Flüssig oder fest – die richtige Seife für jeden Zweck

13.09.2020 |  Von  |  Handpflege, Hautpflege, News

Kernseife, Naturseife oder Feinseife – bei den Seifensorten gibt es verschiedene Unterschiede. Während die Feinseife vor allem zum Reinigen der Hände dient, eignet sich Kernseife auch zum Putzen.

Im folgenden Artikel erfahren Sie Wissenswertes rund um die verschiedenen Seifen.

Erste Seifen aus Asche und Ölen

Seife blickt auf eine lange Geschichte zurück. Einem Bericht des „Norddeutschen Rundfunks NDR“ zufolge verwendeten die Sumerer im heutigen Irak Seifen bereits vor etwa 4’500 Jahren. Die Seifen bestanden aus Pflanzenaschen und Ölen und wurden vor allem zum Heilen verwendet. Eine ähnliche Herstellungsweise gab es bei den Ägyptern, Griechen und Germanen. Im 2. Jahrhundert nach Christi nutzen die Römer die Seifen auch zur Reinigung des Körpers. Die Seife, die der heutigen ähnelt, wurde etwa im 7. Jahrhundert im arabischen Raum entdeckt. Die Menschen kochten die verschiedenen Inhaltsstoffe so lange, bis sie fest wurden und Seifenstücken entstanden. Enthalten waren vor allem Öle und alkalische Salze, zudem sorgte gebrannter Kalk für Festigkeit.

König Ludwig XIV. fördert die Seifenherstellung

Während des Mittelalters stand die Seife im Verdacht, an der Verbreitung der Pest beteiligt zu sein und so nutzen die Menschen statt Seife lieber Körperpuder. Erst Ludwig XIV. förderte die Seifenherstellung und erliess ein Reinheitsgebot, nach dem in einer Seife mindestens 72 Prozent reinen Öls enthalten sein sollten. Im Jahr 1791 entwickelte der Chemiker Nicolas Leblanc eine Möglichkeit, Soda- und Natriumsalz künstlich herzustellen, es startete eine Art Massenproduktion für das Hygieneprodukt.


Ende des 18. Jahrhunderts startet die Massenproduktion von Seife. (Bild: Kat Byrd I – shutterstock)


Kernseife – reine Seife für vielfältige Anwendungen

Kernseife ist frei von Zusatz- und Duftstoffen und damit bestens für Allergiker oder Menschen mit sehr empfindlicher Haut geeignet. Die Kernseife besteht aus Wasser, Tierfett, Natronlauge und Kochsalz. Im Gegensatz zu anderen Seifen ist die Kernseife sehr hart, da weniger Fett enthalten ist. Rückfettend wirkt diese Seife nicht, daher fühlt sich die Haut nach dem Waschen trocken an. Ideal ist Kernseife bei Akne, denn das überschüssige Fett wird durch die Seife deutlich reduziert. Sehr gut wirkt die Seife auch bei extrem fettenden Haaren.

Bei der Fusspflege unterstützt die Kernseife die Hornhautentfernung. Baden Sie Ihre Füsse in einer Lauge aus heissem Wasser und etwas Seife. Danach lässt sich die Hornhaut extrem leicht abrubbeln. Sehr gut hilft die Seifenlauge auch bei entzündeten Nagelbetten.

Zum Waschen ist die Kernseife ein Hit, in früheren Jahren wurde die Wäsche mit einem Stück Seife auf einem Waschbrett gereinigt. Heute nutzen wir zwar in aller Regel Waschpulver und Waschmaschine, sehr hartnäckigen Flecken können Sie aber vor dem Waschen sehr gut mit etwas Kernseife zu Leibe rücken. Besonders effektiv ist Gallseife zur Fleckenentfernung. Dabei handelt es sich um Kernseife mit Rindergalle.

Das Multitalent Kernseife eignet sich in der Küche ausgezeichnet zum Schrubben der Herdplatte. Lösen Sie etwas Seife in Wasser auf und entfernen damit starke Verschmutzungen. Ebenso strahlend schön wie der Herd werden Edelstahlflächen, die Sie mit etwas Kernseife reinigen.

Flüssigseife einfach selbst herstellen

Wenn Sie selbst Flüssigseife herstellen möchten, geht das mit etwas gehobelter Kernseife ganz einfach. Geben Sie die Seife mit Wasser zusammen in einen Topf und bringen alles zum Kochen. Dabei rühren Sie die Masse mit einem Schneebesen ständig um. Nach dem Aufkochen lassen Sie alles erkalten und rühren währenddessen einige Male um. Eingefüllt in einen Spender können Sie die Flüssigseife nun verwenden. Alternativ geben Sie etwas Öl und ätherische Öle hinzu und machen sich so ganz einfach das Duschgel selbst.


Flüssigseife können Sie einfach selbst herstellen. (Bild: Lopolo – shutterstock)


Naturseifen aus reinen Inhaltsstoffen

Naturseifen bestehen aus pflanzlichen Ölen, auf die Verwendung tierischer Fette wird bei der Herstellung dieser Seifen verzichtet. Die Pflanzenölseifen werden in aller Regel aus Oliven-, Raps- oder auch Kokosöl gefertigt. Darüber hinaus bereichern verschiedene Inhaltsstoffe wie Kakaobutter oder Tonerde diese Seifen.

Aleppo-Seife ist eine besondere aus Syrien stammende Naturseife. Die syrische Stadt Aleppo ist bekannt für die Seifenherstellung mit Lorbeeröl. Neben Lorbeeröl enthält die Aleppo-Seife zudem Olivenöl. Während das Lorbeeröl antibakteriell wirkt, versorgt das Olivenöl die Haut mit Vitamin E und Mineralstoffen. Wer unter sehr empfindlicher Haut leidet, sollte die Verwendung der Aleppo-Seife zunächst testen. Das Lorbeeröl kann Allergien auslösen.

Eine weitere sehr beliebte Naturseife ist Lavendelseife. Vor allem in der französischen Provence wird der zart duftende Lavendel, dem eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird, zur Seife verarbeitet. Sehr gut bei unreiner Haut oder Neurodermitis wirken Salz- oder Soleseifen. Diese Produkte zählen ebenfalls zu den Naturseifen. Die Salzseifen haben eine antibakterieller Wirkung und vermindern Entzündungen.

Feinseife perfekt zum Händewaschen

Feinseife ist die gängige Seifenform, mit der wir uns heute waschen. Diese Seifen werden häufig auch als Toiletten- oder Pflegeseifen seifen bezeichnet. Üblicherweise handelt es sich um Seifen, die mit pflegenden Zusätzen, Parfümen und Farbstoffen angereichert werden. Die Feinseifen nutzen wir zum Händewaschen, aber auch zur Körperpflege sind die Produkte geeignet. Den Seifen wird ein hoher Fettanteil zugesetzt, so dass sie eine rückfettende Wirkung haben und die Haut nicht austrocknen. Insbesondere Melkfett wird gern als Zusatz verwendet. Wer unter sehr trockener Haut leidet, sorgt mit einer Melkfettseife für Geschmeidigkeit und verhindert trockene und rissige Haut.


Feinseife ist gut zum Händewaschen geeignet. (Bild: Denklim – shutterstock)


Leimseife mit hohem Glycerinanteil

Bei der Seifenherstellung kommen zwei verschiedene Verfahren zum Einsatz: die Heissverseifung und die Kaltverseifung. Bei der Herstellung von Kernseife wird Hitze zugeführt. Im Gegensatz dazu werden Leimseifen im sogenannten Kaltrührverfahren hergestellt. Sehr häufig wird diese Technik bei Naturseifen angewendet. Die Temperatur während des Herstellungsprozesses liegt zwischen 40 und 70° Grad Celsius. Eine Aussalzung findet nicht statt, so dass das Glycerin in der Leimseife erhalten bleibt. Die Leimseifen sind daher besonders pflegend und feuchtigkeitsspendend.

Flüssige oder feste Seife?

Bleibt noch die Frage ob Flüssigseife oder feste Seife besser ist. Im Vergleich zu einer flüssigen Seife ist ein festes Seifenstück deutlich ergiebiger. Weniger Abfall fällt bei der Verwendung einer festen Seife ebenfalls an, denn in vielen Geschäften können Sie die Stücken inzwischen sogar unverpackt kaufen. In puncto Nachhaltigkeit liegt die feste Seife also vorn.   

Einem Bericht der Zeitschrift „Geo“ zufolge haben Forschungen im Jahr 1988 gezeigt, dass sich auf Seifenstücke mehr Mikroorganismen als in Flüssigseife befinden, dies aber keine hygienischen Probleme mit sich bringt. Nachdem die Testteilnehmer mit der festen Seife die Hände gewaschen hatten, waren keine Keime mehr nachzuweisen.

 

Titelbild: HUIZENG – shutterstock

Über Andrea Hauser

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen sowie Versicherungen zählen daher zu meinen Steckenpferden. Ich entdecke aber auch gern neue Themen abseits dieser „trockenen Materie“ und arbeite mich gern in neue Gebiete ein.


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