Hopfen heilt, macht schön und schmeckt

28.02.2015 |  Von  |  Allgemein, Ernährung
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Hopfen heilt, macht schön und schmeckt
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Kaiser Wilhelm der II. soll gesagt haben: „Der Hopfen ist ein Wohltäter der Menschheit“. Nun werden wahrscheinlich vor allem die männlichen Leser zustimmend nicken. Wer Hopfen hört, denkt zuerst an Bier. Sie werden überrascht sein, wie vielseitig die aus Mitteleuropa und dem Hohen Norden stammende Kletter- und Schlingpflanze ist: Jahrhundertelang wurde sie in der Seilerei, der Papierherstellung und der Färberei genutzt. Ausserdem galt sie schon Tausende Jahre vor Christus als Heilkraut und später auch als Würzpflanze. Heute werden alte Kochrezepte, aber auch Mittel für die Schönheitspflege, in denen der Hopfen eine Rolle spielt, wiederentdeckt.

Der Hopfen in der Geschichte



Archäologen entdeckten bei Grabungen Hopfenreste in Siedlungsfunden der Jungsteinzeit. Über die Verwendung zu jener Zeit ist nichts bekannt, die Vermutung liegt nahe, dass der Hopfen als Lebensmittel und aufgrund seiner Heilwirkung geschätzt wurde. Auch die alten Römer, Griechen und Ägypter sollen den Hopfen gekannt und vor allem seine konservierenden Eigenschaften geschätzt haben. Zuverlässige Überlieferungen über seine Verwendung gibt es etwa aus der Zeit des frühen Mittelalters. Damals sammelte man wilden Hopfen als Heilkraut.

Aus der Benediktinerabtei Weihenstephan, welche sich in Freising, nahe München, befindet, gibt es Aufzeichnungen, welche bestätigen, dass schon im Jahre 736 Hopfen für die Bierherstellung genutzt wurde. Ob des Deutschen liebstes Getränk auch dort erfunden wurde? Fakt ist, die Kunst des Bierbrauens nahm ihren Anfang hinter Klostermauern. Nicht nur die Mönche, auch die Nonnen waren als Bierbrauer bekannt. In Ihren Aufzeichnungen „Heilkraft der Natur – Physica“ schrieb Hildegard von Bingen 1150:

„Jedoch mit seiner Bitterkeit hält der Hopfen gewisse Fäulnisse von Getränken fern, denen er beigegeben wird, so dass die ums so haltbarer sind.“

Die religiösen Orden Bayerns veredelten in den folgenden Jahrhunderten die Braukunst, und bis heute sind alte Biermarken aus bayrischen Klöstern auch in der Schweiz bekannt und beliebt. Wenn Sie schon einmal am Oktoberfest waren oder auf einer Städtereise München besuchten, haben Sie bestimmt Paulaner, Augustinerbräu oder Weihenstephan probiert.



Mönche, die zwischen den europäischen Klöstern umherreisten, trugen neben Nachrichten, Klatsch und Tratsch, noch etwas anderes in die Welt hinaus: Auf diesem Wege verbreitete sich nämlich auch das Wissen um die Biere, die dank Hopfen wesentlich verbessert werden konnten. Vor allem die Holländer und Franzosen waren begeistert und im frühen 16. Jahrhundert hatte der Hopfen auch die Briten erreicht: Der erste Brauereihopfen auf der Insel wurde in Kent angebaut. Ungehopftes Bier wurde hier weiterhin bevorzugt und die „Verunreinigung“ des Bieres durch den Hopfen soll in einigen Städten sogar gesetzlich verboten gewesen sein.



Im 16. und 17. Jahrhundert bestand allerdings die Grundnahrung vor allem für Reisende und Armeen aus Brot, Fleisch und Bier. Und das traditionelle Ale der Briten wurde innert Tagen sauer. Die Männer, die damit versorgt werden sollten, letztendlich wahrscheinlich auch! Das dürfte der europaweite Durchbruch des Hopfens in der Bierbraukunst gewesen sein. Gleichzeitig ging leider seine Bedeutung in der Naturheilkunde weitestgehend verloren. Falls Sie jetzt Lust bekommen haben, die verschiedensten Biersorten zu probieren, habe ich für Sie einen Tipp: Im Zürcher Hauptbahnhof können Sie im „Drinks of the world“ so ziemlich jede denkbare Sorte kaufen! Aber lesen Sie doch bitte zuerst, was der Hopfen für unsere Gesundheit und Schönheit tun kann:

Der Hopfen als Heilpflanze



Wild wachsenden Hopfen findet man vor allem dort, wo es feuchte Lehm- oder Tonböden hat, oder in Auenwäldern. Er wächst bis auf einer Höhe von 800 Metern. Von April bis Juli können die jungen Triebspitzen gesammelt werden. Sie schmecken als Gemüse gekocht oder ausgepresst als Gemüsesaft. Wenn im Sommer die Blüten erscheinen, muss zwischen weiblichen und männlichen unterschieden werden: Die bekannte Bierwürze ist übrigens weiblich! Diese Blütenzapfen eignen sich auch zur Zubereitung von Spirituosen oder Tee. Die männlichen dagegen können als feines Gemüse gedünstet werden. Ein Hopfentee soll ein gutes Mittel gegen Kopfweh sein.

Die bekannte Bierwürze ist weiblich; die männlichen Blütenzapfen können als feines Gemüse gedünstet werden. (Bild: Vaclav Mach – shutterstock.com)

Die bekannte Bierwürze ist weiblich; die männlichen Blütenzapfen können als feines Gemüse gedünstet werden. (Bild: Vaclav Mach – shutterstock.com)

Auch die restlichen Teile der Hopfenpflanze können Sie in der Küche verarbeiten. Im Herbst ergeben die Wurzeln leckere Gemüse, die sowohl gekocht als auch gebraten oder gebacken Abwechslung auf den Speiseplan bringen. Blätter, Triebe und Stängel dagegen bringen im Frühsommer eine interessante Note in Salate, Gemüsegerichte und Eierspeisen. Während die weiblichen Blüten das beliebte Bieraroma haben, schmecken die männlichen eher spinatartig.

Dass der Hopfen eine beruhigende und Schlaf fördernde Wirkung hat, haben Sie vielleicht selbst schon feststellen können. Diese Wirkung, welche bereits Hildegard von Bingen erwähnte, wurde inzwischen wissenschaftlich erwiesen. Für die Naturheilkunde sind heute vor allem die Blüten interessant: Sie fördern die Verdauung, wirken antibakteriell und entspannend. Äusserlich angewandt soll Hopfen bei Verletzungen und Entzündungen helfen. Manche Frauen schwören auf die positive Wirkung während der Wechseljahre: Hopfen enthält dem weiblichen Sexualhormon Östrogen ähnliche Phytoöstrogene.

Als ich vor ein paar Jahren an Keuchhusten erkrankt war, war ich froh, dass meine Urgrossmutter ein paar Hausmittel notiert, und uns damit überliefert hatte. Bei Keuchhusten helfen keine Hustenblocker und die Anfälle sind fürchterlich. Wenn ich abends ein heisses Bier mit Honig trank, konnte ich doch ein paar Stunden beschwerdefrei schlafen. Wahrscheinlich wird ein solcher Trunk bei einem „normalen“ Husten noch viel besser wirken, und er schmeckt zudem gar nicht schlecht!

Hopfen in der Naturkosmetik

Dank seiner beruhigenden und ausgleichenden Wirkung wird der Hopfen in der Naturkosmetik vor allem für Haarpflegeprodukte verwendet. Besonders bei empfindlicher Kopfhaut und Allergien ist er eine Wohltat. Fettfreie Haarspülungen mit Hopfen schenken den Haaren Volumen und Glanz. Ein Bier-Shampoo können Sie sich übrigens leicht selbst mischen:

Ein Teelöffel Bier wird mit einem Eigelb und einem Esslöffel Haarshampoo verrührt. Sie sollten hierfür ein neutrales Shampoo, zum Beispiel ein Kindershampoo, verwenden. Waschen Sie damit Ihr Haar wie gewohnt, und lassen Sie das Produkt rund zehn Minuten einwirken, bevor Sie es gut ausspülen.

Wohlhabende Damen sollen schon in der Antike ihre Haut mit Bierschaum gepflegt haben, und von der preussischen Königin Luise ist überliefert, dass sie regelmässig ihr Dekolleté mit Bier wusch. Heute würde uns wohl der Geruch stören. Aber wir können ja zum Glück auf Produkte zugreifen, bei welchem dieses Problem nicht auftritt, und die trotzdem auf die wohltuende Wirkung der Naturmittel setzen.



 

Oberstes Bild: Hopfen heilt, macht schön und schmeckt. (© Heike Brauer / Shutterstock.com)

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