Überstunden als Jobkiller

06.10.2014 |  Von  |  Allgemein
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Überstunden als Jobkiller
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Überstunden gehören zum täglichen Brot für die Schweizer. Studien zu Arbeitszeiten, die in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2014 durchgeführt wurden, stellen das zweifelsfrei fest. Arbeitgeber verstehen diese Bereitschaft zur Leistung von Überstunden als Zeichen der Flexibilität des Arbeitnehmers, der sich dadurch zunehmend unter Druck gesetzt fühlt, diese Mehrarbeit auch wirklich zu leisten – und das weit über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus.

Unter ungünstigen Umständen gehen nämlich die zuerst, die diese Bereitschaft nicht an den Tag legen.



Eine grosse Anzahl der geleisteten Überstunden wird weder bezahlt noch anderweitig ausgeglichen – das ist sowohl bemerkenswert als auch fragwürdig und führt dazu, dass zumindest die Gewerkschaften Überstunden und ihre Zunahme als eine Art Jobkiller einstufen. Werden Überstunden zum Standard in den Unternehmen, sparen sich die Arbeitgeber die Bezahlung der ein oder anderen Stelle dadurch, dass diese einfach nicht besetzt wird.

Überstunden werden zur Normalität

Sieht man sich die Befragungen von Arbeitnehmern in unterschiedlichen Unternehmen und Branchen einmal genau an, erkennt man schnell, dass Überstunden immer mehr zum betrieblichen Alltag und zur Normalität werden. Dabei ist man nicht um Ausreden verlegen, um zu erklären, warum Überstunden gemacht werden müssen. Unerwartete Auftragsspitzen, zu wenig Leistung innerhalb der vereinbarten Arbeitszeit und die Erhaltung des guten Rufes der Firma werden dabei angeführt. Während in manchen Betrieben die geleisteten Überstunden wenigstens abgerechnet und bezahlt werden, honorieren manche Betriebe die extra geleistete Arbeit nicht gesondert, wenn in dieser Zeit lediglich die vertraglich vereinbarte Leistung erbracht wurde. So werden Überstunden schliesslich zur Normalität.

Das Dilemma spitzt sich aufgrund unterschiedlicher Ansichten zu



Natürlich haben Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Arbeitgeber unterschiedliche Meinungen zu dem Thema. Vergleicht man diese, ergibt sich ein Dilemma, das zu Lasten der Arbeitnehmer geht.

Der Arbeitnehmer stellt entsprechend seines Vertrages dem Arbeitgeber einen Teil seiner Zeit als Arbeitszeit zur Verfügung – so sieht es zumindest die Gewerkschaft Syna.





Langfristig kann höheres Auftragsvolumen nicht mit Überstunden der Arbeitnehmer bewältigt werden. (Bild: Bacho / Shutterstock.com)

Langfristig kann höheres Auftragsvolumen nicht mit Überstunden der Arbeitnehmer bewältigt werden. (Bild: Bacho / Shutterstock.com)

In dieser vereinbarten Arbeitszeit müssen die Arbeitnehmer eine häufig vorbestimmte Leistung erbringen. Wenn die normale Arbeitszeit dafür nicht ausreicht, müssen Überstunden geleistet werden – oftmals passiert das vonseiten der Arbeitnehmer ganz bereitwillig. Das jedoch zieht einen schalen Beigeschmack mit sich. Hier wird dem Arbeitgeber nämlich Freizeit zur Verfügung gestellt, oft leider unentgeltlich. Diese Überstunden werden häufig nicht wirklich freiwillig geleistet. Die Bereitschaft, es trotzdem zu tun, wird häufig durch den Druck gestützt, seinen Arbeitsplatz behalten und die Erwartungen des Arbeitgebers erfüllen zu wollen. Wenn die Überstunden dann doch bezahlt werden, rücken finanzielle Interessen in den Vordergrund.

Die meisten Arbeitgeber sehen das Problem entspannt. Moderne Arbeit verlangt nach flexiblen Arbeitszeitmodellen, bei denen man von festen Arbeitszeiten nicht mehr ausgehen kann. Flexibilität ist so zum wichtigsten Schlagwort bei Arbeitgebern geworden, die von ihren Mitarbeitern am besten zu jeder Zeit vollen Einsatz erwarten. Dabei wird dann gerne von Wochenarbeitszeiten oder Arbeitszeitkonten gesprochen. So sollen geleistete Überstunden durch ein Mehr an Freizeit in ruhigeren Phasen des Unternehmens ausgeglichen werden. Dass das nicht immer funktioniert, dürfte jedem klar sein.



Moderne Arbeitgeber beleuchten die Problematik aber auch gerne von einem anderen Standpunkt. Es nütze nichts, wenn Überstunden aufgrund von Stelleneinsparungen oder angeblicher Spitzenzeiten angehäuft würden, denn das mache Mitarbeiter durch die zu grosse Belastung zunehmend unkonzentriert und ihre Freizeit reiche nicht mehr aus, um die Regeneration der Arbeitskraft zu gewährleisten. Die Folge seien Fehlentscheidungen und fehlerhafte Arbeit. So sind Überstunden einfach nicht sinnvoll. Langfristig ist es deshalb effektiver zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen, wenn es den Bedarf dafür im Unternehmen tatsächlich gibt. Zur beschriebenen Problematik gibt es also durchaus unterschiedliche Standpunkte.

Überstunden sind moderne Ausbeutung

Klar ist, dass Arbeitgeber ihre Angestellten so auswählen, dass auch ein gewisser Selbstzweck dabei erfüllt wird. Lohnarbeit besteht immer auch aus der bezahlten Nutzung von Leistungskraft, Fertigkeiten und Fähigkeiten. Der individuelle Arbeitsvertrag soll dazu dienen diese Nutzung zu regulieren, unter anderem durch eine angemessene Bezahlung. Wenn Angestellte darüber hinaus immer mehr Überstunden ohne gesonderte Entlohnung leisten müssen, wird daraus eine moderne Form der Ausbeutung, bei der sich der Arbeitnehmer zum willfährigen Erfüllungsgehilfen des Gewinnstrebens des Arbeitgebers macht. So sehen es Arbeitswissenschaftler, Gewerkschaften und kritische Arbeitnehmer.

Ein gewisses Mass an Überstunden, um den Betrieb gut am Laufen zu halten und über einen kurzen Zeitraum hin überschaubare Erfordernisse gut bewältigen zu können, sind sicher hier und da notwendig. Diese sollten allerdings nicht Überhand nehmen. Bilden sich Überstunden als Standard im Unternehmen heraus, wird eine ethische und moralische Grenze überschritten. Versteckter Druck, der auf den Arbeitnehmer ausgeübt wird, ist hier keine Seltenheit. „Wer nicht bereit ist, dem Unternehmen in schwierigen Zeiten unter die Arme zu greifen, der kann sich gerne eine andere Arbeit suchen!“ Bemerkungen wie diese üben einen solchen Druck aus. Natürlich werden solche Drohungen auch in milderer Form ausgesprochen, aber Druck wird dadurch allemal ausgeübt und die so gegängelten Arbeitnehmer leisten dann eine mehr oder minder freiwillige Leistung in Form von Überstunden. Bleibt die Frage: Sind Sie einer von ihnen?



 

Oberstes Bild: © Andrey_Popov – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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