Nur Cellulite oder schon Lipödem?

06.05.2021 |  Von  |  Figur

Viele Frauen mit Problemzonen an Oberschenkeln, Hüfte und Po fragen sich, ob sie nur schwaches Bindegewebe haben oder schon Lipödem. Wir erklären die Unterschiede.

Lipödem ist eine ernstzunehmende Krankheit mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen im Leben und Alltag, während Cellulite nur ein Schönheitsmakel ist.

Orangenhaut, Cellulitis, schwaches Bindegewebe – die meisten Frauen haben sie

Auch wenn Frauen sich mit dem Blick auf Models, Stars und Influencer sehr alleine fühlen mit welliger Haut an den Beinen, so sind sie das eigentlich nicht. Heutzutage haben 85-98 % aller Frauen über 20 Jahren delliges Gewebe, also schwaches Bindegewebe. Es ist etwas völlig Normales und auch Harmloses. Auch, wenn es nicht schön aussieht.

Es steht allerdings auch nicht für Gesundheit und – man muss schon ehrlich sein – es ist ein Phänomen unserer Zeit. Denn noch in den 1960er Jahren, bis in die 1970er gab es das Problem kaum.

Die Ernährung war offensichtlich damals besser und die Lebensweise auch gesünder, indem man sich mehr bewegt hat und es weniger Arbeit und Freizeitvergnügen am Bildschirm gab.

Frauen haben, was dieses Problem angeht, leider die Pechkarte gezogen, denn Männer bekommen keine Cellulitis, egal, ob sie Sport machen oder nicht. Das Problem der Männerwelt ist und bleibt der Bierbauch. Frauen kämpfen mit ihren Problemzonen an Hüften, Po und Oberschenkeln und das ist von der Natur so gedacht.

Zur Erinnerung: Frauen speichern das überschüssige Fett und Kalorien aus der Nahrung an diesen Stellen, weil der Bauch für die Schwangerschaft gedacht ist und ein Baby darin Platz finden soll.

Das Fett rund um Beine und Po ist ein idealer Speicher für Notzeiten und gerade für die Schwangerschaft, wenn Mutter und Kind vielleicht nicht genug Nahrung bekommen. So gibt es immer Reserven.

Kein Wunder also, dass dieses weibliche Fett an den sogenannten „Problemzonen“ äusserst hartnäckig ist und nur schwer wegzubekommen. Auch Diäten helfen oft nicht viel. Meist nimmt die Frau überall woanders eher ab, als an diesen „Speicherstellen“.

Das „Problemzonenfett“ ist also eigentlich eine von der Natur gut durchdachte Sache und gar nicht so ungesund, wie man heute sich einreden will.

Das Bindegewebe der Frau ist auch deshalb so schwach und bildet Dellen, weil es sich in der Schwangerschaft flexibel dehnen muss und hinterher wieder zusammenziehen. Das Bindegewebe der Männer ist ein dichtes, geflechtartiges Netz.

Wenn Frauen einen durchtrainierten Körper mit Muskeln und enorm Spannkraft haben wollen, so bedeutet das wesentlich mehr Arbeit und Disziplin als für einen Mann. Trotzdem gibt es natürlich genetische Unterschiede und einige Frauen haben von Natur aus einen solchen Körper.


Die meisten Frauen haben Cellulitis, oft erst erkennbar, wenn man das Gewebe zusammendrückt. (Bild: Rozhnovskaya Tanya – shutterstock.com)


Degeneriertes weibliches Fettgewebe

Lipödem ist nicht einfach nur Cellulite und schwaches, weibliches Fettgewebe, sondern eine krankhafte Fettverteilung, die starke Schmerzen und Verformungen von Armen und Beinen zur  Folge haben kann.

Die Betroffenen entwickeln im Endstadium richtige Elefantenbeine und Elefantenarme, die nicht mehr zum Rest des Körpers passen.

Am schlimmsten aber sind für die Betroffenen von Lipödem die Schmerzen. Denn die stark geschwollenen Beine verursachen schon mal alleine für sich Schmerzen, auch in Ruhestellung. Hinzu kommt, dass kleine Berührungen des krankhaften Gewebes sehr weh tun.

Ob man als Frau Lipödem hat oder einfach nur Cellulite merkt man am Schmerz, wenn jemand nur leicht das Bein tätschelt. Das ist ein echter Warnhinweis! Kleine Berührungen tun so weh, wie leichte Schläge oder richtiges Kneifen. Das ist der Hauptunterschied zwischen Lipödem und Cellulite.


Extrem deformierte Beine mit ungleichmässigen Dellen können ein Anzeichen für Lipödem sein. Wenn Sport und Diät nichts nützen, sollte man einen Arzt aufsuchen. (Bild: staras – shutterstock.com)


Betroffene von Lipödem fühlen schon bei leichten Berührungen der Beine richtige Schmerzen!

Das Fettgewebe ist in diesen Fällen regelrecht degeneriert und es wuchert vor sich hin. Die Fettzellen werden immer grösser und dehnen sich immer mehr aus, sodass im Grunde als Erlösung nur eine OP dient, die die degenerierten Fettzellen mitsamt dem überschüssigen Fett absaugt.

Eine solche Operation muss unbedingt von einem Fachmann vorgenommen werden, nicht einfach von einem Schönheits-Doc, der sich nur auf ästhetische Fettabsaugungen versteht!

Es wird bei solchen OPs auch relativ viel Fett abgesaugt, und es muss genau darauf geachtet werden, die degenerierten Fettzellen zu erwischen. Nur so kann den Patientinnen dauerhaft Linderung verschafft werden.

Leider werden solche Operationen immer noch nicht problemlos von den Krankenkassen übernommen, obwohl der Leidensdruck der Patientinnen sehr gross ist.


Fettabsaugen scheint für viele angenehmer zu sein, als abzunehmen. (Bild: Agenturfotografin – shutterstock.com)


Trend Fettabsaugung als Lipödem kaschiert

So ernsthaft und und schlimm diese Krankheit ist, so unpassend ist der aktuelle Trend, einfach jede Art von weiblicher Fettverteilung als Lipödem zu bezeichnen und mit Fettabsaugung bekämpfen zu wollen.

Etliche Beauty-Docs bezeichnen bereits ganz normale weibliche Fettverteilung an den Beinen schon als Lipödem, das sie mit einer OP behandeln möchten. Hier ist der gesunde Menschenverstand gefragt!

Jeder Frau, die ein bisschen zu viel Speck an Beinen und Hüften hat, gleich das Fett abzusaugen, würde natürlich Unmengen an Geld in die Kassen der Schönheitsoperateure spülen, aber es ist ein unnötiger Eingriff in die Natur und ein Risiko bei Frauen, die kein Lipödem haben.

Eine Frau, die einige Kilos zu viel wiegt und die wenig Sport treibt, wird ganz automatisch Fett an den Beinen ansammeln. Dies ist ein ganz natürlicher Prozess!

Auch schlanke Frauen haben oft Cellulite und ein wenig Speck an Po, Beinen und Hüften. Die oben genannte Speicherfunktion des weiblichen Körpers, der für eine eventuelle Schwangerschaft in Hungerzeiten gerüstet sein will, ist sehr hartnäckig, aber nichts Krankhaftes.

Ärgern sich also junge Frauen, dass sie keine absolut schlanken, definierten Beine haben – so sollten sie deswegen nicht an Fettabsaugung denken, sondern sich überlegen, ob sie etwas an ihrer Lebensweise ändern könnten oder ob es nicht auch eine Typfrage ist.

Echtes Lipödem verursacht Schmerzen und man hat an den Beinen ein Spannungs- und Druckgefühl. Auch nutzt bei echtem Lipödem  Muskeltraining nichts, sondern verschlimmert die Krankheit.

Merke: Wenn die Beine durch Krafttraining schlanker und straffer werden, ist es kein Lipödem!

Betroffene von Lipödem dürfen nicht jede Art von Sport machen. Am besten ist Aqua-Sport, also alles unter Wasser. Ob es Schwimmen, Tauchen, Aqua-Cycling oder Aqua-Walking ist: Diese Sportarten entlasten die Beine von ihrem Gewicht und das Wasser massiert angenehm die Beine wie bei einer Lymphdrainage.

Die Beine  werden auf angenehme Weise und schonend trainiert. Der Haken dabei: Frauen mit Lipödem schämen sich meist ihres Körpers und werden nicht so gerne in öffentliche Schwimmbäder gehen.

Hier bieten sich am besten Kurse mit anderen Betroffenen an oder, wer es sich leisten kann, baut einen kleinen Pool in den Garten, der gar nicht tief sein muss, für Aquagymnastik.


Dicke Beine sind noch lange kein Lipödem und kein Grund Fett abzusaugen. (Bild: Deman – shutterstock.com)


Kompressionsstrümpfe – grosse Erleichterung für Lipödem-Erkrankte

Die eindeutigste Unterscheidung zwischen wirklich Betroffenen von Lipödem und solchen Frauen, die nur an schwachem Bindegewebe oder ein paar Kilos zu viel leiden: Kompressionsstrümpfe bedeuten eine grosse Erleichterung bei echtem Lipödem!

Das heisst, die Betroffenen tragen diese straff sitzenden, eigentlich unangenehmen Strümpfe, die sehr schwer anzuziehen sind, freiwillig, weil sie entlasten und die Beschwerden lindern!

Wer kein Lipödem hat, der wird sie nicht freiwillig tragen, vor allem nicht im Sommer. An diesem Punkt kann man auch prominente Damen, die nur eine Fettabsaugung als Lipödem kaschieren wollen, entlarven.

Lipödem oder nur dicke, untrainierte Beine? Wer unsicher ist, sollte sich im Sommer an Strand und Schwimmbad kritisch umschauen: Hat jede 3. Frau ähnliche Beine wie man selbst, dann ist es ganz sicher kein Lipödem, sondern die ganz normale weibliche Fettverteilung mit Bindegewebsschwäche. Diese muss nicht operiert werden.

Frauen mit echtem Lipödem fallen optisch richtig auf: Ihr Oberkörper ist eher schmal und normal, dafür sind Beine und Arme voluminös. Auch im Anfangsstadium fallen Betroffene auf. Vor allem aber merken sie die Krankheit an den Schmerzen in den Beinen und bei Berührung.


Kompressionsstrümpfe zu tragen ist für Gesunde sehr unangenehm. Lipödem-Erkrankte empfinden sie als Entlastung. Es gibt sie heute in bunten Farben. (Bild: Albina Gavrilovic – shutterstock.com)


Weibliches Bindegewebsschwäche bekämpfen

Klar, da heute sehr viele Frauen Bindegewebsschwäche haben, sind sie für die Schönheitsindustrie leichte Opfer. Unsere Ernährung und falsche Lebensweise mit viel Sitzen fördern Cellulitis und dicke Beine. Trotzdem sollte der Gang zur OP keine Option sein, wenn man mit regelmässigem Sport und gesunder Ernährung etwas bewirken kann.


Schlanke, straffe Beine sind meist trainiert. (Bild: And-One – shutterstock.com)


Viele Frauen wählen die falschen Sportarten, um ihre Problemzonen oder zusätzlichen Kilos zu bekämpfen. Für gesunde Frauen, die nichts mit Lipödem zu tun haben, ist Krafttraining die effektivste Möglichkeit, den unschönen Dellen zu Leibe zu rücken.

Trotzdem wählen viele Frauen lieber Ausdauertraining oder andere Sportarten wie Tanzen oder Gymnastikarten, die zwar Spass machen, aber die Fettzellen nicht so richtig fordern.

Eine halbe Stunde Krafttraining im Fitness-Studio ist effektiver als eine halbe Stunde Tanzen u.ä. Am besten ist, man kombiniert beide oder mehrere Sportarten.

Natürlich ist die Ernährung ein ganz wichtiger Punkt. Viel Gemüse und Obst, statt Süssigkeiten und Fettes sind Fettkiller. Allerdings will sich nicht jede Frau für die Figur kasteien.

Daher ist eine ausgewogene Ernährung plus effektiver Sportarten eine gute Methode den unschönen Dellen und zusätzlichem Fett den Kampf anzusagen. Bevor man sich unters Messer legt, sollte man in diesen Punkten sehr diszipliniert sein.

 

Titelbild: kotin – shutterstock.com

Über J. Florence Pompe

J. Florence Pompe hat Germanistik und Pädagogik studiert und ist seit 2010 hauptberufliche Texterin. Spezialisiert auf die Themen Mode und Schmuck, führt sie zu diesen Themen mit viel Freude eigene Blogs, auch in Gemeinschaft mit anderen Autorinnen. Da sie Erfahrung im Schneidern von passgenauer Kleidung hat, kennt sie sich gut mit Stoffen, Schnitten und sorgfältiger Verarbeitung von Modeartikeln aus!


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