CBD – der Wunderstoff aus der Hanfpflanze

24.04.2019 |  Von  |  Ernährung, Gesundheit, Hautpflege
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CBD – der Wunderstoff aus der Hanfpflanze
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„Schlechte Verwandtschaft macht schlechten Ruf“ – leider gilt das auch oft für Menschen, die für sich genommen ganz wunderbar sind. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr bisher dem Stoff Cannabidiol (CBD). Es ist ein wahres Wundermittel, aber aufgrund seiner Herkunft aus der Hanfpflanze rücken viele es in die Nähe des „bösen“, weil psychoaktiv-berauschenden THC (Tetrahydrocannabinol).

CBD hat mit THC jedoch so viel zu tun wie Nelson Mandela mit Robert Mugabe. Sein Wirkungsspektrum reicht von krampflösend bis hin zur Linderung von Migräne und Akne. Sogar bei schweren Krankheiten wie Multipler Sklerose, Krebs und Diabetes soll CBD helfen. Wir beschränken uns hier jedoch auf die „leichten“ Anwendungsgebiete und zeigen, wie man es am besten einsetzt und was man beim Kauf beachten sollte.

Die Anwendungsgebiete von CBD (ohne schwere Krankheiten)

Ängste

Haben auch Sie – wie so viele Menschen – Angst, vor Publikum zu sprechen? Dann kann Ihnen CBD helfen, diese Angst zu überwinden. Das jedenfalls legt eine Studie von Bergamaschi et al. aus dem Jahr 2011 nahe[i]. Die Forscher liessen drei Gruppen zu je 12 Personen einen „simulation public speaking test“ (SPST, etwa „Simulationstest zum öffentlichen Sprechen“) machen. Die erste Gruppe bestand aus gesunden Personen, die zweite und dritte aus Menschen, die an einer allgemeinen Angststörung litten. Die Gesunden bekamen nichts verabreicht, bei den Angstpatienten bekam eine Gruppe CBD und die andere ein Placebo. Es zeigte sich, dass die Angstsymptome (gemessen an Puls, Hautleitfähigkeit u.a.) bei der CBD-Gruppe deutlich zurückgingen.


CBD: Am besten als Vollspektrum-Öl kaufen. (Bild: Infinity Time / shutterstock).

CBD: Am besten als Vollspektrum-Öl kaufen. (Bild: Infinity Time / shutterstock).


Übelkeit

Übelkeit ist ein grosses Problem insbesondere für Krebspatienten, die mit Strahlen- oder Zytostatika-Therapie behandelt werden. CBD schafft hier Abhilfe, da es erwiesenermassen antiemetisch (gegen Übelkeit) wirkt[ii]. So ganz überraschend ist diese Wirkung nicht; vielmehr scheint sie schon seit Jahrhunderten bekannt zu sein[iii].

Schlafprobleme

Einzelne Menschen berichten, dass ihnen das Ein- und Durchschlafen durch die Einnahme von CBD leichter fällt[iv]. Ob das an einer direkt schlaffördernden Wirkung liegt, kann bezweifelt werden; jedenfalls deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass CBD die Wachsamkeit fördert[v]. Damit kommt es zwar als Medikament gegen Schlafprobleme in Frage, jedoch gegen Schlafprobleme vom anderen Ende der Palette, nämlich die, bei welchen Patienten zu Schläfrigkeit oder spontanem Einschlafen neigen. Nichtsdestotrotz kann man annehmen, dass CBD durch seine generell ausgleichende Wirkung für gesunden Schlaf förderlich ist.

Entzündungen

Insbesondere viele ältere Menschen leiden an Arthritis, einer Entzündung der Gelenke, die zum Teil starke Schmerzen verursacht. Das Problem ist, dass für die Entzündung meist keine externen Erreger (wie Bakterien oder Viren) verantwortlich sind, sondern der eigene Körper. Das Immunsystem „reagiert über“ und greift körpereigene Zellen an. Wieder verspricht CBD Linderung, da es solchen Überreaktionen des Immunsystems entgegenwirkt[vi]. In einer Übersichtsstudie[vii] wird zudem noch auf die stark entzündungshemmende Wirkung des CBDs hingewiesen. Beide Wirkungsweisen – die immunsupprimierende sowie die antiinflammatorische – machen CBD zu einem starken gegen chronische Entzündungen im Körper.

Chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen können von chronischen Entzündungen kommen. Sie können aber auch direkt durch die Reizung von Nervenenden entstehen (z.B. wenn ein Nerv „eingeklemmt“ ist). CBD scheint ein wirksames Mittel gegen beiden Arten von Schmerzen zu sein. Die Anti-Schmerz-Wirksamkeit geht offenbar auf eine Reduzierung von Schmerzmediatoren wie Prostaglandinen oder Stickstoffmonooxid zurück. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die mit CBD behandelten Versuchstiere nach einer Verletzung deutlich weniger schmerzempfindlich reagierten[viii].


CBD hat ein sehr breites Spektrum and gesundheitlichen Wirkungen. (Bild: ThanasStudio / shutterstock)

CBD hat ein sehr breites Spektrum and gesundheitlichen Wirkungen. (Bild: ThanasStudio / shutterstock)


Akne

Akne ist zwar „nur“ eine Problematik des Hautbilds, kann aber psychisch sehr belastend werden. Um Akne richtig zu verstehen, muss man wissen, dass die Ursachen meist im Inneren des Körpers liegen; Akne ist fast nie eine Folge mangelnder Hauthygiene (im Gegenteil, sie kann sogar eine Konsequenz übertriebener Hygiene sein!). Die „Hauptschuldigen“ sind Talgdrüsen in der Haut, die bei Aknepatienten zu viel Talg produzieren. Dieser verstopft dann den Talgdrüsenausgang, Bakterien können sich einnisten und es kommt zu der Entzündung, die sich als Pickel äussert. Wiederum kann CBD Linderung schaffen, wie eine Studie von 2014 nachweist[ix]. Wie wir ja schon wissen, hat CBD entzündungshemmende Eigenschaften; bei der Akne ist aber auch noch relevant, dass CBD die Talgdrüsenaktivität heruntersetzt.

Migräne

Migräne ist eine regelrechte Geissel für alle, die unter ihr leiden. Umso hellhöriger wurden Migränepatienten, als die schmerzlindernden Effekte von CBD immer bekannter wurden. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Studien, die sich mit der Frage auseinandersetzen, ob CBD Migränebeschwerden entgegenwirkt[x][xi][xii]. Der Tenor ist, dass begründeter, wenn auch vorsichtiger Optimismus dahingehend gerechtfertigt ist, dass CBD tatsächlich gegen Migräne helfen kann.

Einsatz

Die Dosierung kann von 0,5 mg bis 800 mg pro Tag variieren, je nach Ziel und Person. Es lassen sich grob drei Dosierungsbereiche unterscheiden: Mikro-, Standard- und Makro-Dosierung.

Mikro-Dosen gehen von 0,5 mg bis ca. 20 mg CBD pro Tag. Sie eignen sich für leichtere Symptome wie Stimmungsstörungen, Übelkeit oder stressbedingte Anspannung, oder aber als Nahrungsergänzung zur Vorbeuge.

0,5 mg CBD erreichen Sie mit einem Tropfen 2 %-igen E-Liquids oder natürlich durch direktes Abwiegen reinen CBDs mit einer entsprechend feinen Waage. Falls Sie mit der Dosis höher gehen wollen, empfiehlt sich ein 5 %-iges E-Liquid. Zum Beispiel erreichen Sie 15 mg CBD pro Tag durch drei Mal drei Tropfen 5 %-igen CBD E-Liquids (ein Tropfen des 5 %-igen Liquids enthält demnach 1,67 mg CBD.)

Eine Standard-Dosis reicht von etwa 10 mg bis 100 mg/Tag. Sie kommt bei stärkeren Symptomen wie chronischen Schmerzen, Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Depressionen, MS oder Arthritis zum Einsatz. Hierfür eignen sich höher dosierte Öle. So kommen Sie durch 3 x 3 Tropfen eines 20 %-igen Liquids auf 60 mg am Tag.

Eine Makro-Dosis kommt für sehr akute Zustände in Frage. Der Anwendungsbereich erstreckt sich zwischen ca. 50 mg und 800 mg CBD am Tag. Gerade für die sehr hohen Dosierungen macht es Sinn, auf hochkonzentrierte CBD-Produkte wie Pasten oder reines CBD zurückzugreifen.

Die beste Art der CBD-Einnahme ist wohl die sublinguale. Dabei wird das CBD-Öl mit einem Löffel unter die Zunge gelegt und für ca. eine Minute dort gelassen. Danach schluckt man es einfach herunter. Eine Wirkung setzt wie beim Herunterschlucken erfahrungsgemäss nach 20-30 Minuten ein. Die Bioverfügbarkeit wird dadurch vermutlich deutlich erhöht. Studienergebnisse dazu sind uns nicht bekannt.


CBD-Öl nimmt man am besten sublingual ein. (Bild: elizabethmphl / shutterstock)

CBD-Öl nimmt man am besten sublingual ein. (Bild: elizabethmphl / shutterstock)


Eine gute Alternative ist das „Dampen“ von CBD. Dafür benötigt man eine E-Zigarette sowie sogenannte CBD E-Liquids, die etwas teurer sind als Öle mit dem gleichen CBD-Gehalt. Auch verfliegt die Wirkung des so eingenommenen CBD relativ schnell wieder (nach ca. 4 Stunden). Dem gegenüber stehen jedoch klare Vorteile. Zum einen geht inhaliertes CBD sehr schnell ins Blut über, schneller als bei der oralen Aufnahme. Zweitens ist die Bioverfügbarkeit gut doppelt so hoch. Eine Studie zeigte Raten von bis 45 %, im Durchschnitt waren es 31 % Bioverfügbarkeit[xiii]. Die Einnahme als CBD E-Liquid ist natürlich aus Komfortsicht eine tolle Sache, auch da die Liquids in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich sind, und der CBD-Konsum quasi ganz natürlich in den Tagesablauf eingebettet ist. Allerdings stehen auch hier noch wissenschaftliche Studien zur Wirkung von CBD E-Liquids aus.

Kauf

Ein ganz wichtiges Kriterium ist zunächst einmal der CBD-Gehalt. Als Faustregel für die Prozentangabe kann gelten, dass das Volumen der Flasche mal dem Prozentsatz die Gesamtmenge an CBD in Milligramm ergibt, also z.B.:

10 ml x 10(%) = 1000 mg

Um einen direkten Preisvergleich machen zu können, empfehlen wir, die Produktpreise in CHF oder Euro pro mg CBD umzurechnen. Hat also eine 10 ml-Flasche CBD-Öl einen Gehalt von 20 %, sind das ca. 2000 mg CBD in dieser Flasche. Kostet sie z.B. 100 CHF (ein realistischer Preis!), dann sind wir bei 0,05 CHF, also 5 Rappen pro Milligramm CBD. Im Vergleich dazu sind CBD E-Liquids teurer; zahlt man z.B. für ein Fläschchen mit insgesamt 300 mg Gehalt 33 CHF, kostet das Milligramm 11 Rappen.

Und bevor Sie nun anfangen, die Preise stur über alle Produkte hinweg auf Milligramm-Basis zu berechnen: Es kommt ja auch noch auf die Darreichungsform an, von welcher die Bioverfügbarkeit sowie die Aufnahmegeschwindigkeit wesentlich abhängt (s.o.). Eventuell kann es also mehr Sinn machen, in ein teureres E-Liquid zu investieren oder aber in Kapseln, die neben der Depotwirkung auch noch praktisch in der Einnahme sind.

Was ist also dran an der Skepsis gegenüber CBD? Wir finden, so gut wie nichts. Nachdem sogar die WHO[xiv] ihren Segen über CBD gesprochen hat, kann man nur empfehlen: Vergessen Sie die Verwandtschaft, und sehen Sie sich das Ding selbst an.

 

Titelbild: Lifestyle discover / shutterstock


[i] Bergamaschi, M. M., Queiroz, R. H. C., Chagas, M. H. N., De Oliveira, D. C. G., De Martinis, B. S., Kapczinski, F., … & Martín-Santos, R. (2011). Cannabidiol reduces the anxiety induced by simulated public speaking in treatment-naive social phobia patients. Neuropsychopharmacology, 36(6), 1219.

[ii] Rock, E. M., Bolognini, D., Limebeer, C. L., Cascio, M. G., Anavi‐Goffer, S., Fletcher, P. J., … & Parker, L. A. (2012). Cannabidiol, a non‐psychotropic component of cannabis, attenuates vomiting and nausea‐like behaviour via indirect agonism of 5‐HT1A somatodendritic autoreceptors in the dorsal raphe nucleus. British journal of pharmacology, 165(8), 2620-2634.

[iii] Russo EB (2007). History of cannabis and its preparations in saga, science, and sobriquet. Chem Biodivers 4: 1614–1648.

[iv] Academy, Medical. CBD Handbuch: Alles Wissenswerte über CBD. Der Wirkstoff, Anwendung, Wirkung, Legalität, Nebenwirkungen und Erfahrungen mit dem Cannabidiol. (German Edition) (p. 37). Kindle Edition.

[v] Murillo-Rodríguez, E., Millán-Aldaco, D., Palomero-Rivero, M., Mechoulam, R., & Drucker-Colín, R. (2006). Cannabidiol, a constituent of Cannabis sativa, modulates sleep in rats. FEBS letters, 580(18), 4337-4345.

[vi] The nonpsychoactive cannabis constituent cannabidiol is an oral anti-arthritic therapeutic in murine collagen-induced arthritis. A. M. Malfait, R. Gallily, P. F. Sumariwalla, A. S. Malik, E. Andreakos, R. Mechoulam, M. Feldmann, Proceedings of the National Academy of Sciences Aug 2000, 97 (17) 9561-9566

[vii] Burstein, S. (2015). Cannabidiol (CBD) and its analogs: a review of their effects on inflammation. Bioorganic & medicinal chemistry, 23(7), 1377-1385.

[viii] Costa, B., Trovato, A. E., Comelli, F., Giagnoni, G., & Colleoni, M. (2007). The non-psychoactive cannabis constituent cannabidiol is an orally effective therapeutic agent in rat chronic inflammatory and neuropathic pain. European journal of pharmacology, 556(1-3), 75-83.

[ix] Oláh, A., Tóth, B. I., Borbíró, I., Sugawara, K., Szöllõsi, A. G., Czifra, G., … & Ludovici, M. (2014). Cannabidiol exerts sebostatic and antiinflammatory effects on human sebocytes. The Journal of clinical investigation, 124(9), 3713-3724

[x] Leimuranta, P., Khiroug, L., & Giniatullin, R. (2018). Emerging Role of (Endo)Cannabinoids in Migraine. Frontiers in pharmacology, 9, 420. doi:10.3389/fphar.2018.00420

[xi] D’Andrea, G., Cevoli, S., & Cologno, D. (2014). Herbal therapy in migraine. Neurological Sciences, 35(1), 135-140.

[xii] Russo, E. B. (2016). Clinical endocannabinoid deficiency reconsidered: current research supports the theory in migraine, fibromyalgia, irritable bowel, and other treatment-resistant syndromes. Cannabis and cannabinoid research, 1(1), 154-165.

[xiii] Scuderi C, Filippis DD, Iuvone T, Blasio A, Steardo A, Esposito G (May 2009). „Cannabidiol in medicine: a review of its therapeutic potential in CNS disorders“. Phytotherapy Research (Review). 23 (5): 597–602.

[xiv] WHO: Cannabidiol (CBD) – Critical Review Report. Expert Commitee on Drug Dependence, Fortieth Meeting, Geneva, 4.-7. Juni 2018.


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