Kommen Sie gestresst aus dem Wochenende?

08.12.2014 |  Von  |  Allgemein
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Kommen Sie gestresst aus dem Wochenende?
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Freuen Sie sich nach einem Kurzurlaub wieder auf die Arbeit? Gehen Sie häufig am Feierabend leicht genervt nach Hause? Was bedeutet Ihnen am Freitag das bevorstehende Wochenende? Und warum sind manche Zeitgenossen lieber auf Arbeit statt zu Hause?

Die Antworten auf diese Fragen erscheinen ähnlich und auf den ersten Blick nicht recht wahrscheinlich zu sein. Bei genauerer Betrachtung entbehren sie jedoch weder eines realen Hintergrunds noch einer fundierten Grundlage. Viele Arbeitnehmer sind daheim mehr gestresst als auf Arbeit – und entsprechend wenig ausgeruht.



Heilloses Durcheinander oder klare Regeln?

Vom Stressfaktor Freizeit betroffen sind vor allem Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die zu Hause Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen. Hier geht die Arbeit nach der Arbeit weiter und für wirkliche Freizeit und die ganz individuellen Bedürfnisse bleibt kaum Zeit.

Während auf Arbeit klare Regeln dominieren und fast jeder ganz genau weiss, was er wann zu tun hat, herrscht in den eigenen vier Wänden oftmals ein mehr oder minder grosses Chaos. Die Bedürfnisse der Kinder lassen sich nicht im Voraus planen, der Partner hat wiederum eigene Wünsche und der Haushalt fordert neben dem persönlichen Einsatz eine Menge Zeit. Besonders belastend ist die Situation dann, wenn pflegebedürftige Personen mit im Haushalt leben und nach Feierabend noch einmal die komplette Aufmerksamkeit einfordern.

Unter einer solchen Konstellation fühlen sich die Beschäftigten meist mehr gestresst als auf Arbeit. Dort ist alles überschaubar, die Abläufe stehen im Wesentlichen fest und klare Aufgaben lassen sich in deutlich strukturiertem Rahmen gut und zielgerichtet erledigen. Eine solche organisierte Tätigkeit kommt ihnen mehr entgegen als das vermeintliche Durcheinander zu Hause. Nur Singles und aussergewöhnlich gut organisierte Familien empfinden das Zuhause weniger stressend als der durchschnittliche Beschäftigte.



Hohes Krisenpotenzial im Kurzurlaub

Der Stresspegel steigt im Kurzurlaub noch einmal kräftig an. Verlängerte Wochenenden und Ferien von etwa einer Woche Dauer offenbaren einen unentdeckten Krisenherd. Denn wenn man nicht auf Arbeit flüchten kann, entladen sich die Spannungen unter Umständen dann erst so richtig. Die Erwartungen an die Erholung, gemeinsame Erlebnisse und das unbeschwerte Zusammensein werden sehr schnell enttäuscht.

Der weniger organisierte Stress in der Familie bleibt nämlich auch im Kurzurlaub bestehen. Auch in den arbeitsfreien Zeiten fordern uns die umgebenden Menschen in ganzer Intensität und über den gesamten Tag hinweg. Sie bedürfen uns mit unserem eigenen persönlichen Einsatz. Die Flucht in die Arbeit ist ausgeschlossen, was nicht selten dazu führt, dass sich sogar Partner in solchen Zeiten neu entdecken – allerdings von der eher ungewohnten, fordernden Seite.

Für eine echte Klärung der Situation ergibt sich im Kurzurlaub oder an den knappen Wochenenden kaum Gelegenheit. Schliesslich bestand die Absicht, sich zu erholen und die Zeit irgendwie angenehm im Kreise der Familie zu verbringen. Stattdessen warten wieder Haushaltspflichten und die Bedürfnisse der anderen auf Ihr Engagement. Da bleibt nicht viel Platz für wahre Entspannung. In einem solchen Zusammenhang wird die Frei- zur echten Krisenzeit und viele sind deshalb froh, schon bald wieder auf Arbeit gehen zu können.

Lange Urlaube sind auch nicht die Lösung

Es ist kein Wunder, wenn sich unter solchem Aspekt dann viele auf den langen, mehrwöchigen Jahresurlaub freuen. Endlich einmal richtig ausspannen und nicht an den Stress auf Arbeit denken. Im Sommer in der Sonne liegen, im Winter Spass auf Skiern haben und ganz gelöst die Seele baumeln lassen. Auf diese Weise noch neue Eindrücke sammeln ist das, was sich die meisten Menschen wünschen. Aber auch ein Langurlaub hat seine Tücken. Die ersten Tage sind erst einmal vom Reisestress geprägt, in der Ausnahmesituation Urlaub kommen einem Partner wie Kinder plötzlich irgendwie fremd vor und erst nach ein paar Tagen stellt sich dann das ersehnte Urlaubsfeeling ein. Steht die Heimreise bevor, ist das aber auch schon wieder zu Ende, denn dann heisst es Koffer packen, noch schnell das eine oder andere Highlight aufsammeln – und schon denkt man wieder an zu Hause. Das nimmt natürlich dem Urlaubsspass die entspannende Wirkung. So kann der selbst ein längerer Urlaub nicht immer die passende Lösung sein.

Koffer packen nimmt dem Urlaubsspass manchmal ganz schnell wieder die entspannende Wirkung. (Bild: racorn / Shutterstock.com)

Koffer packen nimmt dem Urlaubsspass manchmal ganz schnell wieder die entspannende Wirkung. (Bild: racorn / Shutterstock.com)

Frauen sind häufiger vom häuslichen Stress betroffen



Betroffen vom Stress in den eigenen vier Wänden sind Frauen meist eher als Männer. Die noch immer vorherrschende geschlechterbezogene Aufgabentrennung im Haushalt und zunehmend mehr alleinerziehende Mütter sind Gründe dafür, dass sich weibliche Arbeitnehmer zu Hause gestresster fühlen als ihre männlichen Kollegen.



Viel Hausarbeit und auch so manche Meisterleistung in organisatorischer Hinsicht wird allein von den Frauen bewältigt. Dagegen halten sich nicht wenige arbeitende Männer lieber länger im Büro auf und punkten dort mit Überstunden, weil sie sich in der strukturierten Arbeitswelt wohler fühlen als im anspruchsvollen Umfeld zu Hause, welches sich nicht selten als heilloses Durcheinander präsentiert.

Was ist die Lösung?

Sie liegt ganz klar in der Organisation und Aufgabenverteilung innerhalb der Familie. Nur dann, wenn in den eigenen vier Wänden klare Strukturen und eine gerechte Aufgabenverteilung herrschen, lässt sich die Stressfalle Freizeit sinnvoll vermeiden. Dann nähert sich die häusliche Arbeit nämlich mehr den Gepflogenheiten der Lohnarbeit an, wird damit überschaubarer und ist weniger mit Überraschungen gespickt. Die lassen sich zwar auch dann nicht völlig ausschliessen, kommen aber weniger plötzlich. Und auch für daheim gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid! Eine klare Pflichtenteilung kann durchaus dazu beitragen, dass nach Feierabend für alle mehr Zeit für wirklich entspannende Erholung bleibt.




 

Oberstes Bild: © baranq – Shutterstock.com



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Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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