Make-up für Brillenträgerinnen: Farben, Formen und Techniken

Eine Brille verändert die Wirkung von Make-up stärker, als es auf den ersten Blick scheint. Fassung, Glasstärke und Brillenglas können Augen optisch vergrössern oder verkleinern, Schatten auf die Augenpartie werfen und bestimmte Farben stärker in den Vordergrund rücken. Ein stimmiger Look entsteht deshalb nicht durch möglichst kräftiges Augen-Make-up, sondern durch ein bewusstes Zusammenspiel von Brille, Brauen, Augen, Teint und Lippen.

Starre Schminkregeln sind dafür kaum sinnvoll. Eine markante schwarze Fassung kann sowohl mit einem reduzierten Nude-Look als auch mit kräftigem Lippenstift funktionieren. Wichtiger ist, welche Bereiche betont werden sollen und wie die Korrektionsgläser die Augen erscheinen lassen. Mit wenigen Anpassungen bei Lidschatten, Lidstrich, Mascara, Concealer und Farbbalance wird die Brille vom Hindernis zum festen Bestandteil des Looks.

Die Brille zuerst betrachten, danach das Make-up planen

Beim Schminken ohne Brille wird häufig vom Gesicht allein ausgegangen. Bei einem Brillenlook kommt jedoch ein zusätzliches Gestaltungselement hinzu: Die Fassung zieht Linien durch das Gesicht, bringt Farbe ein und setzt einen sichtbaren Rahmen um die Augen.

Breite dunkle Fassungen besitzen eine stärkere grafische Wirkung als sehr feine Metallgestelle oder transparente Rahmen. Ein kräftiger Lidstrich kann hinter einer massiven Fassung deshalb weniger auffallen, während er bei einer filigranen Brille sofort sichtbar wird.

Auch die Position spielt eine Rolle. Verläuft die obere Fassungslinie dicht an den Augenbrauen, stehen Brauen und Brille unmittelbar miteinander in Beziehung. Sitzt das Gestell tiefer, bleibt mehr sichtbarer Raum zwischen Braue und Rahmen.

Vor dem Schminken lohnt deshalb ein Blick mit aufgesetzter Brille. Welche Gesichtspartie fällt zuerst auf? Sind die Augen deutlich sichtbar oder dominiert die Fassung? Aus dieser Beobachtung lässt sich leichter entscheiden, wo Farbe und Kontrast sinnvoll eingesetzt werden.

Minusgläser lassen Augen häufig kleiner erscheinen

Brillengläser zur Korrektur stärkerer Kurzsichtigkeit können die Augen für das Gegenüber optisch verkleinern. Je nach Korrektionswert und Glasdesign ist dieser Effekt unterschiedlich stark.

Wer die Augen visuell öffnen möchte, kann mit helleren und mittleren Lidschattentönen arbeiten. Beige, Rosé, Taupe, helles Grau oder sanfte metallische Akzente reflektieren Licht und lassen die sichtbare Lidfläche offener erscheinen.

Ein sehr breiter schwarzer Lidstrich kann dagegen zusätzliche Fläche einnehmen. Feineres Braun, Anthrazit oder ein schmaler Liner entlang des oberen Wimpernkranzes wirkt häufig leichter.

Auch ein heller Akzent am inneren Augenwinkel kann den Blick öffnen. Dabei muss kein extremes Weiss verwendet werden; ein Farbton, der nur etwas heller als die übrige Augenpartie ist, wirkt oft natürlicher.



Plusgläser können Augen und Schminkdetails vergrössern

Bei Gläsern zur Korrektur von Weitsichtigkeit kann der gegenteilige Effekt auftreten. Die Augen wirken hinter stärkeren Plusgläsern vergrössert.

Damit werden zugleich kleine Unregelmässigkeiten beim Augen-Make-up deutlicher sichtbar. Ein sauberer Lidstrich und gut verblendete Übergänge gewinnen deshalb an Bedeutung.

Matte oder seidenmatte Lidschatten können hier besonders ruhig wirken. Taupe, Braun, Oliv, Grau oder gedämpfte Pflaumentöne schaffen Kontur, ohne zusätzlich starke Lichtreflexe zu erzeugen.

Das bedeutet keineswegs, dass glänzende Produkte verboten wären. Ein gezielt gesetzter Schimmer kann reizvoll aussehen. Bei stark vergrössernden Gläsern fällt er lediglich deutlicher auf als ohne Brille.

Für beide Glasarten gilt deshalb dasselbe Grundprinzip: Die Korrektionswirkung wird zuerst betrachtet und danach entschieden, ob sie optisch unterstützt oder ausgeglichen werden soll.


Die Nahaufnahme eines Auges hinter einem Brillenglas macht sichtbar, wie Glas, Reflexion und Fassung die Wahrnehmung der Augenpartie verändern können.

Lidstrich nach Fassung und sichtbarer Lidfläche auswählen

Die häufig zitierte Regel, ein breiter Brillenrahmen verlange automatisch einen breiten Lidstrich, greift zu kurz. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Augen-Make-up bei aufgesetzter Brille überhaupt sichtbar bleibt.

Bei kleinen Brillengläsern kann ein sehr breiter Liner einen grossen Teil des beweglichen Lids einnehmen. Bei grossen Fassungen steht dagegen mehr Fläche zur Verfügung.

Ein dünner Strich direkt am Wimpernansatz verdichtet den oberen Wimpernkranz optisch, ohne das Lid stark abzudunkeln. Für einen deutlicheren Abendlook kann die Linie nach aussen verbreitert werden.

Wichtig ist, das Ergebnis nicht ausschliesslich im Vergrösserungsspiegel zu beurteilen. Nach jedem grösseren Schritt sollte die Brille kurz aufgesetzt werden. Erst aus normaler Betrachtungsdistanz zeigt sich, wie stark der Lidstrich tatsächlich wahrgenommen wird.

Mascara so einsetzen, dass Wimpern und Gläser Platz behalten

Mascara kann Augen hinter einer Brille deutlich definieren. Besonders der obere Wimpernkranz erhält dadurch mehr Kontrast.

Sehr lange oder stark nach vorne gerichtete Wimpern können jedoch die Brillengläser berühren. Das ist unangenehm und kann Spuren auf den Gläsern hinterlassen. In solchen Fällen ist ein sauberer Schwung häufig hilfreicher als immer weitere Mascara-Schichten.

Der Schwerpunkt kann stärker am Wimpernansatz liegen, während die Spitzen leichter bleiben. Das erzeugt Definition, ohne unnötig viel Länge aufzubauen.

Wer Wimpernlifting oder Extensions als Alternative erwägt, findet im belmedia-Beitrag zu Wimpernlifting, Extensions und den jeweiligen Anforderungen an Pflege und Augengesundheit eine ausführliche Einordnung.

Bei gereizten Augen, Rötungen oder Beschwerden sollte kosmetisches Nachbessern pausieren. Die empfindliche Augenpartie ist kein geeigneter Ort, um ein unverträgliches Produkt durch häufigeres Auftragen „einzuarbeiten“.


Mascara wird gezielt am oberen Wimpernkranz aufgetragen. Hinter einer Brille können definierte Wimpern die Augen betonen, ohne dass dafür zahlreiche kräftige Farbschichten notwendig sind.

Augenbrauen verbinden Brille und Gesicht

Augenbrauen bestimmen den Gesichtsausdruck unabhängig von der Brille. Mit einer Fassung erhalten sie jedoch einen unmittelbaren grafischen Nachbarn.

Besonders harmonisch wirkt das Gesamtbild, wenn Brauen und obere Rahmenlinie nicht miteinander konkurrieren. Die Brauen müssen deshalb keineswegs exakt der Brillenform folgen. Eine runde Fassung verlangt keine runden Brauen und ein kantiges Gestell keine geraden Linien.

Sinnvoller ist es, die natürliche Brauenform zu erhalten und Lücken gezielt aufzufüllen. Zu harte, vollständig ausgemalte Konturen können gemeinsam mit einem dunklen Rahmen schnell sehr dominant wirken.

Bei hellen oder transparenten Fassungen darf die Braue dagegen mehr Definition übernehmen. Ein feiner Stift, Puder oder getöntes Gel kann einzelne Bereiche ergänzen, ohne die Haarstruktur vollständig zu verdecken.

Der Blick mit aufgesetzter Brille bleibt auch hier der beste Test: Braue und Rahmen sollten gemeinsam funktionieren, ohne optisch zu einer einzigen schweren Linie zu verschmelzen.

Concealer kann Brillenschatten optisch ausgleichen

Eine Fassung kann je nach Form und Lichteinfall Schatten unter den Augen oder seitlich des Nasenstegs erzeugen. Dadurch kann die Augenpartie müder erscheinen, obwohl die Haut selbst kaum verfärbt ist.

Concealer sollte deshalb gezielt eingesetzt werden. Eine sehr dicke helle Schicht unter dem gesamten Auge kann hinter Brillengläsern stärker auffallen als ohne Brille.

Besser ist eine kleine Menge dort, wo tatsächlich Schatten oder Verfärbungen sichtbar sind. Farbe und Unterton müssen zur jeweiligen Partie passen.

Der belmedia-Ratgeber über Concealer für Augenringe, Rötungen und einzelne Unreinheiten erklärt, weshalb Produkte unter den Augen anders gewählt und aufgetragen werden als auf anderen Gesichtspartien.

Auch direkt am Nasensteg ist Zurückhaltung hilfreich. Dort liegen Fassung oder Nasenpads auf der Haut, sodass dicke Foundation- und Puderschichten leichter verschoben werden können.


Eine Frau betrachtet ihre Augenbrauen im Spiegel. Brauen und obere Brillenlinie stehen optisch eng miteinander in Beziehung und sollten deshalb als gemeinsamer Teil des Looks betrachtet werden.

Am Nasensteg lieber dünne als viele Produktschichten verwenden

Eine der praktischsten Herausforderungen beim Make-up mit Brille sind Abdrücke auf Nase und Wangen.

Die Lösung besteht selten darin, immer mehr Puder aufzutragen. Zu viele Schichten können sich unter dem Rahmen sammeln und beim Abnehmen der Brille umso sichtbarer werden.

Foundation wird in diesen Bereichen besser dünn verarbeitet. Bei Bedarf kann eine kleine Menge Puder überschüssigen Glanz reduzieren und die Oberfläche trockener halten.

Auch die Passform der Brille spielt eine Rolle. Wenn Nasenpads stark drücken oder die Fassung ständig rutscht, kann Make-up das mechanische Problem nicht lösen. Dann ist eine Anpassung beim Augenoptiker sinnvoller als ein weiteres Fixierprodukt.

Brillenfarbe und Lidschatten müssen nicht identisch sein

Eine rote Fassung verlangt keinen roten Lidschatten und eine blaue Brille keinen exakt passenden Blauton.

Häufig wirkt es spannender, mit verwandten Farbfamilien oder bewussten Kontrasten zu arbeiten. Eine grüne Fassung kann beispielsweise mit warmem Taupe, Bronze oder Pflaume kombiniert werden. Zu einem Schildpattmuster passen zahlreiche warme Braun-, Gold- und Olivtöne.

Bei auffälligen Fassungen kann auch ein sehr ruhiges Augen-Make-up überzeugend sein. Die Brille übernimmt dann bereits einen grossen Teil der Farbwirkung.

Filigrane Gestelle bieten umgekehrt mehr Raum für kräftige Lidschatten oder grafischen Liner.

Ob warme und kühle Farben gemischt werden, ist eine Stilentscheidung und kein Fehler. Wichtig ist, dass ein Element die Führung übernimmt und nicht Fassung, Augen, Rouge und Lippen gleichzeitig um Aufmerksamkeit konkurrieren.

Markante Lippen können den Blick im Gesicht ausbalancieren

Eine kräftige Brille lenkt den Fokus in die obere Gesichtshälfte. Lippenfarbe kann diesen Schwerpunkt ausgleichen.

Rot, Beere, Koralle oder ein kräftiges Rosa funktionieren besonders gut, wenn das Augen-Make-up bewusst reduziert bleibt. Ein solcher Look benötigt oft nur definierten Wimpernkranz, geordnete Brauen und einen gleichmässigen Teint.

Umgekehrt können intensive Smokey Eyes hinter einer markanten Brille mit einem ruhigeren Lippenfarbton kombiniert werden.

Das ist keine zwingende Entweder-oder-Regel. Für Abend- oder Editorial-Looks dürfen Augen, Fassung und Lippen selbstverständlich gleichzeitig stark sein. Im Alltag entsteht jedoch häufig mehr Klarheit, wenn ein oder zwei Schwerpunkte gewählt werden.


Transparente Brillenfassung und kräftiger Lippenstift bilden einen klaren Farbkontrast. Ein markantes Lippen-Make-up kann die optische Betonung durch die Brille im Gesicht ausbalancieren.

Ohne Brille schminken verlangt eine praktische Arbeitsplatzlösung

Wer ohne Korrektionsbrille im Nahbereich schlecht sieht, kennt ein ganz praktisches Problem: Für präzisen Lidstrich muss das Gesicht sehr nah an den Spiegel.

Ein gut beleuchteter Tisch- oder Wandspiegel kann die Arbeit erleichtern. Vergrösserung ist für Details hilfreich, sollte aber nicht die einzige Kontrolle bleiben. Im starken Vergrösserungsspiegel wirkt jede Linie massiver und jede kleine Unregelmässigkeit bedeutender als aus normaler Distanz.

Deshalb lohnt ein Wechsel zwischen Nahkontrolle und Gesamtbild. Nach Lidschatten, Lidstrich oder Brauenkorrektur wird die Brille aufgesetzt und der Look aus normaler Entfernung beurteilt.

Gutes, möglichst gleichmässiges Licht ist dabei wichtiger als sehr hohe Helligkeit. Starkes Licht nur von oben erzeugt Schatten und kann die Farbbeurteilung verfälschen.

Tages- und Abendlook können mit derselben Grundlage entstehen

Ein Brillen-Make-up muss morgens nicht völlig anders aufgebaut werden als am Abend.

Für den Alltag reichen häufig ein ausgeglichener Teint, etwas Concealer, definierte Brauen, Mascara und eine leichte Lippenfarbe. Die Brille übernimmt bereits einen Teil der Gestaltung.

Am Abend lässt sich derselbe Look erweitern. Ein tieferer Lidschattenton am äusseren Augenwinkel, ein präziserer Lidstrich oder eine kräftigere Lippenfarbe verändern die Wirkung, ohne dass alles neu aufgebaut werden muss.

Gerade bei auffälligen Fassungen ist diese schrittweise Intensivierung praktisch. So bleibt sichtbar, wann die gewünschte Balance erreicht ist.



Das deutschsprachige Video „Augen schminken mit Brille: Make-Up für Brillenträger“ von COSLINE Cosmetics zeigt als direkt passendes Hauptthema, wie Augen-Make-up, Kajal, Mascara und weitere Akzente auf die Wirkung einer Brille abgestimmt werden können.


Die Brille gehört zum Make-up-Look und muss nicht versteckt werden

Make-up für Menschen mit Brille funktioniert am besten, wenn die Fassung nicht als störendes Objekt behandelt wird. Sie ist bereits eine sichtbare Form und häufig auch eine Farbe im Gesicht.

Minus- und Plusgläser können die wahrgenommene Augengrösse verändern. Fassung und Nasensteg beeinflussen Linien, Schatten und die Stellen, an denen Make-up mechanisch belastet wird. Daraus ergeben sich praktische Anpassungen bei Lidschatten, Liner, Mascara und Teint.

Darüber hinaus bleibt Gestaltung persönlich. Helle Augenfarben hinter Minusgläsern sind eine Möglichkeit, aber keine Pflicht. Ebenso können starke Plusgläser mit einem dramatischen Look kombiniert werden, wenn genau dieser Effekt gewünscht ist.

Entscheidend ist der Blick auf das Gesamtbild. Brauen, Augen, Fassung und Lippen sollten nicht isoliert geschminkt werden, sondern miteinander reagieren. Dann entsteht ein Look, bei dem die Brille weder verborgen noch überkompensiert werden muss – sie wird selbstverständlich Teil der Gestaltung.

 

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