Chiasamen – Superfood oder übertriebener Hype?

22.07.2020 |  Von  |  News

Als Superfood sind Chiasamen derzeit in aller Munde. Die kleinen Körner sollen beim Abnehmen helfen und sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken.

Im folgenden Beitrag erfahren Sie, woher die Chiasamen eigentlich kommen, was die Körnchen so gesund macht und ob der Verzehr sich wirklich lohnt.

Die Geschichte der Chiasamen

Die Chiapflanze stammt ursprünglich aus Mexiko. Spanische Eroberer brachten die zur Gattung des Salbei gehörende Pflanze Salvia Hispanica nach Europa. In Südamerika dienten Samen der Chiafrüchte bereits um 3’000 vor Christi als beliebtes Nahrungsmittel. Schon bei den Azteken und den Maya waren die Samen beliebt. Der Name „Chia“ leitet sich aus der Nahuati Sprache, der Sprache der Azteken ab und steht für „Stärke und Kraft“.

Der indigene Volksstamm Tarahumara ist bekannt für seine Ausdauer beim Laufen und weiss die positive Wirkung der Samen schon seit Jahrhunderten zu schätzen. Eine Strecke von mehreren hundert Kilometern täglich bewältigen die Tarahumara in unwegsamen Gelände mühelos. Um den Wasserhaushalt aufzufüllen, trinken die Läufer Chia Freske oder Iskiate, in Wasser gelöste Chiasamen mit etwas Zitrone.

Währen die Chiasamen in Südamerika schon lange als Grundnahrungsmittel bekannt sind, wissen die Europäer die positiven Eigenschaften erst seit Anfang des neuen Jahrtausends zu schätzen. Innerhalb der EU wurden die Samen erst im Jahr 2009 als „neuartiges Lebensmittel“ zur Verwendung in Broterzeugnissen zugelassen. Erst seit 2013 gelten die Körner als eigenständiges Lebensmittel. Konsumenten, die Chiasamen unverarbeitet kaufen, müssen nach den Vorgaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA darauf hingewiesen werden, das eine Tagesdosis von maximal 15 Gramm nicht überschritten werden sollte. Die Menge entspricht etwa einem Esslöffel.


Blühende Chiapflanze. (Bild: The natures – shutterstock)


Die Inhaltsstoffe von Chiasamen

Die kleinen Körner schmecken recht neutral, so dass Sie bei Joghurt, in einem Smoothie oder auch einer Gemüsepfanne von der positiven Wirkung profitieren.

Der Grund, warum Chia als Powerfood gilt, sind die hochwertigen pflanzlichen Eiweisse, Ballaststoffe sowie wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Die Samen bestehen zu einem Anteil von 20 Prozent aus Proteinen, weitere 30 Prozent sind Fett und 40 Prozent Kohlehydrate.

Mit den Samen führen Sie dem Körper wichtige Fett- und Aminosäuren zu und decken den Bedarf an Vitamin E und Calcium. Auch Phosphor, Kalium, Zink und Kupfer kommt in den kleinen Körnern vor.  Die Samen haben einen sehr hohen Gehalt an Omega 3-Fettsäuren. Antioxidantien binden freie Radikale im menschlichen Körper und schützen damit unsere Zellen. Das Risiko bestimmter Erkrankungen sinkt durch die Aufnahme der Antioxidantien. In Chiasamen ist das Spurenelement Selen enthalten, das eine ausgezeichnete anoxidative Wirkung besitzt.

Die Wirkung von Chiasamen

Als Proteinquelle sind Chiasamen ideal für Veganer und Vegetarier. Nehmen Sie täglich 15 Gramm Chiasamen zu sich, decken Sie damit den gesamten Tagesbedarf an Calcium.

Die Samen stabilisieren den Blutzuckerspiegel und sorgen so für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl. Die Chiasamen quellen im Magen auf, so dass Sie zwischen den Mahlzeiten keinen Heisshunger mehr verspüren. Die Samen können das neunfache ihrer Masse an Flüssigkeit binden und sind damit perfekt als Unterstützung für eine Diät geeignet.

Treiben Sie viel Sport, helfen die Chiasamen aufgrund des Calcium- und Magnesiumgehalts, das Knochengerüst gesund zu halten. Nach langen Lauf- oder Trainingseinheiten unterstützen die Samen mit dem enthaltenen Eisen die Regeneration. Zudem sorgt das schnell verfügbare Eiweiss für einen guten Muskelaufbau, wenn Sie die Samen nach dem Training zu sich nehmen.

Für Ausdauersportler sind die Chiasamen perfekt, denn sie verbleiben lange im Magen und verlangsamen die Verstoffwechselung von Kohlehydraten. Während eines Langstreckenlaufs versorgen die Körner sie also ausgezeichnet mit Energie.

Forschungen zu der Wirkung der Chiasamen sind noch nicht abgeschlossen. Möglicherweise wirken die Körnchen blutverdünnend. Wer entsprechende Medikamente einnimmt oder an einer Blutgerinnungsstörung leidet, sollte die Chiasamen keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Arzt verzehren. Die „Apotheken-Umschau“ rät zudem, auch vor Operationen auf den Genuss der Samen zu verzichten.

Leinsamen ist übrigens eine gute Alternative zu den Chiasamen. Der Samen des Flachses ist regional verfügbar und muss nicht über weite Strecken nach Europa transportiert werden. In seiner Wirkungsweise ähnelt Leinsamen den Chiasamen.  Lediglich beim Kalorienvergleich schneidet der der Leinsamen schlechter ab: 100 Gramm haben etwa 534 Kalorien, während es bei den Chiasamen nur 486 kcal sind.



So verwenden Sie Chiasamen

Chiasamen lassen sich vielfältig verwenden. Durch den neutralen Geschmack können Sie die rohen Samenkörner eigentlich überall zusetzen. Mischen Sie die Samen in Müsli, einen Joghurt oder bereiten einen Smoothie mit dem Superfood zu. Auch in Pfannkuchen oder in Brot machen sich die schwarzen Körnchen gut.

Lange satt machen die Samen, wenn Sie mit Wasser, Soja-, Reis- oder Mandelmilch aufgegossen werden. Auch in Orangensaft können Sie die Chiasamen quellen lassen. Geniessen Sie ein Glas Saft mit den aufgequollenen Samen zum Frühstück, hält das bis zum Mittagessen satt. Oder Sie bereiten sich Iskiate nach dem alten Rezept der Tarahumara zu und weichen die Chiasamen zusammen mit Honig und Zitronensaft in Wasser ein. Es entsteht eine Art Gel, das Sie lange fit hält.


Energiereicher Iskiate-Drink. (Bild:Marcus Z-pics – shutterstock)


Im Trend liegt der Chiapudding – als Grundlage dient eine Mischung aus zwei Esslöffeln Chiasamen und 200 Millilitern Flüssigkeit. Ideal ist eine Mischung mit einer Pflanzenmilch Ihrer Wahl. Je nach Geschmack rühren Sie die Samen in die Flüssigkeit und lassen alles über Nacht im Kühlschrank quellen.Nun bereiten Sie ein Topping mit Himbeeren, Erdbeeren oder anderen Früchten Ihrer Wahl. Dazu pürieren Sie die Früchte mit dem Pürierstab und fügen einen Teelöffel Chiasamen hinzu. Lecker schmeckt der Chiapudding garniert mit Nüssen oder Trockenfrüchten.


Chiapudding mit Fruchttopping liegt im Trend. (Bild: AlenD – shutterstock)


Das mit einer Pflanzenmilch zubereitete Gel hält im Kühlschrank etwa zwei Tage. Wenn Sie einen grösseren Vorrat schaffen wollen, weichen Sie die Samen am besten in Wasser ein, die Mischung bleibt etwa eine Woche frisch.

Chiasamen – Superfood oder nicht?

Keine Frage, Chiasamen sind gesund und überzeugen mit vielfältigen positiven Wirkstoffen. Gerade  Vegetarier profitieren von den positiven Inhaltsstoffen. Ob es sich wirklich lohnt, Samen zu verzehren, die aus Südamerika importiert werden, muss jeder für sich entscheiden. Es gibt einige heimische Produkte wie Leinsamen, die dem Chiasamen sehr ähnlich sind, bevor sie verzehrt werden aber nicht einmal um die halbe Welt reisen. Diese Produkte sind aller Regel deutlich günstiger zu haben.

 

Titelbild: AnjelikaGr – shutterstock

Über Andrea Hauser

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen sowie Versicherungen zählen daher zu meinen Steckenpferden. Ich entdecke aber auch gern neue Themen abseits dieser „trockenen Materie“ und arbeite mich gern in neue Gebiete ein.


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