Expertenaustausch über Richtlinien gesunder Ernährung 

07.12.2015 |  Von  |  Ernährung, Gesundheit
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Expertenaustausch über Richtlinien gesunder Ernährung 
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Mit dem Workshop „Foods and diet: innovating tradition“ (Lebensmittel und Ernährung: Tradition erneuern) hat die Organisation SINU (La Società Italiana di Nutrizione Umana) ihren 36. Nationalkongress eröffnet.  

Es ist ein Treffen, wie es nie zuvor stattgefunden hat: Führende Ernährungsexperten aus Australien, China, Indien, den Vereinigten Staaten und Italien sprachen über die jeweiligen Richtlinien und Herangehensweisen bei ihrer wissenschaftlichen Ausarbeitung.

Regelmässige Berichte in den Medien, die die gesundheitlichen Auswirkungen bestimmter Lebensmittel unter die Lupe nehmen, können in der Öffentlichkeit für Verunsicherung sorgen. Lebensmittel wie rotes Fleisch und Salami, Zucker, Milch, Gluten und jetzt auch Heissgetränke wie Kaffee wurden alle bereits mit schädigenden Wirkungen in Verbindung gebracht.

„Abgesehen von der Zuverlässigkeit der wissenschaftlichen Daten ist dies ohnehin ein falscher Ansatz, insbesondere aus kommunikativer und aufklärender Perspektive, da man sich auf ein einzelnes Lebensmittel konzentriert, ohne die Ernährung insgesamt zu betrachten“, erklärt Furio Brighenti, Vorsitzender der SINU. „Wir sollten diesem ‚Reduktionismus‘ kritisch gegenüberstehen und stattdessen mehr Aufklärung für eine ausgewogene Ernährung betreiben, die alle von uns aufgenommenen Lebensmittel sowie unseren Lebensstil berücksichtigt.“

„Ohne konkrete medizinische Gegenanzeigen ist es wahrscheinlich kontraproduktiv, ein einzelnes Nahrungsmittel als ’schlecht‘ zu bezeichnen und starre Verbote für ein bestimmtes Lebensmittel aufzustellen, da die erste Reaktion der Reiz wäre, das Verbot zu brechen, insbesondere bei bestimmten Altersgruppen wie Jugendlichen“, fügt Robert Gibson von der Abteilung für funktionelle Ernährungswissenschaft der Universität Adelaide, Australien hinzu.

Auch Laura Rossi, Ernährungsexpertin bei Crea-Nut, einer Forschungsgruppe, die italienische Richtlinien entwickelt, erklärt: „Es gibt keine Zutaten, die für sich genommen schlecht wären. Wir sind mit Vergleichen wie denen zwischen gutem Gemüse und schlechten Tieren, Palmöl oder Zucker und dergleichen nicht einverstanden. Der jeweilige Inhaltsstoff als solcher ist nicht unbedingt gesund; es geht darum, eine Ernährung zu schaffen, die gesund ist.“


"Foods and diet: innovating tradition" (Lebensmittel und Ernährung: Tradition erneuern) (Bild: © SICS)

„Foods and diet: innovating tradition“ (Lebensmittel und Ernährung: Tradition erneuern) (Bild: © SICS)


Joanne Slavin, eine Dozentin für Ernährung an der Universität Minnesota, sagt: „Ein starrer Ansatz in Bezug auf Lebensmittel ist falsch, insbesondere weil unsere Ernährungsbedürfnisse in den verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich sind und es schwierig ist, Grenzen für Nährstoffe wie Fette, Zucker oder Salz aufzustellen, die für jede Altersgruppe gelten.“ Slavin zufolge ist es entscheidend, dafür zu sorgen, dass Ernährungsempfehlungen auf soliden wissenschaftlichen Belegen fussen.

In der neuesten Überarbeitung der Richtlinien für Zucker empfahl die Weltgesundheitsorganisation, seine Aufnahme auf unter 10 % der täglichen Kalorienzufuhr zu beschränken, wollte diesen Wert jedoch noch weiter auf 5 % (also 25 Gramm/6 Teelöffel) senken.

„Die Empfehlung von 5 % beruht nicht auf solider wissenschaftlicher Arbeit“, erklärt Brighenti, „sondern ist ein klares Beispiel für Risikomanagement, also eine politische Entscheidung, die nichts mit dem zu tun hat, was uns die Forschung sagt. Dieselben Experten bei der WHO haben sogar zugegeben, für die Empfehlung von 10 % konsolidierte Daten und für diejenige für 5 % mangelhafte Daten herangezogen zu haben.“

Auf dem internationalen Workshop stellte sich heraus, dass die Richtlinien der Länder, die zusammen 50 % der Weltbevölkerung stellen, sich für Zucker an 10 % orientieren und sich nicht an die Empfehlung der WHO von 5 % halten. In China beträgt die eingebrachte Menge von zusätzlichem Zucker etwa 5 % oder sogar weniger (Euromonitor), obwohl die Fettleibigkeit zunimmt.

„In unseren Richtlinien“, erklärt Zhang Huanmei von der Chinesischen Gesellschaft für Ernährung, „unterstreichen wir die Bedeutung einer abwechslungsreichen Ernährung mit verschiedenen Lebensmitteln. Darüber hinaus haben wir konkrete Empfehlungen für verschiedene Kategorien und Altersgruppen veröffentlicht.“



Ein weiteres wichtiges Konzept, das in der Diskussion zum Vorschein trat, ist die Lebensweise. Gibson erklärte, wie körperliche Betätigung und eine gesunde Ernährung zusammenwirken und dass das eine ohne das andere sinnlos sei.

 

Artikel von: SICS, Società Italiana di Comunicazione Scientifica e Sanitaria
Artikelbild: © Minerva Studio – shutterstock.com

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