Ernährungswissenschaftlerin: Geniesser sind gesünder

20.03.2015 |  Von  |  Allgemein, Ernährung
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Ernährungswissenschaftlerin: Geniesser sind gesünder
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Wegen diffuser Ängste üben immer mehr Menschen Verzicht beim Essen. Sie fürchten sich vor dem zu dick Werden, vor Pestiziden, Zusatzstoffen oder Unverträglichkeiten, vor zu viel Technologie, Krankheiten und vor Täuschung, oder davor, etwas falsch zu machen, Grenzen zu überschreiten oder sich gehen zu lassen.

Die Folgen sind Verzicht und Selbstkasteiung beim Essen. Davor warnt jetzt die Ernährungswissenschaftlerin und wissenschaftliche Leiterin des „forum.ernährung heute“, Marlies Gruber. „Dass bei der Ernährung grundsätzlich Angst mitschwingt, liegt in der Natur der Sache“, sagt sie. „Doch heute werden viele Ängste vor dem Essen künstlich geschürt, was zu einem verkrampften Umgang damit führt.“ Die Wissenschaft beginne, Genuss als wichtigen gesundheitlichen Faktor zu sehen, schreibt sie in ihrem neuen Buch „Mut zum Genuss – Warum uns das gute Leben gesund und glücklich macht“.



„Je mehr wir geniessen können, desto mehr steigern sich unser Wohlbefinden, unsere Abwehrkräfte und unsere Leistungsfähigkeit.“

Stresspuffer Genuss

Genuss habe zudem wichtige psychologische Effekte, betont Gruber. „Geniesser sind öfter optimistisch, glücklich, ausgeglichen und entspannt. Sie schätzen ihre Gesundheit und ihr allgemeines Wohlbefinden subjektiv höher ein und erklären bei Umfragen deutlich, dass sie sich bester Gesundheit erfreuen.“ Das hat einen biochemischen Hintergrund. Forscher vermuten, dass genussreiche Erlebnisse durch die Freisetzung von gamma-Aminobuttersäure beruhigende und angstlösende Effekte haben. Genuss zu erleben wirkt daher als möglicher Stresspuffer. Hingegen belasten genussunfähige Menschen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Umwelt psychologisch. „Sie verhindern, dass Alltagsfreuden überspringen“, sagt Gruber. „Kein Wunder, dass sich Menschen lieber mit Geniessern umgeben, die Wohlbefinden und Freude verbreiten können. Sie können für Andere Motivatoren und Katalysatoren bei der Überwindung von Alltagsstress, depressiven Stimmungslagen oder bei Leistungstiefs und psychosomatischen Symptomen sein.“

Genuss zu erleben wirkt daher als möglicher Stresspuffer. (Bild: © gpointstudio / Shutterstock.com)

Genuss zu erleben wirkt daher als möglicher Stresspuffer. (Bild: © gpointstudio / Shutterstock.com)




Gesunde Geniesser

Ausserdem sorgen sich Geniesser erwiesenermassen eher um Leib und Seele, so Gruber weiter. Sie betreiben mehr Sport, ernähren sich ausgewogener, halten sich häufiger an der frischen Luft auf, vermeiden Einsamkeit, treffen eher Massnahmen wie Impfen oder Zahnprophylaxe zur Krankheitsprävention und gehen Auslösern psychosomatischer Krankheiten aus dem Weg.“

Wer geniesst, hat auch die bessere Chance auf sein Normalgewicht. Knapp die Hälfte der Geniesser ist normalgewichtig, während Genussunfähige nur zu 38 Prozent in diese Kategorie fallen. Umgekehrt sind unter den Genussunfähigen mit 17 Prozent die meisten Adipösen, im Vergleich zu 11 Prozent bei den Geniessern. Wer bewusst mit allen Sinnen isst, freut sich nicht nur über den Genuss, sondern zügelt zugleich die Portionsgrösse, schreibt Gruber. Denn bekanntlich würden ein restriktiver Umgang mit einzelnen Lebensmitteln sowie selbst auferlegte oder von anderen verhängte Verbote den Heisshunger noch schüren, weshalb Diäten nie funktionieren würden. Ein neues Körpergewicht zu etablieren, habe vielmehr mit dem gesamten Lebensstil zu tun und sei ein nachhaltiges Unterfangen.



Sowohl medizinisch, als auch psychologisch und gesellschaftlich würde insgesamt einiges für den Aufbau kollektiver Genusskompetenz und den sukzessiven Abbau des schlechten Gewissens sprechen.

Schwierige Kunst des Geniessens

Geniessen will aber gelernt sein. Die Voraussetzungen für Genussfähigkeit sind laut Gruber:

  • „Selbstfürsorge“ (Geniesser erwarten nicht von anderen, dass sie sich um ihr Wohl kümmern. Sie nehmen sich selbst fürsorglich an der Hand),
  • „Zeitsouveränität“ (Geniesser nehmen sich Zeit, weil unter Stress Geniessen nicht funktioniert),
  • „Achtsamkeit“ (Selbst die beste Schokolade hat keine Chance, wenn sie jemand auf dem Weg zur U-Bahn isst) und ein laufendes „Finetuning“ der Sinne.

Die Autorin: Marlies Gruber studierte Ernährungswissenschaften, ist wissenschaftliche Leiterin des „forum.ernährung heute“, Chefredakteurin der „ernährung heute“ und von „forum-ernaehrung.at“, Lektorin für Ernährungskommunikation an österreichischen Fachhochschulen und Initiatorin des österreichischen Genussbarometers.

Rückfragehinweis:
Lisa Grabner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mobil+ 43 (0) 676 546 76 02
Mail: lisa.grabner@edition-a.at

 



Oberstes Bild: Die Wissenschaft beginnt, Genuss als wichtigen gesundheitlichen Faktor zu sehen. (© Valery Sidelnykov_shutterstock.com)

 

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