Body Positivity: Wahre Schönheit ist vielfältig
von J. Florence Pompe Figur Gesundheit
In einer Welt, die von unrealistischen Schönheitsstandards geprägt ist, gewinnt die Body-Positivity-Bewegung immer mehr an Bedeutung.
Sie ermutigt Menschen, ihre Körper so zu akzeptieren und zu lieben, wie sie sind, unabhängig von Form, Kleidergrösse, Hautfarbe oder anderen optischen Merkmalen.
Was ist Body Positivity?
Body Positivity ist eine soziale Bewegung, die darauf abzielt, unsere hyperkritische Wahrnehmung von Körperbildern zu verändern. Sie plädiert dafür, dass wir alle Körper als schön und wertvoll ansehen, unabhängig von gesellschaftlichen Normen und Schönheitsidealen. Diese Bewegung betont die Wichtigkeit von Selbstliebe, Akzeptanz und Respekt gegenüber sich selbst und anderen.
Ursprünge der Bewegung
Die Body-Positivity-Bewegung hat ihre Wurzeln in den 1960er Jahren, als Aktivisten begannen, gegen Diskriminierung aufgrund von Körpergewicht und -grösse zu kämpfen. Wie man weiss, hatte die Bewegung früher nie besonders grossen Einfluss, denn es gab Models wie Twiggy, dann die 90er Jahren mit sehr schlanken Models und Vorbildern wie Kate Moss.
In den letzten Jahrzehnten hatte man keine Scheu Skinny Models auf den Laufsteg zu schicken, die wirklich nur noch Haut und Knochen waren und das nicht freiwillig, sondern, weil die Designer das so wünschten. Erst in den letzten Jahren hat die Bewegung durch soziale Medien und prominente Unterstützer wie Lizzo, Ashley Graham und Jameela Jamil an Fahrt gewonnen.
Es gibt heute viele Plus Size Models, die zeigen, dass Frauen und Männer auch jenseits der Standardgrössen attraktiv sind und die Modedesigner haben verstanden, dass die Durchschnittsfigur nicht rank und schlank ist. Trotzdem haben wir immer noch Schönheitsideale im Kopf, die sehr ungesund sind. Soziale Medien tun ihr übriges, jungen Menschen einzureden, was sie als schön zu empfinden haben und so sehen viele Influencer auf Instagram sehr gleich aus.
Besonders die weiblichen Influencer spritzen sich gerne die Lippen auf, tragen alle die gleichen Augenbrauenform und gehen zum Beauty-Doc wie zum Friseur. Von Vielfalt kann also keine Rede sein. Daher ist es weiterhin sehr wichtig, die Body Positivity Bewegung zu unterstützen.
Warum ist Body Positivity wichtig?
1. Mentale Gesundheit: Ein positives Körperbild kann das Selbstwertgefühl und die allgemeine mentale Gesundheit verbessern. Es hilft, negative Gedanken und Selbstzweifel zu reduzieren. Dadurch führt man ein erfolgreicheres Berufs- und Privatleben.
2. Vielfalt und Inklusion: Body Positivity fördert die Akzeptanz und Wertschätzung von Vielfalt! Jeder Mensch ist einzigartig und sollte sich in seiner Haut wohlfühlen dürfen und nicht stigmatisiert, wegen etwaiger optischer Mängel.
3. Gegen Diskriminierung: Die Bewegung setzt sich gegen Diskriminierung aufgrund von Körpermerkmalen ein und fördert Gleichberechtigung und Respekt.
Body Positivity ist besonders für junge Menschen sehr wichtig, denn das Selbstbild in jungen Jahren kann das Erwachsenenleben massgeblich beeinflussen. Zu viele junge Menschen haben Komplexe aufgrund ihres Äusseren, sind nicht zufrieden mit ihrer Figur und das alles nur, weil ihnen ein Standardbild vorgegeben wird.
Die krankhafte Ausrichtung auf äussere Werte führt auch zu gefährlichem Handeln und Krankheiten wie Magersucht, Bulimie, Suiziden, Selbsthass.
Tipps für mehr Body Positivity im Alltag
- Selbstakzeptanz üben: Beginne Sie damit, Ihren Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Konzentrieren Sie sich auf das, was Ihr Körper für Sie leistet, anstatt nach Makeln zu suchen.
- Positive Affirmationen: Verwenden Sie täglich positive Affirmationen, um Ihr Selbstbild zu stärken. Sätze wie „Ich bin schön, so wie ich bin“ oder „Ich bin genug.“ können Wunder bewirken. Eben gerade deshalb, weil Kritik durch andere besonders in jungen Jahren eh vorherrschend ist.
- Medien kritischer konsumieren: Denken Sie immer daran, dass viele Bilder in den Medien bearbeitet und unrealistisch sind. Folgen Sie lieber Accounts und Personen, die echte und vielfältige Körperbilder zeigen und solchen, die Schummeleien mit Photoshop aufdecken
- Selbstfürsorge: Kümmeren Sie sich um Ihren Körper, indem Sie ausreichend schlafen, sich gesund ernähren und Sport treiben. Selbstfürsorge ist ein wichtiger Bestandteil von Body Positivity.
- Unterstützende Gemeinschaft: Umgeben Sie sich mit Menschen, die Sie dabei unterstützen und positiv beeinflussen. Eine starke Gemeinschaft kann helfen, ein positives Körperbild zu entwickeln und zu erhalten.
Debatten und Kontroversen um Bodypositivity
Die Bewegung hat sich vor allem durch soziale Medien verbreitet, wo Menschen ihre Geschichten teilen und Bilder ihrer Körper posten, um gegen gängige Schönheitsnormen zu rebellieren. Hashtags wie #bodypositivity, #loveyourbody und #allbodiesaregoodbodies haben eine globale Gemeinschaft geschaffen, die sich gegenseitig unterstützt und ermutigt.
Damit wurde vielen Menschen geholfen, ein gesünderes und positiveres Verhältnis zu ihrem eigenen Körper zu entwickeln. Besonders wichtig ist dies für Menschen, die aufgrund ihres Körpers diskriminiert werden. Sei es aufgrund von Übergewicht, Behinderungen, Narben oder anderen Merkmalen, die von der Norm abweichen.
Trotz ihrer positiven Ziele steht die Bodypositivity-Bewegung jedoch auch in der Kritik. Eine der Hauptkritiken kommt aus dem Gesundheitssektor. Einige Mediziner und Gesundheitsexperten argumentieren, dass Bodypositivity dazu führen könnte, ungesunde Lebensweisen zu normalisieren.
Insbesondere im Hinblick auf Übergewicht gibt es Bedenken, dass die Bewegung das Risiko von Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Gesundheitsproblemen verharmlosen könnte. Kritiker fordern, dass Bodypositivity nicht als Freifahrtschein für ungesunde Gewohnheiten verstanden werden sollte.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Exklusivität innerhalb der Bewegung. Obwohl Bodypositivity theoretisch alle Menschen inkludieren soll, fühlen sich manche, insbesondere schlankere oder sportlichere Personen, ausgeschlossen. Denn es gibt aktuell einen Fokus auf Plus Size Models und sehr übergewichtige Personen, daneben die noch immer superschlanken Models und sportliche Influencer.
Aber die grosse Masse dazwischen wird nicht angesprochen: Das sind Männer und Frauen, die weder gertenschlank und super sportlich sind, aber auch nicht Übergrössen tragen und als „dick“ gelten. Jetzt fühlt sich diese Gruppe ausgeschlossen. Es gibt Vorwürfe, dass die Bewegung manchmal in eine „Umkehrdiskriminierung“ abrutschen könnte, bei der Menschen, die den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, abgewertet oder angegriffen werden. Diese Diskussion zeigt, dass es innerhalb der Bodypositivity-Bewegung noch viel Raum für Nuancen und differenzierte Betrachtungen gibt. (Info zu den Videos: Die übergewichtige Dame hat mittlerweile durch eine Schlauchmagen-OP 85 kg Gewicht verloren und ist ein bekannter Instagramstar mit dem Account „Kurvenrausch“)
Ein zusätzliches Problem ist die Kommerzialisierung der Bewegung. Viele Unternehmen haben die Popularität von Bodypositivity erkannt und nutzen sie, um Produkte zu vermarkten. Kritiker argumentieren, dass dies die ursprüngliche Botschaft der Bewegung verwässert und sie auf einen blossen Marketing-Trend reduziert. Statt einer echten Auseinandersetzung mit Körperakzeptanz gehe es häufig nur darum, mehr Produkte zu verkaufen – sei es Kleidung, Kosmetik oder Fitnessprogramme.
Die Bodypositivity-Bewegung muss eine gesunde Balance finden: Zwischen der Feier von Vielfalt und der Achtung der eigenen Gesundheit, zwischen Inklusivität und dem Vermeiden von Ausgrenzung anderer.
Titelbild: oneinchpunch – shutterstock.com