Schmale Taille um jeden Preis? Gesundheitsrisiko Waist-Training und Korsett

03.06.2015 |  Von  |  Figur
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Schmale Taille um jeden Preis? Gesundheitsrisiko Waist-Training und Korsett
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Frauen eingeschnürt in enge Korsetts, kurzatmig und bei jeder Aufregung dem Dahinschwinden nahe: Das ordnete ich als moderne Frau immer einer altertümlichen, längst vergangenen Phase der Modegeschichte zu.

Doch jetzt ist die Sanduhrfigur mit schmaler Taille wieder gefragt, und was sich manche Frauen dafür wissentlich oder unwissentlich antun, ist wirklich fragwürdig.

Das Frauenbild hat sich verändert, eine emanzipierte Frau lässt sich nicht unter Qualen und Gesundheitsrisiken in eine vorgefertigte Schablone pressen. Richtig, Frauen lassen sich nicht von anderen in ein Korsett zwängen, manche machen es neuerdings aber gerne selbst. Dem Trend mit der schmalen Taille liegt eigentlich eine sehr positive Entwicklung des Schönheitsideals vieler Frauen zugrunde. Stars wie Beyoncé, Kim Kardashian West und Nicki Minaj machen es vor: Die Sanduhrfigur darf jetzt ruhig üppig ausgestattet sein.


Kim Kardashian (Bild: s_bukley – shutterstock.com)

Kim Kardashian (Bild: s_bukley – shutterstock.com)


Die Kurven sind zurück!

Während im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends Jennifer Lopez mit ihrem betont kurvigen Hintern noch allein zwischen Stars und Models ohne jedes Gramm Körperfett herumtanzte, sind extrem weibliche Formen jetzt längst wieder in. Die Hüften dürfen wieder breiter, der Hintern grösser und die Brüste fülliger sein. Um die Sanduhrfigur perfekt zu machen, wünschen sich viele Frauen eine schöne schmale Taille, genau wie die Vorbilder es jeden Tag auf Instagram und in den Klatschmagazinen zeigen.

Und hier fangen die Probleme an. Während sich runde Formen an Hüften und Po bis zu einem gewissen Grad mit gezieltem Training und einem lockeren Umgang mit der Kalorientabelle erreichen lassen, ist der Taillenumfang zu einem grossen Teil genetisch bedingt.

Die schmale Taille ist genetisch bedingt

Bei der einen Frau wachsen Taille und Bauch mit jedem neuen Gramm Fett, bei der anderen lagert sich alles an den Hüften ab, bei der nächsten am Busen, den Armen oder den Schenkeln. Wer sich einen Personal Trainer, Privatköche, Diätberater und ab und zu eine kleine Fettabsaugung nicht leisten kann, ist mal wieder aussen vor. Oder doch nicht? Das Zaubermittel heisst Waist-Training, zu Deutsch Taillentraining, kostet nicht viel und macht nur ganz wenig Aufwand. Sichtlich schlankere Taille in wenigen Wochen bei gleichbleibendem – oder nicht vorhandenem – Ernährungs- und Sportprogramm. Bei diesen wohlklingenden Versprechen wird es Zeit, misstrauisch zu werden, denn es gibt natürlich einen Haken: Es ist langfristig und nachhaltig sehr ungesund!

Auf verschiedenen Internetseiten, Blogs sowie auf YouTube und Instagram werden Korsagen, Waist-Trainer und Methoden vorgestellt, ohne auf die Gesundheitsrisiken hinzuweisen. Vorher-nachher-Bilder verleiten zum blinden Nachahmen. Zu den Gesundheitsrisiken später mehr, das beste Argument dagegen soll an erster Stelle stehen: Bis man erste Ergebnisse sieht, dauert es drei Monate, bis auch für andere ein Unterschied sichtbar ist, etwa sechs Monate. Hört man mit dem Training auf, dehnt sich die Taille bald in die ursprüngliche Form zurück. Selbst eingefleischte Couch-Potatos schaffen mit leichtem Training schnellere, dauerhaftere und effektivere Ergebnisse.


Der elastische Taillenformer für den Alltag (Bild: © Venus Angel – shutterstock.com)

Der elastische Taillenformer für den Alltag (Bild: © Venus Angel – shutterstock.com)


Gefahr beim Corset-Training nicht auf die leichte Schulter nehmen

In vielen Anleitungen wird die Gefahr damit abgetan, dass es ja nicht darum gehe, eine Wespentaille zu bekommen, sondern nur um etwas weniger Umfang und eine schöne Form. Doch Fettgewebe, innere Organe und Muskeln lassen sich nicht ohne Weiteres in Formen pressen, ganz gleich, wie „wenig“ man seinem Körper abverlangen möchte. Auch der Hinweis, dass es medizinische Korsetts gebe, die von Ärzten verschrieben werden, fällt von Verfechterinnen der Methode immer wieder. In diesen Fällen leiden Menschen unter spezifischen Rückenproblemen, gegen die ein individuell gefertigtes, medizinisches Korsett unter ärztlicher Aufsicht und in Begleitung von Physiotherapeuten helfen kann. Damit, sich in Eigenregie mit einem Korsett aus dem Internet eine schmalere Taille zu zaubern, hat das medizinische Verfahren absolut nichts zu tun.

Was passiert beim Waist-Training im Körper?

Um es kurz zu machen, mit Waist-Traing macht man viel kaputt und nichts besser.

Die Liste gibt einen kurzen Überblick, im Folgenden gehe ich noch näher auf die schlimmsten Risiken ein:

  • Muskelschwund und dadurch Rückenprobleme
  • Kreislaufbeschwerden, oft begleitet von Kopfschmerzen, in schweren Fällen Bewusstlosigkeit
  • Quetschungen der inneren Organe
  • verringertes Lungenvolumen und Kurzatmigkeit durch Verformung der Rippen, in schweren Fällen Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel
  • Verdauungsprobleme durch Behinderung der Darmperistaltik, Bauchschmerzen, Blähungen
  • durch Quetschung des Magens Sodbrennen, teilweise Erbrechen möglich
  • Pilzinfektionen der Haut durch eng anliegende, nicht atmungsaktive Taillenformer

Mit Korsett zu Muskelschwund mit Verletzungsfolge

Das Korsett und auch elastische Waist-Trainer bieten durch ihren Aufbau eine gewisse Stützfunktion, weshalb es auch medizinische Varianten für Menschen mit Wirbelsäulenkrankheiten gibt. Auch bei der rein kosmetischen Anwendung wird die Rumpfmuskulatur entlastet, ein Teil des Körpergewichts wird dann von dem stützenden Kleidungsstück getragen. Das Problem: Muskeln, die nicht benutzt werden, bilden sich zurück. Das kennt jeder, der eine Weile trainiert hat und dann wieder mit dem Sport aufhört, das schöne Sixpack oder die definierten Waden verschwinden schon bald wieder.

Bei Frauen, die regelmässig ein Korsett oder einen Waist-Trainer tragen, bilden sich die tieferen und seitlichen Bauchmuskeln und die Rückenmuskulatur zurück. Für die übrige Muskulatur wird es schwer, den Rumpf selbstständig aufrecht zu halten, das Gewicht hängt direkt an der Wirbelsäule. Jeder Stoss, jede unachtsame Bewegung zieht sich sofort weiter ins Rückgrat, Rückenverletzungen und Bandscheibenprobleme können die Folge sein. Begleitet ist dieser Muskelschwund auch von einem geringeren Taillenumfang, weshalb viele Frauen ihn optisch als Erfolg sehen, doch dieser ist trügerisch. Die oft empfohlene „langsame Gewöhnung“ an die Taillenformer schränkt das Problem nicht ein, sondern unterstützt es sogar, denn auf den Muskelschwund folgt eine immer straffere Schnürung und damit grössere Unterstützung, was wieder zu mehr Muskelabbau führt.


Korsett – einfach zur schlanken Taille mit hohem Gesundheitsrisiko. (Bild: Everett Historical – shutterstock.com)

Korsett – einfach zur schlanken Taille mit hohem Gesundheitsrisiko. (Bild: Everett Historical – shutterstock.com)


Verschnürt und eingepackt – Bauchschmerzen, Blähungen und Hautinfektionen sind die Folge

Wo die Taillenformer doch eigentlich schöner machen sollen, sind einige der Nebenwirkungen überraschend unschön. Einengende Materialien, Stahlstäbe und Schnürungen unterdrücken die natürliche Bewegung des Darms, in der Folge kann es zu Verdauungsproblemen, Blähungen und Bauchschmerzen kommen. Der Magen eine Etage höher reagiert auf die Quetschung mit Sodbrennen und kann sich sogar mit Erbrechen wehren. Wer täglich Taillenformer aus Kunstfasern trägt, muss auch mit Pilzinfektionen der Haut rechnen, denn Schweiss bleibt darunter eingeschlossen, Keime und Pilze finden in dem warmfeuchten Klima einen perfekten Nährboden. Dann doch lieber eine gesunde Normalo-Taille?



Sie kommen als Taillenformer, Schlankheitsgürtel, Waist-Trainer und Korsetts daher, elastische Materialien suggerieren eine sanfte Körperformung. Doch das Gegenteil ist der Fall, Waist-Training ist gefährlich und kann krank machen. Es ist kein Problem, zu einem besonderen Anlass einen Taillenformer oder Shapewear unter einem schönen Kleid zu tragen oder alle Jubeljahre ein locker geschnürtes Korsett auszuführen. Wer gesund bleiben möchte, sollte es aber nicht zur Angewohnheit werden lassen und auf keinen Fall regelmässig enger schnüren.

 

Oberstes Bild: © Lia Koltyrina – shutterstock.com

Über Maria Wildt

Maria Wildt ist Agraringenieurin und Beautybloggerin der ersten Stunde. Beauty, Lifestyle, Natur, Umwelt und Wissenschaften sind daher ihre liebsten Themen. Seit 2007 ist sie Bloggerin, seit 2013 freiberufliche Onlineredakteurin und Texterin.


2 Kommentare


  1. Warum war es mir klar, dass die Autorin des Artikels dick ist?
    Für sie ist es einfach ein ungreifbares Ziel, eine schlanke Taille zu haben.
    Man muss es auch nicht gleich übertreiben, und wie die Weltrekordhalterin eine 18cm Taille haben, da können die ganzen Nebenwirkungen unter Umständen schon zutreffend sein. Aber bei einer Taillenverringerung von zb. 70 cm auf 65cm gibt es absolut keine Beschwerden. Und das Ergebnis ist auch sichtbar. Da hat jemand keine Ahnung von was er schreibt.

  2. Ich stimme mit Linda überein, solange man es nicht übertreibt ist daran nichts gefärhliches auszusetzen. Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit über Korsetts und habe mit verschiedenen Ärzten gesprochen. Allesamt haben mir gesagt dass nichts gefärhliches dabei ist, solange man nicht ins Extreme geht und dem Körper die nötige Zeit gibt, sich daran zu gewöhnen.

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