Pflege anspruchsvoller Haut – Interview mit P. Liekfeld

01.02.2016 |  Von  |  Anti-Aging
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Pflege anspruchsvoller Haut – Interview mit P. Liekfeld
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Die Fachapothekerin Petra Liekfeld ist stellvertretende Vorsitzenden der Fachgruppe Dermokosmetik der „Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.“ und Mitglied des Netzwerks „Hautkompetenter Apotheken“.

Wir stellten Petra Liekfeld Fragen rund um die Pflege anspruchsvoller bzw. alternder Haut.

Woran erkennt man anspruchsvolle Haut?

Petra Liekfeld: Mit zunehmendem Alter lassen die Regenerations- und Reparaturmechanismen des Körpers nach. So ist z.B. die Talg- und Schweissdrüsenfunktion reduziert, die Zellerneuerungsrate verändert sich von 28 Tagen bei junger Haut auf bis zu 60 Tage mit zunehmendem Alter. Die Tätigkeit der Fibroblasten, die auch als Mutterzelle des Bindegewebes bezeichnet werden, lässt nach.

Für die Haut bedeutet dies: Sie wird durch den Mangel an Fett und Feuchtigkeit trockener, die Hornschicht verdickt sich, während die darunter liegende Epidermis immer dünner und damit empfindlicher, verletzlicher wird. Fältchen und Falten werden deutlicher. Da weniger Elastine und kollagene Fasern und weniger Hyaluronsäure produziert werden, lassen Wasserbindungsvermögen, Spannkraft und Festigkeit nach.

Statt niedlicher Sommersprossen entwickeln sich störende Pigmentveränderungen in Form von „Altersflecken“. Kurzum: Die Haut benötigt ein „Mehr“ an Pflege, das sinnvollerweise auf die aktuelle Hautsituation abgestimmt sein sollte.

Ab wann spricht man von reifer Haut?

Petra Liekfeld: „Reife Haut“ ist kein kosmetisch / dermatologisch exakt definierter Begriff (häufig wird der Begriff als elegante Umschreibung der „Altershaut“ verwendet). In der Literatur wird sowohl der Hautzustand mit dem Auftreten von ersten Zeichen der Hautalterung – seien sie intrinsischer oder extrinsischer Natur – als reife Haut bezeichnet als auch die nur intrinsisch, also altersgemäss veränderte Haut, die nicht von vorzeitiger Hautalterung, z.B. durch intensiven Einfluss von Sonne oder Rauchen, betroffen ist.

Ein genaues Alter ist nicht festzulegen, unterliegt doch auch die intrinsische Hautalterung individuellen Schwankungen. Da der Hormonhaushalt im Zusammenhang mit dem Hautzustand eine wichtige Rolle spielt, stellt der Beginn der Wechseljahre sicher einen Wendepunkt dar.


Die Pflege reifer haut sollte versuchen, die tatsächlichen Mangelerscheinungen auszugleichen. (Bild: Zaretska Olga – Shutterstock.com)

Die Pflege reifer haut sollte versuchen, die tatsächlichen Mangelerscheinungen auszugleichen. (Bild: Zaretska Olga – Shutterstock.com)


Warum wird die Haut mit zunehmendem Alter immer trockener?

Petra Liekfeld: Neben der geringeren Talg- und Schweissdrüsenproduktion vermindert sich die Wasserbindungskapazität der Fasern, die schützende Hautbarriere wird durchlässiger, der so genannte transepidermale Wasserverlust erhöht sich – die Haut zeigt Trockenheitssymptome wie eine feine Querfältelung beim „Wangenschiebetest“ bei Feuchtigkeitsmangel oder eine Längsfältelung beim „Lächeltest“ im Zusammenhang mit lipidarmer Haut und Spannungsgefühle.

Welche Bedürfnisse hat anspruchsvolle Haut im Vergleich zu anderen Hauttypen?

Petra Liekfeld:

  • Von Hauttyp spricht man korrekterweise im Zusammenhang mit den Lichttypen. Der Hautzustand verändert sich im Laufe des Lebens, der Hauttyp – z.B. keltisch oder mediterran – bleibt ein Leben lang bestehen.
  • Eine Pflege sollte versuchen, die tatsächlichen Mangelerscheinungen auszugleichen und gegen störende Erscheinungen wie z.B. Altersflecken eingreifen können. Neben den Zeichen der Hautalterung wie Falten oder Verlust an Festigkeit und Elastizität steht der trockene Hautzustand im Vordergrund.

Ist eine Feuchtigkeitscreme noch sinnvoll?

Petra Liekfeld: Dies richtet sich nach dem aktuellen Hautzustand. Häufig wird eine leichtere, dennoch intensiv feuchtigkeitsspendende Creme, evtl. sogar mit UV-Schutz für den Tag empfohlen, während sich zur Nacht eine reichhaltigere Nährcreme anbietet, um so die Haut mit Feuchtigkeit und Fett, denn sie benötigt beides, zu versorgen.

Sehr gut eignet sich auch die Kombination von Seren oder hochwertigen Ölen als Unterlage zu einer passenden Pflegecreme.

Wie wirkt eine Anti-Aging-Pflege?

Petra Liekfeld: Zum einen gleicht sie den vorhandenen Mangel an Fett bzw. Feuchtigkeit aus. Dadurch erscheint die Haut wieder praller, das Spannungsgefühl lässt nach. Zum anderen werden oftmals regenerierende Wirkstoffe eingearbeitet, die reduzierte Zellfunktionen wieder anregen und die Stoffwechselvorgänge in der Haut aktivieren. Häufig orientieren sich die Wirkstoffe an körpereigenen Vorgängen, wie z.B. der Wundheilung.

So können z.B. durch die Aktivierung von Reparaturmechanismen nachweislich vermehrt Hyaluronsäure, elastine sowie kollagene Fasern gebildet und die Haut von innen heraus wieder aufgebaut werden. Informationen zu einzelnen Wirkstoffen und ihre fachliche Einstufung bietet die Leitlinie „Dermokosmetika gegen Hautalterung“ der Gesellschaft für Dermopharmazie (www. gd-online.de).



Welche Creme eignet sich jetzt am besten?

Petra Liekfeld:

  • Augenpartie: Auch hier kann die Symptomatik vielfältig sein: mehr oder weniger stark ausgeprägte Fältchen, Schwellungen / Tränensäcke, Augenringe. Beim Einsatz von Kosmetika im Augenbereich ist grossen Wert auf eine gut augenverträgliche Grundlage zu legen, d.h. die Creme sollte nicht ins Auge „kriechen“ und Reizungen hervorrufen können. Die Produkte sollten frei sein von Parfüms, Duft- oder Farbstoffen und eine ggf. nachfolgende Applikation von Augen-Makeup nicht beeinträchtigen. Leichten Zubereitungen bzw. kühlenden Gelen ist der Vorzug zu geben. Je nach Hautbedürfnis werden Produkte mit Falten mindernden, entstauenden oder regenerierenden Eigenschaften eingesetzt.
  • Lippenpartie: Mit zunehmendem Alter zeigen sich häufig ober- und unterhalb der Lippenkonturen feine Längsfältelungen. Die kosmetische Aufgabe besteht hier in der Restrukturierung des Bindegewebes. Zur kosmetischen Behandlung werden daher gerne Wirkstoffe wie Fruchtsäuren, Peptide, Vitamin C oder Phytohormone verwendet, die in gut pflegende, reizarme Grundlagen eingebettet sind. Das Ergebnis kann durch die Anwendung spezieller Lippenmasken (Kosmetikerin) intensiviert werden.
  • Hals- und Dekolleté: Grundsätzlich ist festzuhalten, dass bereits in jungen Jahren eine Pflege niemals am Kinn enden, sondern Hals und Dekolleté stets mitberücksichtigt werden sollten. Die Spuren der Zeit äussern sich in diesem Bereich vorwiegend in Feuchtigkeitsmangel, einem Verlust an Straffheit und feinen Knitterfältchen. Verstärkt werden können diese Hauterscheinungen durch den Einfluss von UV-Strahlung, eine schlechte Körperhaltung und eine ungünstige Körperposition während des Schlafs.
  • Ziel der kosmetischen Pflege ist eine bessere Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit und Lipiden, eine Straffung des Gewebes und eine Verfeinerung des Hautreliefs.

 

Artikel von: beautypress.de
Artikelbild: © kurhan – Shutterstock.com

Über Sorin Barbuta

Ich habe bildende Künste studiert und arbeite seit vielen Jahren als freiberuflicher Graphik Designer. Da für mich selbständiges Arbeiten und Eigenverantwortung sehr wichtig sind, bin sehr gerne in der Welt des Web Content Managements unterwegs.


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