Fasern werden abgebrannt. Es entsteht die sehr glatte, oft glänzende Oberfläche des Voile.

Die Herstellung von Zwirn

Das Zwirnen erfolgt in mehreren Stufen. Der erste Schritt ist die Verdrehung von zwei oder mehr Einzelfäden auf einer „Fachspule“. Dann kommt das eigentliche Zwirnen, das nochmalige Verdrehen. Für mehr Glanz und Glattheit der Garne werden abstehende Fasern und Härchen abgebrannt, das nennt man „Sengen“.

So wird Baumwolle gezwirnt

Baumwollstoffe kann man mit drei verschiedenen Verfahren herstellen:

  • dem Doppeldrahtzwirnen
  • dem Stufenzwirnen
  • dem Ringzwirnen.

Beim Doppeldrahtzwirnen, einem weitverbreiteten Verfahren, bekommt der Zwirn mit einer Spindelumdrehung zwei Zwirndrehungen. Er ist also doppelt gedreht.

Das Stufenzwirn- und Tritecverfahren bedeutet, hier wird dreifach gezwirnt. Diese Stoffe braucht man eher im industriellen Bereich und für spezielle Zwecke.

Das Ringzwirnverfahren kommt heute nur noch im Bereich des Effektzwirns zum Einsatz. Da es hier zu viele Knoten gibt, finden wir diese Stoffe und Gewebe meist als Teppiche oder grobe Polsterstoffe vor.

Der Unterschied zwischen Nähgarn, Faden und Zwirn

Garn ist ein Sammelbegriff für alle textilen Gebilde, die eine linienförmige Gestalt haben. Ein einfaches Nähgarn ist ein Gespinst, das aus Einzelfasern gesponnen wurde. Es wird dabei um eine Achse gedreht.

Dreht man ein solches Garn mit weiteren Garnen zusammen, entsteht der Zwirn. Wenn wir von Fäden sprechen, meinen wir damit Garne, Zwirne und dünne Schnüre. Dieses Wort sagt eigentlich nichts Bestimmtes aus.


Garn ist ein Sammelbegriff für alle textilen Gebilde, die eine linienförmige Gestalt haben. (Bild: © Nature Art - shutterstock.com)

Garn ist ein Sammelbegriff für alle textilen Gebilde, die eine linienförmige Gestalt haben. (Bild: © Nature Art – shutterstock.com)


Verschiedene Sorten von Nähgarnen

Neben den Zwirnen gibt es noch die Spinnfasergarne. Sie sind auch gedrehte Garne, aber aus Spinnverfahren entstanden, und ergeben am Ende zusammengedrehte Stapelfasern. Auch diese bekommen nur durch die Drehung ihre Festigkeit. Stapelfasern werden aus natürlichen Materialien wie Leinen, Baumwolle und Seidenfäden hergestellt.

Dazu gibt es noch die sogenannten Filamentgarne. Sie wurden auch von der Seidenraupe oder aber auf technischem Weg gesponnen und sind Endlosfasern. Man nennt diese Filamente aus Endlosfasern Monofil. Werden mehrere Monofile zusammengedreht, heisst das Garn Multifil.

Eigenschaften der Nähgarne

Die einzelnen Nähgarne haben verschiedene Stärken und andere Eigenschaften. Diese beeinflussen das Erscheinungsbild, die Griffigkeit, die Elastizität und die Strapazierfähigkeit der Textilien.

  • Gleichmässigkeit: Das Garn sollte überall gleichmässig dick sein. Das ist nur bei sehr hochwertigen Garnen, besonders dem Zwirn, möglich. Spinnfasern können nie völlig gleichmässig sein, deshalb eignen sie sich nicht für alle Zwecke.
  • Reinheit: Bei der Herstellung eines Garns kann es zu Verunreinigungen, Verstaubungen und zur Aufnahme von Fremdstoffen kommen. Diese beeinflussen das Erscheinungsbild des Garns und den späteren Nähprozess. Es können sogar im Gewebe und in der fertigen Textilie kleine Löcher und Fehler im Gesamtbild entstehen. Diese sind aber nicht immer auffällig.
  • Elastizität: Sie spielt bei verschiedenen Textilien wie z. B. Socken eine grosse Rolle. Elastische Garne ziehen sich nach Dehnung sofort wieder in die alte Form zurück.
  • Festigkeit: Hiermit wird der Widerstand bezeichnet, den das Nähgarn leistet, bei Zug oder Bruch. Schlechte Garne bewirken Löcher in der Kleidung.
  • Drehung: Je öfter das Garn gedreht wurde, umso mehr Griff und Festigkeit hat der Stoff oder die Textilie.

Feiner Zwirn für den Herrenanzug

Der Herrenanzug ist ein Klassiker, Businesskleidung und gesellschaftliche Uniform. Auch Männer, die ihn ungern tragen, kommen doch nicht daran vorbei, hin und wieder einen tragen zu müssen. Es sind die grossen Anlässe im Leben, die eine offizielle Kleidung des Herrn erfordern. Hochzeiten, Jubiläen, Empfänge, Beerdigungen und kleine und grosse Feiern wie der Maturaball oder Berufsabschlüsse wollen meist in einem schicken Anzug gefeiert werden. Viele Männer kaufen erst bei der eigenen Hochzeit ihren ersten Anzug. Vorher wird der Klassiker gerne gemieden.


Es sind die grossen Anlässe im Leben, die eine offizielle Kleidung des Herrn erfordern. (Bild: © elitravo - shutterstock.com)

Es sind die grossen Anlässe im Leben, die eine offizielle Kleidung des Herrn erfordern. (Bild: © elitravo – shutterstock.com)


Die Angst mancher junger Männer vor dem klassischen Herrenanzug mit Sakko, Hemd, passender Hose und Krawatte oder Fliege ist heute unbegründet. Es gibt zahllose Modelabels, die sehr coole, elegante und perfekt auf Figur geschnittene Anzüge bieten, die auch hartnäckigen Fans von Streetwear sehr gut stehen! Anzüge können die Figur sehr vorteilhaft formen, die Schulter breiter wirken lassen und die Taille optisch schmälern.

Und: Anzüge müssen nicht spiessig wirken! Sie können durchaus für Lässigkeit und Noblesse stehen. Popstars wie Robbie Williams, Robert Palmer und Bryan Ferry machten es vor und verhalfen der Businesskleidung zu einem völlig neuen Image.


Anzüge müssen nicht spiessig wirken! Sie können durchaus für Lässigkeit und Noblesse stehen. (Bild: © Nejron Photo - shutterstock.com)

Anzüge müssen nicht spiessig wirken! Sie können durchaus für Lässigkeit und Noblesse stehen. (Bild: © Nejron Photo – shutterstock.com)


Verschiedene Sakkos für verschiedene Anlässe

  • Das Einknopfsakko: Es hat einen tief sitzenden Knopf und ein schmales, langes Revers. Es wirkt sportlich und ist daher perfekt für alle Männer, die noch Aversionen gegen den Anzug haben. Insgesamt sollten dieses Sakko eher schlanke, hochgewachsene Männer tragen.
  • Das Zweiknopfsakko: ein Klassiker, den Mann im Büro und zu offiziellen Anlässen trägt.
  • Das Dreiknopfsakko: Es hat ein kürzeres Revers und kann durch die drei Knöpfe die Figur mehr betonen.
  • Der Zweireiher: Es hat auf beiden Seiten Knöpfe. Bekannt ist der Stil von der Marine-Uniform. Er wirkt sehr elegant, aber am schönsten, wenn er geschlossen bleibt.

Sehr entscheidend für einen gut sitzenden Anzug für viele Anlässe ist die Materialauswahl. Dabei müssen es meist natürliche Stoffe sein. Leider sind aber besonders Seide und Leinen sehr empfindlich. Bei Feiern und Jubiläen bekommen die teuren Stücke gerne mal einen Rotweinfleck ab. Dafür gibt es zwar Spezialreinigungen, aber diese können nicht immer Wunder vollbringen.

Synthetische Stoffe dagegen sind meist sehr strapazierfähig und bleiben knitterfrei. Der nicht zu vernachlässigende Nachteil ist jedoch: Sie sind selten atmungsaktiv! So kann eine lange Hochzeitsfeier von morgens bis tief in die Nacht doch recht strapaziös werden. Minderwertige Stoffe nehmen auch Gerüche an. Trotzdem gibt es heute hochwertige synthetische Materialien, die sich gut für Anzüge eignen und es mit den Naturmaterialien durchaus aufnehmen können.


Das Zweiknopfsakko: ein Klassiker, den Mann im Büro und zu offiziellen Anlässen trägt. (Bild: © Morganka - shutterstock.com)

Das Zweiknopfsakko: ein Klassiker, den Mann im Büro und zu offiziellen Anlässen trägt. (Bild: © Morganka – shutterstock.com)


Natürliche Stoffe wie Seide, Baumwolle, Leinen, Schurwolle und Kaschmirwolle sind immer atmungsaktiv und können sich dem jeweiligen Klima anpassen. Leider sind manche von ihnen nicht besonders strapazierfähig. Baumwolle und Leinen knittern leicht. Besonders Leinen ist dafür bekannt. Man verarbeitet Leinen daher gerne so, dass das Knittern zur Optik passt. Wollstoffe dagegen bleiben knitterfrei. Seide ist wie bereits erwähnt am fleckenempfindlichsten. Um eine bestmögliche Qualität zu erhalten, werden die Stoffe für hochwertige Anzüge meist aus einem Materialmix hergestellt.

Welcher Zwirn für den Anzug?

Nicht umsonst betitelt man seit jeher besonders schöne, gut sitzende Herrenanzüge als „feiner Zwirn“. Es geht dabei um die Feinheit des Garns, die massgeblich die Optik des Kleidungsstücks beeinflusst.

Der Feinheitsgrad lässt sich ganz unabhängig von der Art des Garns bestimmen. Er wird in Yard gemessen. 1 Yard entspricht 0,91 Meter. Die Bezeichnung 120 Yard eines Garns bedeutet, dass diese Länge genau 1 Gramm wiegt. Haben wir ein Garn von 180 Yard, ist dies wesentlich feiner.

Dieser Feinheitsgrad hat nichts mit der Stoffdicke zu tun. Man kann mit dem feinsten Zwirn der Welt, dem 260’s-Garn, sowohl superdünne Tücher weben als auch einen sehr dichten, festen Stoff. Finden Sie also bei Anzügen solche Angaben, so wissen Sie nun, was ein „feiner Zwirn“ ist.



Knitterfreiheit garantieren Schurwolle oder Kaschmirwolle mit einem Grad von super 130’s und super 150’s. Für elegante Businessanzüge sollte man Schurwolle mit den genannten Feinheitsgraden nehmen. Ein solcher Stoff wirkt sehr edel, weil er fein glänzt und das Licht ganz anders auffängt als ein gröberer Stoff. Auch fällt der Anzug sehr geschmeidig. Für mehr Glanz, aber auch mehr Empfindlichkeit sorgt ein Seidenanteil im Anzug. Lassen Sie sich vor dem Kauf eines guten Anzuges in einem Fachgeschäft beraten. Auch Trendlabels für legere und sportive Kleidung führen heute in ihren Kollektionen Sakkos und Anzüge, die Sie durchaus auch mit Freizeitkleidung oder sportiven Schuhen wie Sneakers kombinieren können.

 

Oberstes Bild: © essentialimage – fotolia.com

Über J. Florence Pompe

J. Florence Pompe hat Germanistik und Pädagogik studiert und ist seit 2010 hauptberufliche Texterin. Spezialisiert auf die Themen Mode und Schmuck, führt sie zu diesen Themen mit viel Freude eigene Blogs, auch in Gemeinschaft mit anderen Autorinnen. Da sie Erfahrung im Schneidern von passgenauer Kleidung hat, kennt sie sich gut mit Stoffen, Schnitten und sorgfältiger Verarbeitung von Modeartikeln aus!


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