Diabetesrisiko: Lebensgewohnheiten spielen wichtige Rolle

16.11.2015 |  Von  |  Gesundheit
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Diabetesrisiko: Lebensgewohnheiten spielen wichtige Rolle
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Soziokulturelle Faktoren in Städten wie Zeitdruck, Pendelzeit und Wohnort spielen für das Diabetesrisiko eine wichtigere Rolle als bisher angenommen. Darauf deuten internationale Forschungsarbeiten hin, die vom University College London (UCL) im Rahmen des Partnerschaftsprogramms Cities Changing Diabetes geleitet werden.

Mehr als zwei Drittel der 400 Millionen Diabetespatienten weltweit leben in Stadtgebieten. Die einjährige Studie für Cities Changing Diabetes, eine einzigartige Partnerschaft zwischen öffentlichen, privaten und akademischen Institutionen, hatte ein besseres Verständnis für die Anfälligkeit von Stadtbewohnern für Typ-2-Diabetes zum Ziel.

So wollte man Lösungen für eine der aktuell dringendsten Herausforderungen für das öffentliche Gesundheitswesen finden. Um diesem komplexen Problem auf den Grund zu gehen, wurden über 550 Gespräche mit Risikogruppen und diagnostizierten Patienten in fünf Grossstädten durchgeführt: Kopenhagen, Houston, Mexiko-Stadt, Shanghai und Tianjin.


Berufsverkehr in Houston

Berufsverkehr in Houston


„Herkömmliche Untersuchungen konzentrierten sich hauptsächlich auf biomedizinische Risikofaktoren für Diabetes. Die Auswirkungen sozialer und kultureller Faktoren wurden dabei nicht richtig berücksichtigt“, sagt David Napier, Professor of Medical Anthropology, UCL. „Unsere bahnbrechenden Forschungsarbeiten versetzen Städte weltweit in die Lage, ihren Einwohnern dabei zu helfen, ihre Lebensgewohnheiten anzupassen und ihr Diabetesrisiko so zu senken.“

Die Studie erwies, dass das Diabetesrisiko in Städten im Zusammenhang mit einer komplexen Mischung aus sozialen und kulturellen Faktoren steht, die sowohl das anfängliche Risiko von Stadtbewohnern erhöhen, aber auch dafür sorgen, dass diese seltener diagnostiziert, behandelt und so in die Lage versetzt werden, eine gute Gesundheit aufrecht zu erhalten. Zu den ermittelten sozialen Faktoren gehörten finanzielle, geografische, ressourcenbedingte und Zeitzwänge. Kulturelle Faktoren schlossen die Selbstwahrnehmung des Körpergewichts und der Gesundheit sowie tief verwurzelte Traditionen ein.


Fahrradfreundliche Stadt Kopenhagen

Fahrradfreundliche Stadt Kopenhagen


„Die Einsichten, die uns das Cities Changing Diabetes-Programm geliefert hat, haben unser Verständnis der Diabetes in Städten grundlegend geändert“, sagte Dr. Armando Ahued Ortega, der Gesundheitsminister von Mexiko-Stadt.

„Diese neuen Erkenntnisse zu den soziokulturellen Faktoren werden die Grundlage für die Ausarbeitung wirksamerer und zielgerichteterer Strategien im öffentlichen Gesundheitswesen bilden und so die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Bürger fördern.“


Vater und Sohn auf einem Scooter in China

Vater und Sohn auf einem Scooter in China


Zentrale Erkenntnisse aus den teilnehmenden Städten

  • In Houston trifft die traditionelle Auffassung, nach der die Finanzlage im engen Zusammenhang mit dem Diabetesrisiko steht, nicht mehr zu, da sowohl Menschen mit und ohne finanzielle Probleme anfällig für Diabetes sind.
  • In Mexiko-Stadt tragen die Geschlechterrollen unter Umständen zum erhöhten Risiko für Frauen bei, da diese ihre eigene Gesundheit vernachlässigen, um keine Last darzustellen.
  • In Kopenhagen steht Diabetes selten ganz oben auf der Prioritätenliste und kommt erst nach anderen sozialen und gesundheitlichen Problemen wie Arbeitslosigkeit, finanziellen Schwierigkeiten und Einsamkeit.
  • In Shanghai werden Probleme kulturell bedingt eher geleugnet. Aus diesem Grund bitten Leute ihre Freunde, Familien und Ärzte nur ungern um Hilfe.
  • In Tianjin gab es für die Diabeteserkrankungen der Befragten viele verschiedene Ursachen, darunter schlechte Ernährungsgewohnheiten, Überarbeitung und schlechte psychische Gesundheit.


Über Cities Changing Diabetes

Das Partnerschaftsprogramm Cities Changing Diabetes besteht aus drei getrennten, dabei aber ineinandergreifenden Phasen. Bestandsaufnahme, Austausch und Massnahmen. Die anfängliche Bestandsaufnahme ist nun abgeschlossen. Aus diesem Grund kommen 250 Experten aus aller Welt in Kopenhagen zusammen, um die Erkenntnisse und Lösungen für das Diabetesproblem in Städten zu diskutieren.

Langfristig will das Partnerschaftsprogramm den Anstieg von Diabetes in Städten weltweit angehen und dazu die Einsichten und Fachkenntnisse aller Teilnehmer teilen. 2016 werden Vancouver und Johannesburg zum Programm stossen, um sich an der internationalen Studie zu beteiligen.

 

Artikel von: Cities Changing Diabetes
Artikelbilder: © Cities Changing Diabetes

Über Samuel Nies

Als gelernter Informatikkaufmann war für mich schon schnell klar, dass die Administration von verschiedenen Systemen zu meinem Gebiet werden sollte. Um aber auch einen kreativen Anteil in meinen Arbeitsalltag zu integrieren, verschlug es mich in die Welt des Web Content Management.


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