Eine kunterbunte Geschichte

18.08.2014 |  Von  |  Make-Up
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Eine kunterbunte Geschichte
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Die Akzeptanz von Schminke war im Laufe der Geschichte von ebensolcher Abwechslung geprägt wie ihre Zusammensetzung. Wir haben uns für Sie auf die historischen Spuren dekorativer Kosmetik gemacht und einige überraschende Fakten zusammengetragen:

Einzelne Partien oder die gesamte Fläche des Gesichtes farbig hervorzuheben, hat eine lange Tradition. Einige der dafür angewendeten Praktiken, wie beispielsweise das Tätowieren, das Piercen oder das Ritzen zum Zwecke der Narbenbildung, sind schon so lange gebräuchlich, dass sich ihr Ursprung heute kaum noch zurückverfolgen lässt.



Für die vermutlich erste Anwendung wieder entfernbarer Schminke gibt es aber einen eindeutigen Beweis. Dieser entstammt einem früheren Siedlungsgebiet der Sumerer, bei dessen Ausgrabung Forscher eine salbenartige Substanz mit Farbpigmenten entdeckt haben, die wahrscheinlich zur Pflege der Lippen bestimmt war. Ihr geschätztes Alter von rund 5’000 Jahren macht sie zur weltweit ältesten dekorativen Kosmetik überhaupt und übertrumpft damit sogar das Brauchtum der alten Ägypter, die bis dato als Erfinder der Schminkkunst gehandelt wurden.

Während in der Hochkultur am Nil das Betonen von Augen und Lippen durch alle Bevölkerungsschichten hindurch auch bei Männern üblich war, galt ein farbig gestaltetes Gesicht im antiken Griechenland als anstössig. Hier liessen sich nur Künstlerinnen, Prostituierte und speziell ausgebildete Unterhaltungsdamen mit Schminke (ver-)sehen. Andere Mitglieder der Gesellschaft fokussierten für eine gepflegte Erscheinung lieber auf verwöhnende Bäder, raffinierte Frisuren oder sorgsam gefältelte Gewänder.

Das allein war den Adelsfrauen im alten Japan jedoch nicht genug. Um sich schon optisch vom gewöhnlichen Volk abzugrenzen, trugen sie reichlich Mischungen aus Honig, Wachs und natürlichen Pigmenten auf. Dabei betonten sie vor allem ihr Antlitz, ihren Mund und den Halsbereich. Ein Überbleibsel aus dieser Zeit ist die kunstvolle Gesicht- und Nackenbemalung von Geishas, die bis heute Anlass zu abenteuerlich anmutenden Interpretationen und fehlerhaften Deutungen gibt.

Auch im mittelalterlichen Europa zogen einzelne Personen aus der Anwendung von Schminke schnell die falschen Schlüsse, denn sie galt nach einem Dogma der Kirche als Teufelswerk und Anzeichen von Hexerei bzw. verbotener Buhlschaft. Wer sich ausserhalb der Karnevalszeit mit allzu roten Lippen, angemalten Wangen oder farbig umrandeten Augen zeigte, musste damit rechnen, für das vergängliche Vergnügen empfindliche Bestrafungen zu kassieren.



Im Gegensatz zu Mittelalter und Reformationszeit war das Auftragen von Schminke in der Ära des Barock sehr verbreitet: Überall am Körper verteilte Schönheitspflästerchen, ein unnatürlich helles Gesicht und ein grell betonter Mund galten sowohl bei Frauen wie bei Männern als chic. Für vornehme Blässe war kein Einsatz zu hoch – was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn die Kosmetik dieser Zeit enthielt zahlreiche giftige Substanzen, welche etliche ihrer AnwenderInnen die Gesundheit oder sogar das Leben kosteten.

Ausser auf das Gesicht erstreckte sich der Einsatz von Schminke auch auf das Haar, das gerade in höfischen Kreisen täglich mit fetthaltiger Pomade eingerieben wurde, damit später aufgetragener Puder besser haftete. Dieser bestand in der Regel aus verschiedenen Mahlprodukten und enthielt zahlreiche Farbstoffe, die alle Schattierungen zwischen weiss, rot und schwarz hinterliessen.

Königin Victoria von England. (Bild: Tooykrub / Shutterstock.com)

Königin Victoria von England. (Bild: Tooykrub / Shutterstock.com)




Erst Königin Victoria von England setzte diesem bunten Treiben ein vorläufiges Ende. Als ausgesprochene Puristin befand sie das Betonen von Reizen als „unhöfisch“ und liess jegliche Form dekorativer Kosmetik kurzerhand verbieten. Wie zum Trotz ersannen französische Parfümeure in den darauffolgenden Jahren viele Möglichkeiten, Schminke auf unkomplizierte Weise mit sich zu führen. Dabei verbesserten sie nicht nur deren Konsistenz und Verpackung, sondern auch die Zusammensetzung, sodass die Farben für Lippen, Augen oder Gesicht immer verträglicher, haltbarer und haftfähiger wurden.



Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte dekorative Kosmetik eine Qualität erreicht, die sich durchaus schon mit heutigen Standards messen liesse. Allerdings hatte der Fortschritt auch seinen Preis – aufgrund dessen Schminke noch immer als Statussymbol besser gestellter Schichten galt. Zudem waren viele Inhaltsstoffe nur kompliziert zu gewinnen und mussten entsprechend teuer eingekauft werden. So konnte es sein, dass manch eine sorgfältig zurechtgemachte Frau das halbe Monatsgehalt ihres Mannes im Gesicht herumtrug.

Der Beliebtheit von Kosmetik-Produkten tat dies keinen Abbruch – im Gegenteil: Die Nachfrage stieg kontinuierlich und beförderte ganze Industriezweige, sodass Lacke, Tönungen und Schminke zunehmend preiswerter hergestellt werden konnten. Heute sind die Farben für Nägel, Haare oder Gesicht derart günstig zu haben, dass viele Frauen ganze Kollektionen von Mascara, Lidschatten und Lippenstiften ihr Eigen nennen können.

Dieser Umstand enthebt verantwortungsvolle Anwenderinnen jedoch nicht von einer kritischen Prüfung der Angebote. Obwohl zahlreiche Normen es verbieten und viele Hersteller freiwillig darauf verzichten, kann auch moderne Schminke schädliche Inhaltsstoffe enthalten. Der Kauf neuer Produkte sollte daher immer mit einem Blick auf die Deklarationsliste verbunden sein. Damit lassen sich sowohl unerwünschte Nebenwirkungen als auch Umweltbelastungen vermeiden.



 

Oberstes Bild: © Ollyy – Shutterstock.com



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Über Christiane Dietering

Christiane Dietering hat eine handwerkliche, zwei kaufmännische und eine Autoren-Ausbildung absolviert. Sie arbeitet als freie Texterin, Rezensentin und Journalistin in den Themenbereichen Kunst und Kultur. Ihre Hauptauftraggeber sind Veranstalter von Musikaufführungen, Lesebühnen und Erotik-Events.


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