Frühjahrsputz für den Stoffwechsel: Fakten und Mythen über das Fasten

09.04.2015 |  Von  |  Allgemein, Ernährung
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Frühjahrsputz für den Stoffwechsel: Fakten und Mythen über das Fasten
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Fasten kann viele persönliche Hintergründe haben: vom Wunsch nach der Idealfigur bis hin zur angestrebten Entgiftung von Körper und Geist. Aus medizinischer Sicht sind Fastenkuren jedoch längst nicht immer sinnvoll. Und der völlige Verzicht auf Nahrung ist sogar mit einigen Risiken verbunden.

Schon Ärzte im alten Griechenland rieten bei vielen Krankheiten eher zur Abstinenz als zu Arzneimitteln. Tatsächlich kann es der menschliche Körper lange Zeit ohne Essen aushalten. Fasten kann also eine gesunde und lohnenswerte Erfahrung sein – wenn die Grundvoraussetzungen stimmen und der Arzt einverstanden ist.

Fasten ist nicht Hungern

Beim Fasten wird auf die Aufnahme von fester Nahrung verzichtet. Das bedeutet jedoch nicht automatisch einen Verzicht auf Nährstoffe bzw. Energiezufuhr durch Nahrung. Reichliches Trinken ist ein wesentlicher Bestandteil des gesunden Fastens, und hierbei eignen sich ausser Wasser und ungesüssten Tees auch Frucht- und Gemüsesäfte, Molke oder leichte Brühen. Ganz nach Wunsch oder ärztlicher Empfehlung kann das Fasten so zu einer stark kalorienreduzierten Kost mit weitestgehend flüssiger Nahrung abgewandelt werden.

Grundsätzlich soll eine Fastenkur immer so gestaltet werden, dass sie weder mit quälendem Hunger noch mit anderen unangenehmen oder bedrohlichen Gefühlen verbunden ist. Fasten muss verträglich sein, sonst verdirbt es die Laune, statt den Körper in Schwung zu bringen, und das Durchhalten fällt schwer. Wer aber zu früh aufgibt, kommt nicht mehr in den Genuss der erwünschten bzw. heilsamen Effekte. Ob und wie viele Kalorien während des Fastens aufgenommen werden, lässt sich individuell variieren – empfohlen werden, je nach den Grundvoraussetzungen, zwischen 0 (klassische „Nulldiät“) und 600 Kalorien.

Fasten ist keine Diät zur Gewichtsabnahme, sondern eine Diät zur Entlastung oder Umstellung des Stoffwechsels, also vor allem eine Gesundheitsmassnahme. Natürlich werden während der Kur auch Fettpölsterchen abgebaut, doch wenn danach wieder so gegessen wird wie vorher, sind die meist schnell wieder da. Als Einstieg in ein verändertes Ernährungsprogramm, etwa eine für die Zukunft geplante gesündere, bewusstere oder schlankere Ernährungsweise, ist die Fastenkur jedoch ideal.

Hippokrates, der berühmteste Arzt der Antike, hinterliess unter anderem folgendes Zitat: „Wer kräftig bleiben möchte, gesund und jung, und sein Leben verlängern will, der übe Zurückhaltung in allem, atme frische Luft, pflege seine Haut, bewege sich täglich, behalte den Kopf kühl und die Füsse warm und heile seine Übel eher durch das Fasten als durch Medizin.“


Frucht- und Gemüsesäfte können bei einer Fastenkur sehr hilfreich sein. (Bild: Heike Rau / Shutterstock.com)

Frucht- und Gemüsesäfte können bei einer Fastenkur sehr hilfreich sein. (Bild: Heike Rau / Shutterstock.com)


Wer darf wie lange fasten?

Eine kurze Fastenperiode von wenigen Tagen oder einer Woche ist für einen gesunden Menschen jederzeit möglich. Was darüber hinausgeht, beispielsweise bis zu 4 Wochen, zählt bereits zum medizinischen bzw. therapeutischen Fasten. Ein solches Heilfasten kann bei chronischen Erkrankungen ratsam sein, sollte jedoch ausschliesslich unter ärztlicher Kontrolle und Aufsicht erfolgen.

Wer sich nicht fit fühlt oder nicht gesund ist, sollte ebenfalls immer den Arzt befragen, bevor er eine Fastenkur plant oder beginnt. Zu den häufigsten Gegenanzeigen gehören:

  • eine noch nicht abgeschlossene Regerations- oder Rehabilitationszeit nach einer Krankheit oder Operation
  • starke seelische und nervliche Spannungen, z. B. familiärer Stress, berufliche Überforderung, depressive Verstimmungen oder Gereiztheit
  • chronische Krankheiten des Verdauungssystems, etwa eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Leber- oder Nierenschäden oder Magengeschwüre
  • ein erhöhtes Krankheitsrisiko durch Bluthochdruck oder hohe Cholesterin-, Zucker-, Harnstoff- oder Blutfettwerte,
  • regelmässige Einnahme von Medikamenten sowie
  • Schwangerschaft und Stillzeit.

Die wichtigsten Fastenregeln zur Vorbereitung und zum Durchhalten

Wer vor und während des Fastens einige Regeln beachtet, kann damit die positiven Wirkungen verstärken und sich nach der Kur länger daran erfreuen. Zur Vorbereitung empfiehlt sich ein sogenannter Entlastungstag mit reichlich Obst und Rohkost, um den Körper auf die kommenden Fastentage einzustimmen. Während der Kur unterstützen moderates Herz-Kreislauf-Training und Saunagänge den Kreislauf und den Stoffwechsel. Vor und nach dem Saunieren sollte viel und bewusst getrunken werden, zum Beispiel in Wasser gelöste Mineralien.

Viele Ernährungsberater und Heilpraktiker raten zusätzlich zu Leberwickeln zur Stärkung der Leber, warmen Vollbädern und anderen begleitenden Anti-Stress-Massnahmen, etwa Entspannungstechniken, Atemübungen, Yoga oder Spaziergängen in der Natur. Bei jeder Kur ist es angebracht, sich Freiräume und Ruheinseln zu schaffen und kleine Auszeiten zu genehmigen. Wer sich dabei nicht bewegen oder sportlich betätigen möchte, ist auch mit seiner Lieblingsmusik, einem guten Buch und einer kuscheligen Decke auf der Couch sehr gut beraten.



Erleuchtung und Entschlackung: Auch Glauben kann helfen

Viele Menschen sehen Fasten auch als spirituelle Reinigung. Je nach Motiv, Ausrichtung und Ziel gibt es dabei zahlreiche Varianten, die Fastenzeit vorzubereiten und zu gestalten. Oft gehen Wünsche nach Klärung des Geistes, Rückkehr zu den Ursprüngen, innerer Balance, spiritueller Entfaltung oder Erleuchtung mit ganz weltlichen Beweggründen Hand in Hand – etwa dem Wunsch, Stress im Alltag gelassener zu begegnen, in Beruf und Partnerschaft weiterzukommen oder, ganz allgemein, sich von Störendem und Hemmendem zu befreien.

Dabei kann Fasten tatsächlich helfen. Denn es erfordert ein hohes Mass an Disziplin und schult damit viele Fertigkeiten, die bei Veränderungen wichtig sind – zum Beispiel Entscheidungskraft und Durchhaltewillen, Empathie, kritische Selbstreflexion und bewusste Zeiteinteilung. Zudem stellt sich beim Fasten meist bald ein Gefühl der Leichtigkeit ein, das häufig mit hoher Motivation, Leistungsbereitschaft und Zuversicht einhergeht. Diese Nebeneffekte der Stoffwechselumstellung werden von den meisten Menschen – unabhängig von Erwartungshaltung und Glaube – als ganzheitlich heilsam und nachhaltig stärkend empfunden.

Es existieren auch verschiedene Theorien über Körperschlacken, die durch Nahrungskarenz und entsprechende Rahmenprogramme abgebaut bzw. ausgeschwemmt werden sollen. Als Schlacken werden dabei Stoffwechselendprodukte bezeichnet, die sich laut Theorie im Körper anlagern und dort Schäden anrichten, etwa in Form von Allergien, Infektionen oder chronischen Beschwerden. Beim sogenannten Basenfasten soll der „übersäuerte“ Organismus wieder zum Säuren-Basen-Gleichgewicht zurückfinden.

Die wissenschaftliche Basis ist hier eher dünn – so liegen bisher keine schlüssigen Beweise oder eindeutigen Studien für die Schadwirkung von Körperschlacken vor. Auch über die Möglichkeit einer solchen Übersäuerung des Organismus wird in weiten Kreisen gestritten – viele Mediziner betrachten sie als blanken Unfug. Doch nichtsdestotrotz berichten immer wieder Menschen von positiven Wirkungen, und schädlich sind die entsprechenden Fastenregeln und empfohlenen Zusatzprodukte in der Regel nicht. Hier gilt also einmal mehr: Wenn es hilft, ist es gut.

Fazit: Fasten ist kein Dogma, sondern eine Gesundheitsmassnahme, die sich individuell abwandeln lässt. Eine Fastenkur bringt den Stoffwechsel auf Trab und kann das Selbstbewusstsein stärken. Doch wer fasten will, sollte sich vorher vom Arzt beraten lassen – nicht immer ist der Nahrungsverzicht gesund.

 

Oberstes Bild: Heilfasten ist der bewusste Verzicht auf feste Nahrung und wirkt gerade im Frühling wie ein Energieschub. (© Early Spring / Shutterstock.com)

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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