Wildpflanzen im Vorfrühling

03.02.2015 |  Von  |  Allgemein
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Wildpflanzen im Vorfrühling
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Fast das ganze Jahr über bietet uns die Natur gratis gesunde Wildpflanzen, die lange Zeit nur zu oft übersehen oder gar als Unkraut verachtet und vernichtet wurden. „Zurück zur Natur“ liegt aber im Trend und altes Wissen wird wieder hervorgegraben und weitergegeben. Es macht Spass, Früchte, Blätter, Kräuter und Blüten zu sammeln und diese später in der Küche zuzubereiten. Zudem tun wir unserer Gesundheit etwas Gutes, denn gegen die meisten Alltagsbeschwerden ist ein Kraut gewachsen.

Seit Jahrtausenden sammeln Menschen wild wachsende Pflanzen und verwenden sie als Nahrung und Medizin. Das Wissen um die Heilwirkungen ist uralt. Im Mittelalter zogen in Mitteleuropa alljährlich Wanderapotheker durchs Land um die, während des Winters hergestellte, Medizin zu verkaufen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse der damaligen Zeit haben für uns immer noch einen unschätzbaren Wert. Klar kann man sich heute gegen alle möglichen Beschwerden ein passendes, industriell hergestelltes und oft recht teures Medikament in der Apotheke holen und eventuelle Nebenwirkungen oder Langzeitschäden in Kauf nehmen. In jüngerer Zeit setzt jedoch ein Umdenken ein:



Heilkräftige Wildpflanzen bringen wohltuende Abwechslung auf unsere Speisezettel, helfen Krankheiten vorzubeugen und heilen viele Zivilisationskrankheiten auf sanfte Weise. Bekannte Ärzte der Antike empfahlen, jene Lebensmittel zu sich zu nehmen, die in der eigenen Umgebung wachsen und diese, wenn möglich, frisch zu verzehren. Wer erst einmal auf den Geschmack kam und essbare Wildpflanzen zu schätzen lernte, wird es kaum erwarten können, dass der Winter sich verzieht und das erste Grün spriesst.

Was viele nicht wissen: Schon Ende Februar/Anfang März können Sie von ihren Spaziergängen gesunde Pflanzen nach Hause bringen. Hier möchte ich Ihnen die Wirkung einiger der bekanntesten und schon im Vorfrühling wachsenden, Wildpflanzen vorstellen. Sollten Sie jedoch die einzelnen Pflanzen gar nicht kennen und unterscheiden können, ist es empfehlenswert ein Bestimmungsbuch zu kaufen oder sich einer geführten Kräuterwanderung anzuschliessen.

Huflattich
Die gelb-goldenen leuchtenden Blüten des Huflattichs sind oft schon im Februar zu finden. Die ganze Pflanze kann verwendet werden, selbst die Wurzeln kann man im Winter sammeln, klein schneiden und zu Bratlingen verarbeiten. Die Blüten sehen in Salaten oder auf Butterbrot gestreut dekorativ aus. Wenn im Mai die ersten Blättchen erscheinen, lassen sich diese wie Spinat zubereiten oder für gemischten Salat verwenden. Die ausgewachsenen Blätter finden, wie auch die Blüten, getrocknet als Tee Verwendung.

Huflattichtee ist ein wirksamer Hustentee, der mit echtem Honig gesüsst wohltuende Linderung verschafft. Auch äusserlich können Sie Huflattichblätter anwenden. Frisch zerdrückt ziehen sie auf die Brust aufgelegt und mit einem Tuch bedeckt die Hitze heraus. Auf diese Weise sollen Sie auch bei geschwollenen Gelenken und Drüsen sowie bei Geschwüren helfen.



Sie finden den Huflattich an feuchten Ufern und Wegrändern und auf lehmigen Äckern. In übergrossen Mengen genossen, wirkt er leicht lebertoxisch, weshalb sie ihn nicht täglich auf dem Speiseplan haben sollten.

Die gelb-goldenen leuchtenden Blüten des Huflattichs sind oft schon im Februar zu finden. (Bild: Alis Photo / Shutterstock.com)

Die gelb-goldenen leuchtenden Blüten des Huflattichs sind oft schon im Februar zu finden. (Bild: Alis Photo / Shutterstock.com)

Gewöhnliche Hasel
Von März bis April lassen sich aus den jungen, frisch spriessenden Blättern des Haselbaumes allein oder mit anderem Wildgemüse gemischt, leckere Spinatgerichte zubereiten. Auch die Blütenkätzchen lassen sich verwenden, ich habe damit aber selber noch keine Erfahrung. Eine Kollegin verwendet sie für scharfe Gemüse-Chutneys. Als Tee zubereitet, sollen sie schweisstreibend wirken.
In der Naturheilkunde gelten die Hasel-Blätter dank ihrer ätherischen Öle als wirksames Mittel bei Leber- und Gallenbeschwerden.



Brennnessel
Jeder kennt sie und nur der, der ihre vielseitige Verwendung in Küche und Hausapotheke kennt, liebt sie. Viel zu oft wird sie als Unkraut einfach entfernt. Die Brennnessel ist ein leckeres Frühlingsgemüse. Wir verwenden nur die jungen Blätter oder die oberen Triebe. Für eine Frühlings-Tee-Kur ist die Brennnessel geradezu ideal. Trinken Sie mindestens zwei Wochen lang, noch bevor die ersten Pollen unterwegs sind, täglich Brennnesseltee, können Sie mitunter den Ausbruch von Heuschnupfen verhindern. Im Frühling jeden Morgen einen grünen Smoothie mit Brennnessel getrunken, macht Sie fit, wach und energiegeladen.



Der Pflanze werden verschiedene Heilwirkungen nachgesagt, welche über Jahrhunderte erprobt wurden. So soll sie während einer Frühjahrskur blutreinigend und entschlackend wirken, hilfreich bei Rheuma und Gicht sein und Blase sowie Nieren unterstützen. Auch die Wurzeln und der Samen der Brennnessel können wohltuend verwendet werden, darauf näher einzugehen, würde hier aber den Rahmen sprengen, da es ja um Wildpflanzen im Vorfrühling geht.

Vogelmiere
Diese kleine Pflanze mit ihren sternförmigen weissen Blüten ist weit verbreitet. Sie können Sie spätestens ab März an feuchten, schattigen Stellen, aber auch auf Äckern und Brachflächen finden. Wenn Sie die Pflanze komplett verwenden, tun Sie sich einen grosse Gefallen: Lediglich ihr Geschmack erinnert an den Kopfsalat, bezüglich Vitalstoffe lässt sie diesen aber weit hinter sich. Ihre Inhaltsstoffe Magnesium, Kalium, Kalzium, und Eisen sind um ein Vielfaches höher. Zudem enthält sie B-Vitamine, Vitamin C, Schleimstoffe, Selen, Kieselsäure und Flavonoide.

Da sich die Vogelmiere leicht auf frischer Blumenerde ziehen lässt und während der frostfreien Zeit stets nachwächst, kann man sie so auch daheim immer zur Hand haben. Sie schmeckt fein als Salat und kann auch wie Spinat als Gemüse zubereitet werden.
Bereits im Altertum wurde sie als Heilmittel bei sämtlichen Erkrankungen der Atemwege, Leberleiden, Rheuma und müden, entzündeten Augen angewendet. Hautverletzungen, Ausschläge und Verbrennungen lindern Sie durch die äussere Anwendung. Als Tee hat sie eine leicht abführende und harntreibende Wirkung.

Gänseblüemli
Es blüht fast das ganze Jahr hindurch. Kaum ist der letzte Schnee verschwunden, leuchten bereits die kleinen weissen Blümchen von den noch kargen Wiesen. Wir haben wohl alle als Kinder probiert, wie die Gänseblumen schmecken. Ihr Geschmack ist leicht ähnlich dem des Nüsslisalates. Diese essbaren Blüten sind eine wundervolle Dekoration für Suppen, Salate und Backwaren, eignen sich für Kräuterbutter und Kräuterquark. Die Blütenknospen können im Frühling als falsche Kapern eingelegt werden. Gänseblüemli werden gerne Teemischungen beigegeben, einerseits, weil sie hübsch aussehen, anderseits heisst es, sie würden die Wirkung anderer Heilpflanzen verstärken.

In der Volksmedizin gilt die Gänseblume dank ihrer schleimlösenden und verdauungsfördernden Wirkung bei Erkältungen und Leberbeschwerden als hochwirksam. Sie bringt den Stoffwechsel auf Trab und unterstützt die Blutbildung. Äusserlich können Gänseblumen als Umschläge und Bäder bei kleinen Verletzungen sowie Akne helfen.

Schliesslich tun uns die Wildpflanzen schon damit gut, dass wir uns an der frischen Luft bewegen, um sie einzusammeln. Wenn Sie erste Erfahrungen mit den wild wachsenden Blüten, Blättern und Kräutern machten, werden Sie sicher so nach und nach weitere kennenlernen und die Abwechslung in der Küche sowie die wohltuende Wirkung schätzen.



 

Oberstes Bild: Die Brennnessel ist ein leckeres Frühlingsgemüse. (© g215 / Shutterstock.com)

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