Wie ökologisch unbedenklich und nachhaltig ist Naturkosmetik?

28.08.2014 |  Von  |  Allgemein
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Wie ökologisch unbedenklich und nachhaltig ist Naturkosmetik?
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Die stetig wachsende Zahl allergischer Reaktionen und die zunehmende Anfälligkeit für echte Allergien veranlassen viele Schweizer, zu Naturprodukten zu greifen. Auch bei Kosmetik achten immer mehr Personen darauf, dass sie ökologisch hergestellt ist und keine schädigenden Inhaltsstoffe enthält. Doch wie natürlich sind als „Naturkosmetik“ ausgewiesene Produkte wirklich?

Die Rückbesinnung auf ein nachhaltig geführtes Leben wirkt sich nicht nur auf biologisch erzeugte Lebensmittel und ökologisch korrekt gewonnenen Strom oder Treibstoff aus, sondern auch auf den Umsatz von Körperpflege-Produkten und Make-up, die möglichst viel Natur enthalten: Nach Angaben der Hersteller und Verkäufer von Naturkosmetik haben sich die Einnahmen 2013 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 12 % gesteigert.



Diese erfreuliche Tatsache wirft die Frage auf, welche Vorzüge natürlich hergestellte Kosmetik bietet und was genau die Verbraucher an ihr derart reizt. Die Antwort auf den zweiten Teil der Frage lautet: nichts! Oder besser gesagt: hoffentlich nichts! Denn die Käufer bzw. Anwender von Naturkosmetik verfolgen das primäre Ziel, ihre Haut mit so wenigen Chemikalien wie möglich in Berührung zu bringen.

Um das zu erreichen, achten immer mehr Kunden darauf, dass ihre Kosmetik auch wirklich „ökologisch“, „biologisch“ oder eben „ganz natürlich“ und frei von bedenklichen Inhaltsstoffen ist. Weil viele Hersteller das erkannt haben, wenden sie bei ihren Produkten den sogenannten „Ohne-Trick“ an – d. h. sie werben auf der Verpackung damit, was in der von ihnen angebotenen Kosmetik NICHT enthalten ist.

Dazu gehören neben den schon hinlänglich bekannten Duft- und Konservierungsstoffen auch zahlreiche auf Erdöl basierende Rohstoffe wie Tenside oder Emulgatoren. Während die einen im dringenden Verdacht stehen, sich im Körper abzulagern, eilt den anderen der Ruf voraus, die Haut trocken und spröde zu machen. Da fehlende Inhaltsstoffe jedoch ein zufriedenstellendes Ergebnis missen lassen, müssen sie durch andere Wirkstoffe ersetzt werden. Bei als „natürlich“ ausgewiesener Kosmetik werden sie in der Regel durch pflanzliche Beigaben ersetzt.

Nur: Wie viele davon in Kosmetik enthalten sein müssen, damit sie als Naturkosmetik gehandelt werden darf, ist nicht vorgeschrieben. Der Begriff geniesst nämlich keinen gesetzlichen Schutz. Aus diesem Grund sind im Handel zahlreiche „Natur“-Produkte erhältlich, die nur sehr wenige oder kaum pflanzliche Wirkstoffe aufweisen.



Für Verbraucher erhöht sich damit die Gefahr, Kosmetik zu erwerben, die gar nicht so natürlich und verträglich ist, wie sie sich darstellt – und folglich doch zu Hautreaktionen wie Rötungen, Juckreiz, Ekzemen u. ä. führt oder das Ausbilden einer Allergie begünstigt. Dieser Umstand macht es nötig, nach Anhaltspunkten zu suchen, durch die sich echte Naturkosmetik von falscher unterscheidet.



Einer davon sind Siegel, mit denen Hersteller ihre Produkte nur dann kennzeichnen dürfen, wenn deren Inhaltsstoffe dem jeweils ausgewiesenen Konzept zu 100 % gerecht werden. So zertifiziert der „Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel“ (BDIH) ausschliesslich Rohstoffe, die so weit wie möglich aus kontrolliertem Anbau stammen und damit ökologisch einwandfrei sind. Vom BDIH ausgezeichnete Naturkosmetik darf zwar auch Zusätze enthalten, muss dann aber entsprechend gekennzeichnet sein – selbst für den Fall, dass es sich hierbei um naturidentische Stoffe handelt.



Weitere bekannte Siegel, an denen Verbraucher sich orientieren können, sind „ohne Palmöl“ oder „vegan“. Bei der Herstellung entsprechend ausgezeichneter Produkte wird auf die Verwendung bestimmter Rohstoffe bzw. auf den Einsatz von Tieren und tierischer Erzeugnisse verzichtet – was zum einen vor übermässiger Abholzung des Regenwaldes, zum anderen vor Tierversuchen schützt.

Auch durch die Wahl bestimmter Labels haben Käufer eine ausreichende Garantie dafür, dass die darunter gehandelte Kosmetik ganz und gar natürlich ist. Marken wie Lucia Cosmetic, SANMAR, Lavera, Logona oder Weleda verarbeiten seit Jahrzehnten ausschliesslich pflanzliche Wirkstoffe, die nachhaltig gewonnen wurden und ökologisch unbedenklich sind.

Die so geprüfte und prüfbare Naturkosmetik bietet Verbrauchern einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber sonstigen Körperpflege- oder Make-up-Artikeln: Aufgrund ihrer biologisch kontrollierten Zusammensetzung enthält sie statt künstlich erzeugter Einzelvitamine stets ganze Vitamin-Kombinationen – welche die Haut bzw. der Körper wesentlich besser aufnehmen kann als die im Labor hergestellten Pendants.

Als diesbezüglich besonders effektiv gelten Wirkstoffe von Pflanzen, die bereits von Natur aus über einen eigenen Schutzmechanismus gegen den Einfluss von Bakterien, freien Radikalen oder Sonneneinstrahlung verfügen. Zu den bekanntesten Vertretern für natürlich wirksame Gewächse zählen Ringelblume, Arnika, Aloe vera und Karotten.

Zu den bekanntesten Vertretern für natürlich wirksame Gewächse zählen Ringelblume, Arnika, Aloe vera und Karotten. (Bild: tale / Shutterstock.com)

Zu den bekanntesten Vertretern für natürlich wirksame Gewächse zählen Ringelblume, Arnika, Aloe vera und Karotten. (Bild: tale / Shutterstock.com)

Doch auch – oder gerade – in dieser Hinsicht ist Naturkosmetik nicht ganz unbedenklich: Nach Aussage erfahrener Dermatologen bergen selbst natürliche Pflanzenwirkstoffe ein gewisses Risiko. Und zwar ausgerechnet für diejenigen, die sich durch besondere Inhaltsstoffe schützen wollen: Personen mit einer auf Pflanzen ausgerichteten Allergie müssen bei der Wahl von Naturkosmetik noch umsichtiger vorgehen als alle anderen, denn bei ihnen können selbst auf ökologischem Weg gewonnene Wirkstoffe zu unerwünschten Reaktionen führen. Eines der wohl berühmtesten Beispiele für natürlich (un-)wirksame Inhaltsstoffe ist die Überempfindlichkeit gegenüber säurehaltigen Früchten wie Orangen, Zitronen oder Ananas.



 

Oberstes Bild: © Floydine – Shutterstock.com

Über Christiane Dietering

Christiane Dietering hat eine handwerkliche, zwei kaufmännische und eine Autoren-Ausbildung absolviert. Sie arbeitet als freie Texterin, Rezensentin und Journalistin in den Themenbereichen Kunst und Kultur. Ihre Hauptauftraggeber sind Veranstalter von Musikaufführungen, Lesebühnen und Erotik-Events.


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