Quinoa – was kann das „Gold der Inka“ wirklich?

24.07.2014 |  Von  |  Ernährung
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Quinoa – was kann das „Gold der Inka“ wirklich?
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Quinoa, auch Inkareis, Andenhirse oder Reisspinat genannt, gilt als eine der besten und effektivsten pflanzlichen Eiweissquellen der Welt. Das Fuchsschwanzgewächs aus Südamerika trägt darüber hinaus auch die Bezeichnung „Supergetreide“, die es in erster Linie dem Umstand verdankt, dass es sämtliche essenzielle Aminosäuren enthält und mit seinem Mineralreichtum alle anderen üblichen Getreidearten um Längen schlägt. Darüber hinaus ist das Lebensmittel komplett glutenfrei, weshalb es auch problemlos von Menschen verzehrt werden kann, die an einer Gluten-Allergie oder Getreideunverträglichkeit leiden.

Quinoa wird vorwiegend in Peru, Bolivien und Ecuador angebaut und diente den Menschen in den Anden bereits vor 6000 Jahren als lebenswichtiges Grundnahrungsmittel. Da die Pflanze nachweislich auch die Inka, eine indigene, hochentwickelte Kultur, die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert über ein riesiges Reich herrschte, angebaut haben, wird Quinoa häufig „Gold der Inka“ genannt.



Obwohl es sich bei den weisslich-gelben Körnern, den Samen des Fuchsschwanzgewächses, das mit dem Spinat verwandt ist, um kein Getreide handelt, kommt Quinoa am häufigsten als Reisersatz auf den Teller der Mitteleuropäer. Weitere Verwendungsarten: geröstete Körner im Müsli anstelle von Nüssen oder zum Brauen von glutenfreiem Bier. Die Blätter der Pflanze werden häufig auch als Salat oder Gemüse verzehrt.

Inhaltsstoffe und gesundheitliche Aspekte von Quinoa

Nicht nur der Gehalt an Eiweiss in den Samenkörnern der südamerikanischen Pflanze ist enorm, sondern auch das breite Aminosäuren-Spektrum. Und der hohe Anteil essenzieller Vitamine und einiger Mineralien, insbesondere Kalzium, Eisen und Magnesium, übertrifft die aller gängigen Getreidearten bei Weitem. Beispielsweise liefert Quinoa doppelt so viel Eisen und Vitamin E wie Roggen und Weizen. Aber die Pflanze ist auch reich an Kupfer und Mangan – beide Mineralien regen die Bildung eines Enzyms an, das die roten Blutkörperchen vor Angriffen freier Radikale schützt. Mangan unterstützt ausserdem die Regeneration von Knochen.

Quinoa wirkt bei folgenden gesundheitlichen Problemen positiv auf Körper und Geist:



1) Migräne



Aufgrund des hohen Anteils von Magnesium hilft Quinoa bei der Entspannung der Blutgefässe und beugt gleichzeitig auch Gefässverengungen vor, die charakteristisch für Migräne sind und die Anfälle auslösen. Migränepatienten bestätigen die positive Wirkung von Quinoa und geben an, bei verstärktem Verzehr der Samen von wesentlich weniger Schmerzattacken heimgesucht zu werden. Dafür ist auch die hohe Menge an Riboflavin (Vitamin B2) verantwortlich, von dem die Körner um rund 60 % mehr verfügen, als im Hafer und Weizen enthalten ist (und sieben Mal so viel wie im Reis).

2) Entzündungen



Die Samen der Pflanze aus den Anden wirken leicht entzündungshemmend und lindernd bei Muskel- und Gelenkschmerzen. Das wussten bereits die Inka, die sich diesen Umstand zunutze machten und Quinoa vor allem bei Entzündungen des Halses vermehrt verspeisten, um rascher wieder beschwerdefrei zu sein.

Nachweislich führt ein Serotoninmangel auf Dauer zu Schwermut, Traurigkeit und sogar Depressionen. (Bild: Frenzel / Shutterstock.com)

Nachweislich führt ein Serotoninmangel auf Dauer zu Schwermut, Traurigkeit und sogar Depressionen. (Bild: Frenzel / Shutterstock.com)

3) Schlechte Stimmung

Quinoa ist ein Lieferant der Aminosäure Tryptophan, die im Gehirn für die Produktion des Glückshormons Serotonin benötigt wird. Nachweislich führt ein Serotoninmangel auf Dauer zu Schwermut, Traurigkeit und sogar Depressionen. Antidepressiva erhöhen den Serotoninspiegel, weil sie den Abbau des Hormons im Gehirn stoppen, verursachen aber erhebliche Nebenwirkungen und können einen Gewöhnungseffekt auslösen. Quinoa (allerdings nur in konzentrierter Form und regelmässig in hohen Dosen) stellt eine sanfte Alternative zu den Medikamenten dar.

4) Schutz vor Krebs

Quinoa ist auch reich an Lysin, eine ganz besondere Aminosäure, womit die Pflanze sogar vor Krebs schützt. Die Krankheit kann sich mittels Geschwüren deshalb ausbreiten und Metastasen bilden, weil bestimmte Enzyme der Krebszellen das Bindegewebe zerstören. Lysin repariert beschädigtes Bindegewebe und beugt gleichzeitig auch dessen Auflösung vor.

5) Diabetes-Vorbeugung

Der glykämische Index von Quinoa ist sehr niedrig, was bedeutet, dass beim Verzehr nur wenig Zucker ins Blut gelangt (anders als bei allen anderen Getreideprodukten). Somit beugt der Verzehr der Pflanze als Kohlenhydrate-Lieferant Diabetes vor und hilft sogar bei der Gewichtsreduktion oder -kontrolle.

Die Zubereitung von Quinoa

Die bekannteste Zubereitungsart von Quinoa ist, das Korn ähnlich wie Reis zu kochen. Dafür werden die Pflanzensamen kurz mit der doppelten Menge Wasser aufgekocht und dann bei niedriger Temperatur rund zehn Minuten lang gegart. Anschliessend nimmt man den Topf vom Herd und lässt die Masse noch einmal zehn Minuten lang nachquellen. Man muss darauf achten, dass die Körner nicht zu weich werden und noch Biss haben, da sie sonst an Geschmack verlieren. Wurde Quinoa richtig zubereitet, schmeckt er leicht nussig und wird, leicht gesalzen, als Beilage wie Reis serviert. Natürlich kann man die Masse auch noch mit Butter, gerösteten Zwiebeln oder Gemüsewürfeln verfeinern. Ebenso ist es möglich, Quinoa mit Zutaten nach Wunsch kalt als Salat mit einer Marinade aus Öl, Zitronensaft und Salz zuzubereiten.

Die Schattenseite des Quinoa-Hypes

Die weltweit ständig steigende Nachfrage nach dem gesunden Quinoa hat die Preise für die Pflanze, die auch als „Supergetreide“ gehandelt und angepriesen wird, permanent in die Höhe getrieben. Das konnte den Lebensstandard der Anden-Bauern, die das Fuchsschwanzgewächs anbauen, enorm verbessern. Doch der Hype hat auch seine Schattenseiten: Nach Angaben von Agrarwissenschaftlern wenden sich immer mehr südamerikanische Landwirte von den traditionellen Anbaumethoden ab, um den Wuchs der wertvollen Pflanze zu beschleunigen, womit das empfindliche Ökosystem in dem kargen Hochland des Gebirges stark belastet wird und bereits gefährdet ist.



 

Oberstes Bild: © mama_mia- Shutterstock.com

Über Gabriele Hasmann

Lebt in Baden bei Wien, hat viele Jahre als Journalistin bei Funk und Fernsehen gearbeitet und ist seit 2011 als selbstständige Autorin, Ghostwriterin, Lektorin und Literaturagentin tätig. Zahlreiche Publikationen im Bereich Sachbuch.


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