Zalando setzt ein Zeichen gegen Tierleid bei Merino-Wolle

Online-Versandhändler Zalando unterschreibt Absichtserklärung von VIER PFOTEN und positioniert sich gegen Verstümmelung von Merino-Lämmern beim „Mulesing“

Erfolg für den Tierschutz und VIER PFOTEN: Der Online-Versandhändler Zalando hat jetzt nach intensiven Gesprächen mit der globalen Tierschutzorganisation den „Brand Letter of Intent“ unterschrieben und bekennt sich mit dieser Absichtserklärung dazu, für seine Eigenmarken ab 2023 nur noch zertifizierte Wolle zu beziehen, die Mulesing ausschliesst. Unter Mulesing versteht man eine auf australischen Farmen betriebene schmerzhafte Verstümmelung von Merinolämmern. Die globale Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN begrüsst den Schritt von Europas grösstem Versandhändler.

„Seit vielen Jahren setzen wir uns bereits gegen Mulesing ein. Dass Zalando jetzt den „Brand Letter of Intent“ unterschrieben hat, ist für uns eine besonders grosse Freude. Es zeigt, dass unser Einsatz gegen Mulesing inzwischen auch bei den grossen Marken angekommen ist. Die australische Wollindustrie kann das nicht länger ignorieren. Sie muss diese überflüssige und für Merino-Lämmer äusserst schmerzhafte Prozedur endlich beenden“, sagt Rebecca Picallo Gil, Leiterin der Wollkampage bei VIER PFOTEN.

Mittlerweile unterstützen 45 internationale Modemarken und Händler den von VIER PFOTEN aufgesetzten offenen Brief. Marken, die den Brief unterschrieben haben, sind entweder schon zertifiziert mulesing-frei oder verpflichten sich dazu und fordern die australische Wollindustrie auf, Mulesing zu beenden. Neben Zalando zählen dazu Brands wie Adidas, Marc O’Polo, Breuninger, BRAX, Waschbär oder Marc Cain. VIER PFOTEN will so viele Marken wie möglich dafür mobilisieren, sich öffentlich gegen Tierleid in der Produktion auszusprechen und ebenfalls entsprechende Prozesse in ihrem Unternehmen anzustossen. Es soll wirtschaftlicher Druck auf die australische Schafwoll-Industrie ausgeübt werden, damit diese das tierquälerische Mulesing beendet. Gleichzeitig sollen aussteigewillige Farmer unterstützt werden.

Hintergrund

Über 70 Prozent der weltweiten Merinowollproduktion und sogar 80 Prozent der beliebten feinen Merino-Wolle, die für die globale Fashion-Industrie verwendet werden, stammen aus Australien – weltweit das einzige Land, in dem noch Mulesing betrieben wird. Dabei werden wenigen Wochen alten Lämmern unter grossen Schmerzen und ohne Betäubung grosse Hautstreifen am Hinterteil herausgeschnitten – so soll der Befall von Schmeissfliegen verhindert werden. Längst gibt es Alternativen: Etwa Schafzüchtungen, die widerstandsfähiger gegenüber Parasiten sind als die überzüchteten Merino-Schafe. Eine Umstellung der Produktion von Mulesing zu mulesing-frei dauert mit der richtigen Schafzüchtung nur zwei bis fünf Jahre. Modemarken müssen der Schafwoll-Industrie klare Signale senden und ihre Absicht deutlich machen, in Zukunft nur noch zertifiziert mulesing-freie Wolle nachzufragen. Nur dann hat die Schafwoll-Industrie die wirtschaftliche Sicherheit, bei der Produktion auf Mulesing zu verzichten und mulesing-freie Wolle anzubieten. Deshalb ging der offene Brief an die Industrie. Aber auch Konsument:innen können tätig werden, indem sie bei Marken explizit nachfragen und sich beim Kauf von Kleidung an verlässlichen Zertifizierungen orientieren. Eine wichtige Rolle spielt auch die Politik, die die Möglichkeit hätte, Importverbote für mit dem Mulesing-Verfahren erzeugter Wolle zu erlassen. In der Schweiz hat die Grünen-Nationalrätin und bekannte Tierschützerin Meret Schneider Ende letzten Jahres eine Motion für ein solches Importverbot eingereicht. VIER PFOTEN hofft darauf, dass diese bald im Parlament traktandiert und von den Räten angenommen wird.

Hier geht es zur Absichtserklärung Brand Letter of Intent.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier, eine Petition gegen das Mulesing gibt es hier.

 

Quelle: VIER PFOTEN
Titelbild: © FOUR PAWS | Bente Stachowske

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