Mode, Hobby und Therapie – Stricken macht Spass und tut gut

15.01.2015 |  Von  |  Mode
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Mode, Hobby und Therapie – Stricken macht Spass und tut gut
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Handgestricktes ist kuschelig warm, sieht toll aus und ist derzeit aus der Modewelt nicht wegzudenken. Da Stricken ausserdem eine positive Wirkung auf Körper, Geist und Seele hat, wundert es nicht, dass diese Tausende Jahre alte Handarbeitstechnik immer mehr Anhänger findet.

Ein Ausflug in die Geschichte der Maschenmode

Wer das Stricken ursprünglich erfunden hat, das kann man nicht mit Gewissheit sagen. Erwiesen ist jedoch, dass bereits im 11. Jahrhundert vor Christi auf ähnliche Art Kleidung angefertigt wurde.

Dies beweist eine wollene Haube, die man in einem Moorgrab nahe Borum fand. Wahrscheinlich war die Technik damals eine andere, jedoch ist darüber nichts Näheres bekannt. In Thüringen entdeckten Archäologen zwei aus Knochen hergestellte Stricknadeln, die etwa aus der Zeit um 300 nach Christi stammten.

Im Mittelalter galt Stricken als typische Frauenarbeit und etwas ganz Alltägliches. Stricken war kein Hobby und gestrickt wurde nicht zur Entspannung, sondern hatte einen praktischen Grund: es mussten warme Kleidung und Decken hergestellt werden. Bis nach dem 2. Weltkrieg war Stricken eine Notwendigkeit. Erst später, als sich die Wirtschaft erholte und die Läden Waren in zuvor nie dagewesener Auswahl boten, machte sich vor allem die jüngere Generation kaum noch die Mühe zu Wolle und Stricknadeln zu greifen.

So manch kleines Wollelädeli musste Ende des 20. Jahrhunderts schliessen und viele Strickzeitschriften verschwanden aus dem Handel. Die Zahl der Strickbegeisterten war so weit zurückgegangen, dass beides nicht mehr rentierte. Doch dann entdeckten Menschen in Stadt und Land die Lust am Handarbeiten ebenso neu, wie allgemein der Wunsch zurück nach mehr Bodenständigkeit und Tradition wuchs. Nicht nur Omas Koch- und Backrezepte wurde wieder hervorgekramt, auch Strickmuster waren plötzlich gefragt. Das Gegenteil von dem, was in den 1990er Jahren passierte, kann seit einiger Zeit beobachtet werden: In den letzten Jahren wurde etliche Handarbeitsläden neu eröffnet und die Auswahl an entsprechenden Zeitschriften wächst stetig. Stricken ist modern, sogar Jugendliche und selbst Männer greifen zu den Stricknadeln und nutzen die Möglichkeit, ganz individuelle Kreationen zu schaffen.

Strickmode 2015

Zu den beliebtesten, wenn auch nicht ganz einfach zu strickenden Mustern gehören nach wie vor die Zopfmuster. Als echter Klassiker ist der Zopfpullover ein modischer Dauerbrenner. Genau wie das Norwegermuster passt er sowohl in die Garderobe einer Dame wie in jene eines Herrn. Rustikale und aufwendig gestrickte Pullis sind in diesem Winter überall zu sehen. Dicke, längere Pullover werden zu Leggins und mit Stiefeln getragen. In Farbe und Muster passende Stulpen ergänzen das Outfit. Zu den Accessoires gehören nicht nur Mützen, Stirnbänder, Schals oder Handschuhe: Kreative Strickfans gestalten mit Wolle und Stricknadeln sogar Handtaschen. Ganz individuelle Kreationen lassen sich aus Filzwolle stricken und werden durch das Waschen und Verfilzen robust und alltagstauglich.
Das Filzen von Handstrickmodellen bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten. Hausschuhe beispielsweise sind ruckzuck genadelt und eignen sich auch für Anfänger.


Zu den beliebtesten Mustern gehören nach wie vor die Zopfmuster. (Bild: © Andreja Donko - shutterstock.com)

Zu den beliebtesten Mustern gehören nach wie vor die Zopfmuster. (Bild: © Andreja Donko – shutterstock.com)


Maschenmode passt jedoch nicht nur in die kalte Jahreszeit. Luftige Pullis, Tücher, Tops und sogar Bikinis werden auch in diesem Sommer viel zu sehen sein und bleiben topaktuell. Spezielle Wolle-Qualitäten sorgen selbst an heissen Tagen für angenehme Trageigenschaften. In einer Facebook Gruppe wo sich strickbegeisterte Damen (und auch einige Herren) austauschen, zeigte ein Mitglied vor ein paar Tagen ein Foto ihres selbstgestrickten Hochzeitskleides. Innerhalb weniger Stunden wurde Sie fast 50mal nach der Anleitung gefragt! Sie sehen, die Strickmaschen lassen sich selbst elegant tragen, ohne dabei altbacken auszusehen.

Zwei links – zwei rechts als Wellness und Therapie

Heutzutage wird früher oder später über beinahe alles eine Studie angefertigt. So wollten sich Wissenschaftlicher nicht damit zufriedengeben, dass Stricken einfach nur Spass macht und man sich in handgearbeiteter Kleidung besonders fühlt. Sie wollten herausfinden, welche Wirkung diese beinahe meditative Handarbeit auf Körper, Geist und Seele hat. Ich las neulich in einer Zeitschrift, dass in den USA depressiven Menschen und Patienten, welche schwere Krankheiten durchmachen müssen, Handarbeiten, und besonders das Stricken, empfohlen werden. Da ich das sehr interessant finde, habe ich mich später intensiver in das Thema reingelesen:

Dass Stricken gegen Stress wirkt und das logische Denkvermögen anregt, die Kreativität fördert und Selbstvertrauen gibt, ist leicht nachvollziehbar. Unbewusst spürt wahrscheinlich jede Strickerin, jeder Stricker, dass das gleichmässige Klappern der Nadeln und die sich immer wiederholenden Muster etwas Meditatives haben. Dabei soll sogar hoher Blutdruck gesenkt werden. Mit den eigenen Händen etwas herstellen, lenkt von Schmerzen, Ängsten und Sorgen ab und die selbst gestickte Arbeit macht glücklich und schenkt mehr Selbstbewusstsein.

Stricken ist zudem ein ideales Training fürs Gehirn. Es beansprucht beide Hirnhälften und erfordert neben logischem Denken eine gute Vorstellungskraft. Beides wird, besonders bei etwas anspruchsvolleren Mustern, nachweisbar trainiert.

Stricken fördert soziale Kontakte

Gemeinsame Hobbys verbinden. Wer nun meint, stricken würde man doch einsam und allein daheim auf der Couch, und wer dem Strickfieber verfallen ist, würde sich isolieren, der irrt sich. Die meisten Wolleläden bieten nicht nur alle denkbaren Qualitäten und Farben an Wolle an, sondern auch Zubehör, Zeitschriften und die verschiedensten Kurse und Stricktreffs. Auch privat finden sich immer mehr Begeisterte, die ihre Strickwut mit Gleichgesinnten teilen möchten. Langsam schwappt auch ein Trend aus dem englischsprachigen Raum zu uns: Wollness statt Wellness und tatsächlich werden schon vereinzelt Wollness-Weekends angeboten.

2013 schickte die Rhätische Bahn einen Strickzug auf die Reise, in welchem die Fahrgäste unter fachkundiger Anleitung einen lässigen Tag verbrachten und gemeinsam die Nadeln klappern liessen.

Im Internet finden sich wildfremde Menschen zusammen, um Strickarbeiten für caritative Zwecke in Angriff zu nehmen. Dabei werden Spenden von Wollresten beispielsweise zu Decken, Mützen und Schals für Bedürftige verstrickt oder es entstehen süsse Kuscheltierli für Kinderspitäler.



Handarbeitsforen und Facebook-Strick-Gruppen bringen Menschen zusammen, mit denen man seine Wolle-Leidenschaft teilen kann und wo jederzeit jemand mit Rat und Tat zur Stelle ist. In den sozialen Netzwerken teilen sich die Mitglieder auch mit, wenn irgendwo gute Wolle in Aktion zu haben ist und viele sind offen dafür, sich ausserhalb des Internets auf einen Kaffee und gemeinsames Nadeln zu treffen.

 

Oberstes Bild: © littleny – shutterstock.com

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