10 Mythen aufgeklärt: Kopfschmerzen und Migräne

13.09.2016 |  Von  |  Gesundheit, News
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Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Kopfschmerzen und Migräne.

Untersuchungen zufolge litten über 80 % der 12- bis 19-jährigen in den vergangenen sechs Monaten unter Kopfschmerzen. Allerdings gibt es viele verschiedene Formen an Kopfschmerzen mit unterschiedlichen Ursachen und Symptomen.

Kopfschmerzen sind somit nicht gleich Kopfschmerzen und wie kaum eine andere Erkrankung sind sie von Mythen umrankt, was die Ursachen, Auswirkungen oder Behandlung mit Hausmitteln und Tabletten angeht.

Die medizinischen Experten der Initiative Schmerzlos haben die bekanntesten Mythen rund um Kopfschmerzen nachfolgend genauer unter die Lupe genommen und sagen, was wirklich hilft.

1. Handy-Strahlung: Die gefährliche Strahlung von Handys kann Kopfschmerzen verursachen.

Dr. med. Astrid Gendolla: „Es gibt keine Studie, die darauf hinweisen würde, dass die „Strahlung“ durch die normale Benutzung von Handys oder von anderen „elektrischen“ Quellen zu Kopfschmerzen oder Migräne beitragen könnte.

2.  Kopfschmerzen und Kaugummi: Reduziert der Verzicht aufs Kaugummikauen das Risiko für Kopfschmerzen.

Dr. med. Raymund Pothmann: „Es gibt Hinweise, dass extensives Kaugummikauen über mehrere Stunden pro Tag mit mehr Kopfschmerzen einhergeht. Für „normales“ Kaugummikauen gilt das nicht.“

3.  Vom ewigen Starren auf die Flimmerkiste: Zu viel Fernsehen und Computerspiele machen Kopfschmerzen.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers: „Ein kausaler Zusammenhang konnte in Studien nicht belegt werden, allerdings verbringen männliche Jugendliche mit Kopfschmerzen laut MUKIS-Studie* mehr Zeit mit Spielen am PC als Jugendliche ohne Kopfschmerzen; dabei ist aber nicht geklärt, was Folge und was Ursache ist.“

4.  Wenn das Wetter wechselt: Temperatur und Luftdruck sind verantwortlich für Migräne.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers: „Wetterfühligkeit und Wetterveränderungen sind die am häufigsten angegebenen Trigger für Migräneattacken. Dabei hat sich aber keine Regelhaftigkeit herausgestellt: Während der eine auf hohen Luftdruck reagiert, reagiert der andere auf niedrigen Luftdruck. Für Deutschland ist festgestellt worden, dass signifikant mehr Migräneattacken auftreten, wenn es grössere Veränderungen in der Lufttemperatur gibt, die Richtung der Änderung ist dabei egal. Ansonsten gibt es Hinweise, dass bestimmte Wetterlagen wie das Föhnwetter in Süddeutschland Migräneattacken auslösen können. Dies ist aber nie vorhersagbar. Ausserdem kann nicht sicher gesagt werden, ob wirklich das Wetter oder nur die Erwartung als Auslöser dienen.“


Medizinische Experten haben die bekanntesten Mythen um Kopfschmerzen aufgeklärt. (Bild: © Initiative Schmerzlos)

Medizinische Experten haben die bekanntesten Mythen um Kopfschmerzen aufgeklärt. (Bild: © Initiative Schmerzlos)


5.  Der Feind lauert im Essen: Von A wie Alkohol bis Z wie Zitrusfrüchte, wer ist schuld am dröhnenden Kopf?

Dr. med. Raymund Pothmann: „Nahrungsmittel sind wohl das am meisten untersuchte Gebiet unter den Migränetriggern. Um es klar zu sagen: Es gibt nur ganz wenige Stoffe, von denen nachgewiesen werden konnte, dass sie bei einigen Betroffenen regelhaft Migräne auslösen können. Schokolade, Käse, Nüsse und Zitrusfrüchte sind nicht darunter. Etwa ein Viertel der Migränepatienten ist sensibel auf Alkohol, am ehesten auf französischen Rotwein. Darin enthaltene Stoffe, die noch nicht identifiziert sind, können Kopfschmerzen verursachen (z. B. alte Bordeaux-Weine). Bei Jugendlichen weist die MUKIS-Studie* Cocktails als kritische Trigger aus. Der Geschmacksverstärker Glutamat kann ebenfalls Kopfschmerzen bei Migränepatienten auslösen. Dabei handelt es sich häufig nicht um typische Migräneattacken, sondern um einen dumpfen Kopfschmerz, der sich von Migräne unterscheidet.“

6.  Reaktionsvermögen auf Überreizung: Migränehirne ticken anders.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers: „Ja, dies gilt aber nur für die Zeit zwischen zwei Attacken: Je näher eine Migräneattacke kommt, desto weniger Anpassung zeigen Migränepatienten in der Reizverarbeitung. Dies bedeutet, dass sie Reize auch nach längerer Zeit noch genauso schnell verarbeiten können wie zu Anfang. Dies kann ein Vorteil sein, wenn man schneller reagiert und mehr von der Umgebung mitbekommt. Dies kann aber auch ein Nachteil sein, wenn mehrere Reize gleichzeitig auf einen einströmen: Dann können Migränepatienten schlechter die unwichtigen Reize ignorieren und erleben alles mit, sie werden von den Reizen quasi überflutet.“

7.  Migräne ist Frauensache: Unter Migräne leiden bei weitem mehr Frauen als Männer.

Dr. med. Astrid Gendolla: „Die angeborene Veranlagung für Migräne ist unter Frauen und Männern gleich verteilt. Nur im Alter zwischen etwa 20 und 50 Jahren haben Frauen 2- bis 3-mal häufiger und mehr Migräne als Männer, da durch die besondere hormonelle Situation der Frau mehr Attacken ausgelöst werden.“

8.  Auslöser erkennen: Was ist dran an den drei „S“ der Migränetrigger: Stress, unregelmässiger Schlaf, Stimmungsschwankungen?

Dr. med. Raymund Pothmann: „Stress, d.h. psychosoziale Belastung durch viele unangenehme Aufgaben oder Konflikte, und unregelmässiger Schlaf können Migräneattacken auslösen. Stimmungsschwankungen sind häufig eher die Folge einer Migräne als der Auslöser.“

9.  Dosierung von Schmerzmitteln: Viel hilft viel oder ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste?

Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers: „Es gilt bei Kopfschmerzen und Migräne immer der bestimmungsgemässe Gebrauch. Das bedeutet, man soll Akutmedikamente an maximal 10 Tagen im Monat einnehmen, dann aber so früh wie möglich und auch ruhig in höherer Dosierung. Es gilt also: „Viel hilft viel“ in der akuten Attacke und „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ beim Langzeitgebrauch von Schmerzmitteln.“

10. Heilung von Migräne: Besondere Ernährungsformen wie z. B. die „No-Carb-Diät“ können Migräne heilen.

Dr. med. Astrid Gendolla: „Grundsätzlich ist es nicht möglich, Migräne zu heilen. Die Veranlagung bleibt ein Leben lang, sodass immer Attacken auftreten können, auch wenn sie bei den meisten Patienten mit zunehmendem Lebensalter immer seltener kommen. Gerade Anbieter von bestimmten Diäten versprechen eine Heilung von Migräne, ohne dass es dafür Belege gäbe. Dies gilt auch für die „No-Carb-Diät“, die im Gegenteil sogar bei Migräne problematisch ist, da Menschen mit Migräne regelmässig Kohlenhydrate benötigen.“

(*) R. von Kries, F. Heinen, A. Straube. MUKIS: Münchner Untersuchung zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten – Interventionsstudie. Erste Ergebnisse der MUKIS-Erstbefragung. LMU Ludwig-Maximilians-Universität München. Stand: Juli 2012.

 

Artikel von: Initiative Schmerzlos
Artikelbild: © Initiative Schmerzlos

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