Zucker – weniger ist mehr

04.02.2015 |  Von  |  Ernährung
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Zucker – weniger ist mehr
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Fast jeder Mensch liebt den Genuss von Zucker. Vom ersten Tag unseres Lebens an lernen wir, dass Süsses tröstet, beruhigt und uns das Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Und wann immer wir im Laufe unseres Lebens ein Stück samtweicher Schokolade auf unserer Zunge zergehen lassen, scheint ein kleiner Strahl dieses Gefühls aus Kindertagen unsere Seele zu wärmen.

Und weil das so schön ist, bleiben wir stets anfällig gegenüber dem Drang, dieses Gefühl öfter und kräftiger spüren zu wollen.

Die alten Römer süssten ihre Getränke in Ermangelung zufriedenstellender Alternativen mit giftigem Bleiacetat, dem sogenannten Bleizucker. Sie hätten auch Honig verwenden können, doch der hatte, wie auch heute noch, einen wahrnehmbaren Eigengeschmack und war weniger süss.

Die Angewohnheit, sich regelmässig Gift in den Wein zu kippen, war – wissenschaftlichen Thesen zufolge – mitverantwortlich für den Untergang Roms. „Die Menschen werden krank, weil sie aus Torheit alles tun, um nicht gesund zu bleiben“, wusste schon der griechische Arzt Hippokrates ca. 400 Jahre vor Christus. Heute sind wir viel schlauer. Heute essen wir raffinierten Zucker.

Zucker, der durch mehr oder minder aufwändige Prozesse aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr extrahiert wird, weist je nach Verarbeitungsintensität einen sehr hohen Kohlehydratanteil auf; bei Raffinade, dem Maximum an Verarbeitungsmöglichkeit, sind das 100%. So liegt uns ein reinweisser, seiner Vitalstoffe beraubter leerer Kalorienträger vor. Perfekt, um in kürzester Zeit einen grossen Energiebedarf zu decken, beispielsweise bei schwerer, körperlicher Arbeit oder Spitzenleistungen im Sport.

In der Realität laufen wir aber eher selten einen Marathon, und die meisten von uns arbeiten wahrscheinlich in Büros statt unter Tage. Das führt dazu, dass wir die von uns aufgenommene Energie nicht abgeben, sondern in Form von Fett speichern, dass wir unseren Insulinspender, die Bauchspeicheldrüse, bis an ihre Leistungsgrenze fordern, übergewichtig oder sogar adipös werden, uns nachfolgend mit Erkrankungen wie Gicht, Karies, Arthrose, koronaren Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Krebs, Diabetes II und vielem mehr herumplagen müssen.

Wir würden gut daran tun, unseren Zuckerkonsum drastisch einzuschränken, die Talfahrt zu stoppen und unseren Kindern ein Vorbild zu werden, damit es uns nicht ergeht wie den Alten Römern, deren sorglose Völlerei wir heute belächeln und denen wir doch so ähnlich sind.

In den Jahren 2013/14 lag der Pro-Kopf-Verbrauch an Haushaltszucker in Deutschland bei 38kg pro Jahr. Dies entspricht dem Vierfachen dessen, was die WHO als Jahresverbrauch empfiehlt, nämlich 9,1kg. In der Schweiz gar schlug man den Empfehlungswert der WHO mit 46,5kg pro Kopf und Jahr um ein Fünffaches.


Zucker wirkt eben doch wie eine Droge. (Bild: © Urheber - shutterstock.com)

Zucker wirkt eben doch wie eine Droge. (Bild: © Urheber – shutterstock.com)


Es scheint kaum vorstellbar, dass die Schweizer und die Deutschen besonders taub für die mahnenden Worte der Wissenschaftler, Ärzte und Krankenkassen sind. Und tatsächlich liegt der Anteil des Zuckers, den wir selbst zum bewussten Süssen unserer Speisen und Getränke benutzen, auch nur bei 15%. Fast 83% findet als sogenannter Verarbeitungszucker den Weg in unsere Haushalte, wird uns also von der Nahrungsmittelindustrie entweder ganz offen oder nicht selten auch klammheimlich untergejubelt.

Warum lassen wir uns das eigentlich gefallen? Warum ignorieren wir, was wir wissen und wollen, und konsumieren so viel von dem, was uns im Übermass so krank macht? Die Ursache könnte darin liegen, dass Zucker eben doch wie eine Droge wirkt. Dem ständigen Teufelskreis von Über- und Unterzuckerung, der durch ein Zusammenspiel von einer zu mächtigen Zuckerzufuhr und dem verhältnismässig trägen Hormon Insulin entsteht, kann man nur mit Strategie und Willensstärke entrinnen.

Wir müssen unsere Intelligenz, unsere Kritikfähigkeit und unsere Instinkte nutzen, um zu verstehen, dass wir bedingt durch ein ständiges Überangebot an Süssem längst verlernt haben, wirklich zu geniessen, und dass es an der Zeit ist, uns genau diese Fähigkeit zurückzuerobern. Denn Süsse ist mehr als das Zerschmelzen von Kristallzucker auf der Zunge, es ist ein sinnliches, Zufriedenheit spendendes und komplexes Erleben und Fühlen, das natürliche, unverarbeitete Süssungsmittel viel besser auslösen können. Versprochen.

Es gibt einen einfachen und vielleicht sogar einzigen Weg, der Zuckersucht zu entkommen – den kalten Entzug. Sich ihm zu stellen, ist eine intensive und positive Erfahrung, die sehr nachhaltig sein kann. Den folgenden Punkten zu folgen, kann dir dabei helfen, den Entzug nicht nur durchzustehen, sondern als das zu empfinden, was er ist: eine Befreiung!

  1. Mach dir klar, dass du dabei bist, dir etwas Gutes zu tun. Dein Körper braucht keinen separat zugeführten Zucker. Er ist dafür gebaut, sich die notwendige Menge aus den komplexen Kohlehydraten, die du ihm in Form von gesunder Nahrung wie Obst und Gemüse anbietest, selbst zu bilden. Er wird dir dankbar sein, wenn du ihm die Last der Zusatzaufgaben nimmst, du wirst dich bedeutend vitaler ohne die tägliche Zuckerkeule fühlen.
  2. Definiere einen Zeitraum, in dem du jeglichen, industriell verarbeiteten Zucker meidest, ausnahmslos. Zehn Tage sollten es mindestens sein. Stelle dich ganz bewusst der Herausforderung und teile sie auch denjenigen mit, die dir nahe stehen, damit sie dich unterstützen.
  3. Lerne die verschiedenen Namen des Zuckers. So läufst du nicht Gefahr, dass deine Challenge von cleveren Marketingstrategen unterlaufen wirst. Auf der sicheren Seite befindest du dich, wenn du ganz auf industriell hergestellte Nahrung verzichtest, da das aber manchmal viel schwieriger ist als es sich liest, bekommst du hier eine Übersicht aller blumigen Umschreibungen für denaturierten Zucker: medizinfo.de
  4. Kaufe bewusst ein. Prüfe industriell verarbeitete Nahrungsmittel auf Zucker, achte auf Fallstricke. Bevorzuge natürliche Süsse aus Obst, Gemüse, Getreide. Obwohl du es vielleicht in den ersten Tagen noch nicht wahrnimmst, eine Banane süsst ein ansonsten ungesüsstes Müsli vollkommen ausreichend. Zur Not verwende getrocknetes Obst. Datteln süssen sehr intensiv und eignen sich klein geschreddert auch zum Backen.
  5. Rechne mit ein paar Tagen richtig schlechter Laune. Das sind Entzugserscheinungen. Hast du die überwunden, fühlst du dich besser denn je und erfreust deine Mitmenschen mit deiner guten Laune.
  6. Nutze unter gar keinen Umständen künstliche Süssungsmittel. Abgesehen von allen Risiken verwehrt dir der Gebrauch von Süssstoff den tollen Effekt, den du erreichen willst. Stevia und kleine Mengen Honig sind natürlich erlaubt.


Es gibt eine gute Nachricht: Hast du dich von einem Übermass an Zucker entwöhnt, sollte der Genuss von Süssem mit ein wenig Selbstkontrolle fortan kein Risiko des Rückfalls für dich darstellen. Gönn dir, was du liebst. Der Genuss wird nun um ein Vielfaches intensiver sein.

 

Oberstes Bild: © StockLite – shutterstock.com

Über Annett Rauch

Ich bin Annett, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Ich liebe die gesunde vegane Küche und berichte leidenschaftlich gern davon in meinem kleinen Blog wenigerbinichmehr.wordpress.com


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